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Oktober-Notizen

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30.10.03
Venezia


Ach, es gibt noch Dinge auf die man sich freuen kann: 3 Tage Venedig gehören ganz bestimmt dazu. Jetzt dieses Wochenende. Kann man sich mehr wünschen? Okay, vielleicht schon noch, aber ich bin fürs erste zufrieden.

Und auf der Suche nach Venedig-Tipps bin ich auf folgendes gestossen. Venetian Legends (und Ghost Stories). Genau richtig für Halloween in Venedig:

"... One evening the old man had lingered on the fondamenta to smoke his pipe. Not a soul passed by, and in the dark only an occasional gondola capped with a felza, its heavy and discreet covering, glided down the Grand Canal. Suddenly the water under one of the gondolas was alit with a somber, purplish red light; a sort of whirlpool formed in an instant and seemed to hold the boat suspended in the air, tossing it around so that the gondolier lost his footing, and dove in to swim away as far as he could from the turbulent waters. Two huge black arms, with clawed hands, emerged from the water on each side of the gondola, and ripped off the roof with prodigious ease. Biagio could just make out the figures of two little girls, holding on to each for dear life, before the hands grabbed them and a horrible head with two enormous horns surged from the depths of the canal. One of the little girls screamed crazed with terror. The other was silent, either fainted, or paralyzed with fear. The monster’s face, his horns, his red eyes and his enormous bat-like wings , tall as a bell-tower, which could be seen behind that terrifying snarling mask – all of which have been depicted a thousand times over in paintings, church mosaics, and altars in the streets – left little doubt: this was Satan, the devil himself...."


















28.10.03
Die Möglichkeit des Unmöglichen
oder: Rubics Zauberwürfel


Adorno im FKV







26.10.03
Zeitumstellung


Im Club. Um halb eins, als der Keller noch fast leer war, stauten sich die wenigen Gestalten dennoch genau im Durchgang vor der Theke, so dass man nur mit Körperkontakt in den hinteren Teil kam, um festzustellen wie leer und kalt es hier war und verstand, warum die Personen vorne so dicht gedrängt, warm vermummt in Mänteln und Jacken, vor dem Tresen rumstanden. Bar konnte man den Bretterstapel kaum nennen.
Dann plötzlich, als gäbe es ein geheimes Zeichen, füllte sich der Raum. Die Masse der Dichtgedrängten rückte Meter für Meter Richtung DJ-Pult, welches ganz hinten am Kopfende des Kellergewölbes stand. Doch tanzen wollte noch keiner. Es zuckten Füsse, Schultern, Hände, Köpfe. Bewegten sich verhalten wippend im Rhythmus. Je enger,  umso wärmer wurde es und auf dem Bretterbänken an der Seite wurden die Sitzenden langsam von Jackenstapeln verdrängt. Immer noch schienen sie auf etwas zu warten. Schrieen sich an. Holten ein Bier. Wippten weiter im Takt.
Dann wurde es mit einem Schlag ruhig. Viel zu ruhig. Strom weg, kein Saft auf den Plattenspielern und dem Verstärker, gleichsam schwoll das Stimmgemurmel unangenehm an. Als dann wieder die Musik anging, einem fast das Ohr betäubte, fingen sie an zu tanzen. Hatten sie Angst, wenn sie jetzt nicht tanzen würden, dass vielleicht wieder der Stom ausfiele und man die Gelegenheit für diese Nacht ganz verpassen könnte?
Schicht für Schicht entledigte man sich überflüssiger Kleidung. Die Stapel auf den Bänken wuchsen. Die Musik war laut, es war warm und eng. Man stiess immer wieder gegen den Nächsten, rieb sich an Körpern auf dem Weg zur Theke oder zum Klo.
Sie tanzten, tranken, küssten. Dachte man an ein Morgen? In dieser magischen Stunde zwischen drei und vier (in der jegliches egal war, alles erlaubt, denn es gab sie ja nicht wirklich, was man jetzt tat, wäre morgen wie ausgelöscht) beschloss ich zu gehen.
Ich hatte genug getrunken, getanzt, geküsst. Ich war satt. Draussen nieselte es, so setzte ich meine Wollmütze auf und alles war gut. Die folgende Stunde, die wieder zählte, gehörte ganz mir allein.







22.10.03
Herbst


Ich schau raus und es schaut trüb zurück. Selbst das bunte Herbstlaub scheint mir in anderen Jahren bunter geleuchtet zu haben. Vielleicht hat der intensive Sonnenschein diesen Sommer alle Farben ausgezerrt und es reicht jetzt nur noch zu einem matten Farbwehen.







18.10.03
Briefe schreiben


Habe gestern eine Mail geschrieben und erzählt, was hier in letzter Zeit passiert ist, das Ergebnis sah in  etwa so aus:

hier in frankfurt haben wir den autoren- und besucheransturm der buchmesse überstanden. dann fand eine sehr schöne nachttanzdemo statt, wo man viele bekannte gesichter, ob politisch aktive oder feier-leute, traf.  very nice.
 
und jetzt bereiten sich die braven studenten auf das semester vor. besprechen dinge, wie die anstehenden gebühren für langzeitstudenten (insbesonders alte studierende wie ich und konsorten machen sich gedanken). wahrscheinlich startet ab frühjahr ein meer an anmeldungen zur magisterprüfung. ich schreibe schon, gott sei dank, das bedeutet, die prüfer sind !-noch-! recht entspannt. ich bin eine der letzten vor der flut des sommers.
 
und, kalt ist es hier, aber die sonne scheint gülden auf die braunen und gelben blätter, nur abends ist es eklig, wenn einem der kalte wind um die ohren pfeift. ich will nicht ausgehen, denn ich friere. im winter werde ich immer so verfroren und ausgehunlustig. heul.


Wieviel erzählt diese Mail nicht, lässt aus oder ist korrigiert? Schriftliche Korrespondenz ist etwas feines. Aber sie ist stets die am stärksten gefilterte Möglichkeit des Austausches von persönlichen Informationen. Sind Briefe (und hier schliesse ich durchaus Mails ein) eher ein Mittel der Selbstvergewisserung als Zeugnis eines "Erzählen-wollens", dem Kontakt nach Aussen? Ein Kondensat, dessen Inhalt geformte Essenz von Vergangenem und Gegenwärtigem ist?

Natürlich liegt es in der Hand des Briefeschreibers, wieviel er bereit ist in eine Mail hineinzupacken. Vielleicht ist gerade diese Mail (wohl nett) aber in ihrer Beliebigkeit ein schlechtes Beispiel für weiterführende Gedanken.

Das Thema, inwieweit man andere, d.h. Freunde, Bekannte, Familie an seinem Leben Anteil haben lässt, ihnen Einblick schenkt, ist aber eines, welches immer wieder wichtig wird. Und manchmal beschleicht mich der Gedanke, dass das intensive Grübeln über Selbstfokussiertheit den Blick auf das reale Gegenüber und dessen Bedürfnis nach Anteilnahme behindert.








14.10.03
Nachschau


Gestern abend Lesung. Sehr angenehme Veranstaltung. Nettes Publikum.

Horror war das Leitthema. Mein Text: Vampire

Tanz der Vampire (1967)
Entfesselte Begierde (1973)





13.10.03
Vorschau


Ich will ja nicht zu viel verraten, aber bei der Widerstands-Lesung heute abend in der KFU geht es unter anderem darum >>>








Lebendig gefressen (1973)



Ding-Dong

Das Kind steht mit seiner Mutter auf der anderen Seite der Gleise. Sie warten auf die U-Bahn. Hinter ihnen eine Plakatwand mit Ankündigungen für Konzerte, Ausstellungen und Lesungen.

Der Junge ist höchstens 4 Jahre alt, kaum größer als ein Meter. Hinter ihm ein Plakat des Städels. Es wirbt für die neue Ausstellung "Nackt!".

Auf dem Plakat eine überdimensioniert üppige weibliche Brust. Die Brust ist größer als der Kopf des Kindes und genau in Augenhöhe. Er dreht sich um, starrt darauf. Vor seiner Nase die Pingpong-Ball große Brustwarze, ganz rund. Hellbraun hebt sie sich farblich deutlich vom Rest der Brust ab.

Er hebt die Hand, führt sie Richtung Nippel, der Zeigefinger zielt genau auf die Mitte, berührt fast die Wand und ...
... klingelt!!! Ding-Dong ergänzt es sich lautlos in meinen Kopf. Und noch einmal. Ding-Dong. Ding-Dong.







10.10.03
Das Leid mit der Armut

Ich sitze hier und warte. Auf keine Person. Ich warte auf mein Geld. Manchmal steh ich auf, ziehe Mantel und Handschuh an, geh raus in die Kälte zu meinem Geldautomaten und schaue nach, ob dort irgendwas passiert ist.

Theoretisch habe ich Geld. Ich weiss, was ich wann und wo gearbeitet habe. Die Summen sind im Endergebnis nicht hoch, aber es reicht aus. Wenn sie mir überwiesen würden. Am längsten dauert es bis die städtischen Gelder fliessen. Die Stadt ist arm. Ich auch. Aber die Stadt kann sich trotzdem Empfänge, Galen und Kongresse leisten. Ich nicht.

Ich bin nicht wirklich arm, verzweifelt und mittellos. Ich bin ein Wohlstandskind. Jederzeit könnte ich zu meinen Eltern fahren, ein bisschen auf die Tränendrüse drücken und schon wäre mir eine finanzielle Überbrückungszahlung sicher. Aber das ist entwürdigend. Mit Ende Zwanzig sollte das nicht mehr sein. Oder zumindest nicht zu oft sein.

Letzte Woche fing es an. Mein Konto blockte. Was ich in den letzten und ersten Tagen eines Monats durchaus gewohnt bin. Das Geld vom Vormonat ist verbraucht und es dauert immer paar Tage bis die neuen Honare eingegangen sind. Das sind die Tage, in denen ich beginne, in allen Taschen und Ritzen nach Kleingeld zu suchen. Mit absoluter Verlässlichkeit findet sich genug Geld, um die folgenden Tage zu überstehen.

Ich reduziere mein Ausgaben auf ein Minimum und es gibt nun täglich Pasta-Variationen.  Pasta ist billig. Öl und Knoblauch sind immer im Haus. Das garantiert auf jeden Fall "Pasta d'Olio". Variert wird dies durch Pasta mit Tomate, mit Pinienkernen, mit Zwiebeln. Es geht quer durch die Küchenreserven.

Und ich schaue, wie man sich zusätzlich umsonst durchschlagen kann: Montag abend sind die Getränke frei, denn ich bin aktiv lesend beim Vorleseabend in der KFU. Dienstag Abend gibt es lecker Rotwein,  ich helfe bei der Theke einer Lesung an der Universität, feine Häppchen gibt es zudem. Und Donnerstags bin ich zu einer Soiree ins Liebighaus geladen. Das Liebighaus bekommt einen schönen Text über die neue Leihgabe, die dort mit dem kleinen Festakt eingeweiht wird und ich habe freien Zugang zum Buffett. Ein sehr leckeres Buffet. Und ebenso gute Weine.

Freitag besitze ich nur noch 1.60 EUR, doch ich bekomme im Café Karin mein Gehalt für die Thekenaushilfe. Ich bin schon früher da und und sitze allein an meinen Tisch, überlege, was ich bestellen soll. Doch was wäre, wenn die Freundin mit dem Geld den Termin vergessen hat, etwas dazwischen gekommen ist, ein Unfall, Überfall, was auch immer...
Also schau ich nach, was ich bestellen könnte, es mit meinen Restgeld selbst zu bezahlen. Doch Wasser oder Kaffee sind teurer. Nach langen Suchen werde ich fündig. Malzbier ist günstig, nur 1.35 EUR. Ich hab seit Jahren kein Malzbier mehr getrunken und bestelle es sogleich. Die Freundin kommt, mit ihr das Geld. Eigentlich schmeckt mir sogar das Malzbier, man sollte es wohl öfter trinken.

Am Montag werden die Gelder wieder fliessen. Also gönne ich mir ein nettes Wochenende. Und am Montag... Irrtum, immer noch kein Geld und das Gehalt vom Freitag ist schon futsch. Am Dienstag fahr ich nothalber zu meiner Mutter Mittagessen und seit Mittwoch ist Buchmesse.

Meine Armut sieht wie folgt aus: Ich besitze etwa 50 Cent in Rotgeld. Doch Dank Rowohlt, Fischer, Österreichischer Medienförderung (undundund... wie sie alle heissen mögen) ist die Zeit der Geldlosigkeit eine Zeit des Frei-Kaffees, Frei-Cappuccinos, Sushis, mexikanischen Wraps, französischen Ciches, Meyer-Feinkostspeisen und kleiner adretter Häppchenplatten.

Jeden Tag warte ich auf mein Geld. Verharre in meiner Luxus-Feinschmecker-Armut. Doch die Buchmesse ist bald zur Ende. Und ich sehne mich nach Vollkornbrot.







07.10.03
Heizung


Seit Samstag haben wir wieder Heizung. Eigentlich warte ich und meine Mitbewohnerin schon seit dem 1. Oktober darauf, dass sich da was tut. Doch die Heizung blieb kalt. So auch Donnerstag, Freitag, Samstag. Bis - mitten in der Nacht- ein leises Gurgeln aus den alten Heizungsrohren zu vernehmen war. Es gurgelte, dann rülpste sich das Wasser den Weg frei und seitdem sprudelt es fröhlich durch den Heizkörper. Mit dem heissen Wasser kam endlich die Wärme bis hoch in unsere Wohnung im Dachgeschoss.

Natürlich hätten wir schon am 2. Oktober bei unserem Vermieter anfragen können. Hätten wir ja. Und wir haben doch auch gefroren. Sehr sogar. Aber wir wohnen so nett günstig und unser Mietvertrag läuft bald aus. Und verlängern wollen wir doch auch noch, so dass wir uns dauernd sagen: " Ach, belästigen wir den guten Mann nicht mit dem Kleinkram". Die Regenrinne ist verstopft. Wir sagen kein Wort. Unser Küchenausguss funktioniert nicht. Nur mit dem Gang zum Klo wird das Abwaschwasser entsorgt. Wir sagen kein Wort. Das Fernsehprogramm läuft stetig im Schneesturm-Modus. Wir sagen kein Wort.

Wir sind wunderbare Mieter. Schweigsam, stets ohne Klagen. Und endlich mit einer warmen Wohnung.








01.10.03

So, die Widerstandslesung am Montag ist vorbei. Und die nächste Lesung steht schon wieder vor der Tür. Am Buchmesse-Montag, sozusagen zum Kehraus, gibt es den  







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