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                                rezensionen


Netzwerk Offenbach
(Kunstansichten, Fahrradhalle, etc.)






Peter Mutschler, Peyman Rahimi und Ralf Hübner
Fahhradhalle/Portikussi/Galerie Hühsam

Ein Spaziergang entlang junger Kunst sollte man sich derzeit erlauben. Und zwar zwischen Frankfurter Straße und Luisenstraße kann man sich gleich drei Ausstellungen auf einen Schlag anschauen. Angefangen in der Fahrradhalle. Dort hängen und stehen Schneidearbeiten von Peter Mutschler. “Lichtpausen” nennt er diese. Entlang der Wand hängen gerahmte Scherenschnitte. Allerdings in Negativform, so ist nur der äußere Rand, der Steg belassen und in der Mitte sind verschiedene Formen und Figuren herausgeschnitten. Nicht eine genau identifizierbare Figuration, sondern Schichten, so dass man am Rand nur noch raten kann, was denn da zu sehen ist. Da scheinen Beine rauszuragen, ein Stuhl, eine Eule. Sie zeigen sich nicht klar abgegrenzt. Es sind collagierte Geschichten, die durch ihre “Nichtpräsenz” Raum zum Imaginieren lassen. Am Boden sind als Skulptur Spanplatten aufeinandergeschichtet, meist sind es nur zwei Platten. Gleich Laubsägearbeiten bei denen die Mitte verloren ging und nur der Rahmen erhalten ist, liegen sie der Länge des Raums entlang.

Ein Stock tiefer im kleineren Portikussi ist der Raum vom Städelstudent Peyman Rahimi gestaltet worden. Rahimi, 1977 in Teheran geboren, lebt seit 1999 in Frankfurt. Das “Zwischen den Kulturen-Sein“, bestimmt sein künstlerisches Arbeiten. Mittelpunkt der Raumgestaltung sind die Siebdrucke, die entweder auf profanen Material, wie Stoff-Einkaufstaschen oder klassisch auf Leinwand aufgebracht sind, stets im Kontrast zu orientalischen Stoffmustern. Sie zeigen Schwarz-Weiß-Fotografien aus den Tagen der Iranischen Revolution: Soldaten, Demonstrierende, Maschinengewehre, verschleierte Frauen. Iranische Klischees und gleichzeitig gelebte Geschichte. Blickfang ist sicherlich die eingezogenen Wand auf die man frontal stößt, wenn man das Portikussi betritt. Mit filigranen Muster auf metallik-brauner Glanztapete hängt mittig ein schwarze Rahmen, der jedoch leer bleibt. Es gibt eine Konzentration auf den Rahmen, dem das Foto fehlt und dadurch stets mitgedacht wird. Islamisches Bilderverbot im Spannungsfeld zur Repräsentation politischer Agitatoren oder Platz für ganz private Bilder?

Man flaniert fort von der Fahrradhalle hin zur Galerie Hühsam. Dort begegnet man dem Motiv des Scherenschnitts wieder. Ralf Hübners Ölmalereien hängen dort in den Räumen. “Driftwood Elegies” heißen die schwarzen Schattenrisse von Blumen, Bäumen, Natur. Wachsschichten sind auf die Leinwand aufgetragen, darüber schwarze Ölfarbe, es duftet noch danach. Das Wachs wurde dann vorsichtig entfernt, so dass schwarze Stege stehen blieben, fast fotografische Kompositionen. Als blicke man gen Himmel in das Geäst eines Baumes, diffuses Blätterwerk, Blumenranken. Sehr ästhetisch, am stärksten dort, wo die Formen freier, abstrakter werden, überall anders immer noch schön. Fast zu schön.




Margarete Zahn und Frank Bubenzer
Fahrradhalle/Portikussi

In der Fahrradhalle gab es dieses Wochenende zwei Ausstellungseröfffnungen zur gleichen Zeit. Oben wurden Margarete Zahn “Andreaskreuze” gezeigt, zu denen Frank Mussmann, Direktor der Hochschule für Gestaltung (HfG), die Eröffnungsansprache hielt. Unten, nur eine Etage tiefer im Portikussi, hing die Ausstellung “Fotoshop für Arme” von Frank Bubenzer.

Beide Künstler eint, dass sie einstmals Studenten der HfG waren. Doch während Bubenzer mittlerweile in Berlin wohnt, hat es Margarete Zahn zuerst einmal ans Städel gezogen, wo sie Malerei studierte. Nun hat sie in Offenbach ihr Atelier und zwar in dem Komplex hinter der Fahrradhalle. So liegt eine Ausstellung hier recht nah. Zeitgleich sind großformatige Arbeiten von ihr im Frankfurter Karmeliterkloster ausgestellt. Im Kreuzgang hängen dort ihre Kreuze.

Diese Kreuze finden sich auch an den Wänden der Fahrradhalle wieder. Nicht irgendwelche Kreuze, sondern besonders die Andreaskreuze haben es ihr angetan. Die Arbeiten sind eine Mischung zwischen Malerei und Skulptur. Sie zeigen (natürlich) Kreuze, meist aus Metall, welche mit Holzbalken unterlegt sind, so dass die Arbeiten Volumen in den Raum bekommen. Das Metall schimmert in Grün- und Goldtönen. Da diese mit Säuren bearbeitet wurden, ist die Colorierung noch nicht abgeschlossen, sondern das Metall arbeitet, teilweise rostet es durch, ergänzt durch eine Farbgestaltung, die manchmal an Grünspahn erinnert. Die künstlerischen Ausgangspunkte von Zahn liegen in der Ikonenmalerei und dem ägyptischen Mumienporträt. Über Abstraktionen gelangte die Künstlerin zu der Form des Kreuzes. Und dieses Kreuz ist ihr wortwörtlich zum Kreuz geworden, denn “immer wieder werde dieses verlangt“, so die Künstlerin, obwohl sie selber gerade verstärkt kleinformatig in Gips, jedoch weiter in Gold- und Grüntönen arbeitet.

Die Arbeiten Frank Bubenzers könnten kaum unterschiedlicher zu der oben gezeigten Ausstellung sein. Wenn man sagen würde, dass es bei den “Andreaskreuzen” um Kontemplation und Tiefe geht, so zeigt “Fotoshop für Arme” die ironische Bearbeitung von Oberflächen. Und zwar derer von Werbung und Medien.

Papiercollagen hängen an den Wänden. Doch fällt dies auf den ersten Blick nicht auf, so sorgfältig sind sie gearbeitet. Bubenzer hat sich Umsonst-Stadtillustrierten bedient, sich dort eine Werbeseite vorgenommen und diese nach eigenem Gutdünken umgestaltet und zwar nicht am Computer, sondern indem er aus winzigsten Seitenschnipseln ein neues Bild zusammenklebt. Wie die Stempel-Funktion, die man von Photoshop kennt, allerdings nun alles per Hand und mit Leim. Im Schnitt hat er so aus 20 Original-Werbungen eine seiner Collagen gemacht. Da wurden z.B bei einer H&M Anzeige all die schönen Menschen entfernt. Es bleibt nur Wiese und eine Choreographie verlassener Schlafsäcke zurück. Oder eine Werbung einer Versicherungsgesellschaft, die ein Ledersofa mit Zielgruppe zeigt (glückliche Menschen zwischen 5-95), wurde genau von dieser befreit. Zu sehen ist nun das Sofa, so wie der Werbefotograf es wohl vorgefunden hatte, bevor all die Modells kamen und zur "glücklichen Zielgruppe" wurden.

Zusätzlich läuft ein Zusammenschnitt von Videoarbeiten Bubenzers der letzten 10 Jahre, wobei besonders seiner neuesten Arbeit vom März 2003 Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Sie heißt "Die Stille in einer Stunde CNN". Es ist ein etwa 5min. Film, der all die Momente ohne gesprochenen Tons aus einer Stunde CNN zeigt. Zu sehen sind die aneinandergeschnittenen Atempausen der Journalisten und Moderatoren, welche einen merkwürdigen Zeitraffer-Effekt ergeben. Diese Stille tönt und das wirkt irritierend erstickend.





Art Frankfurt: Netzwerk Offenbach

"Vernetzung" ist das Stichwort für das Netzwerk Offenbach. Dieses ist nämlich ein Zusammenschluss, der es Künstlern und Designkollektiven ermöglicht, die Kunstmesse „art Frankfurt“ selbstständig als Plattform zu nutzen. Das ist natürlich auch ein Aushängeschild für Offenbach, das kann man gleich deutlich erkennen, so sind hinter dem Infotisch des Ausstellungsraumes lauter Logos von Offenbacher Firmen auf Lichtwürfel gesetzt, sozusagen ein weiterer Verbund, der das Netzwerk Offenbach stützt.
Im Vordergrund steht allerdings die Kunst. Es ist der Verbund einer kommerziellen Galerie, wie der von Thomas Hühsam und nichtinstitutionellen Ausstellungsräumen, wie der Fahrradhalle, Studio Moschee und Portikussi des Oliver Raszewskis und ihnen schon länger verbundenen Künstlern und Projektgruppen. Dabei ist als eine der Basen für dieses Netzwerk bestimmt die Hochschule für Gestaltung zu nennen, wo manche der ausstellenden Künstler einst gemeinsam studierten. Aber es stellen in diesen Rahmen ebenso Künstler mit einem völlig anderen Background aus. Alle sind sie Teil dieses Netzes und können somit viele sehr unterschiedliche künstlerische Positionen abdecken. Dieses Netzwerk bietet somit einen Freiraum, um sich gemeinsam auf dem Kunstmarkt zu etablieren.

Dadurch ist es auch möglich, dass die Ausstellungskoje sehr geräumig wurde und nicht gedrängt mit kleinformatigen Kunstwerken überhäuft ist, wie teilweise anderenorts zu sehen. Fast wie in einem Museum sind die Bilder gehängt. Man vergisst beinahe, dass der eigentliche Zweck des Ganzen doch der Kunsthandel ist. Denn alles was dort hängt, kann natürlich gekauft werden. Wem die ausgestellten Arbeiten aber zu großformatig oder zu kostspielig sind, auch für diesen Kunden lässt sich beim Netzwerk Offenbach eine Lösung finden. Verborgen hinter Wänden gibt einen Lagerraum mit Arbeiten im kompakten Maß zu 21 x 21 cm. Das sind Arbeiten im Holzrahmen, wie sie schon mehrmals in der Fahrradhalle ausgestellt waren, die wohl auf der Messe nicht hängen, aber dennoch bei Anfrage gezeigt und erworben werden können.

Und im Gegensatz zu den meisten Galeriekojen, die fast nur Malerei oder Fotografie zeigen, gibt es hier Platz für zwei Neue Medien-Projekte, die zwischen angewandter und freier Kunst schwingen. Meso und Stardax (Saasfee) arbeiten einerseits als kommerzielle Designbüros, allerdings beeinflussten die Entwicklungen für diese Aufträge auch wieder die freien Arbeiten, solche, wie sie beim Netzwerk Offenbach präsentiert werden. Einzig schade, dass die Arbeiten etwas versteckt liegen. Beim Vorbeischlendern sind sie nicht zu entdecken, da muss schon richtig rein und um die Architektur in der Mitte des Raums herumgehen, dort entdeckt man im Dunkel die Computer-Bildschirme von Meso und den langgestreckten spacigen Lichtkasten von Stardax.

Vorne, präsent im Raum, hängen Arbeiten für die Wand. Malerei, so die poppige Portrait-Serie von Kaya Theiss, ein filigranes übergroßes Scherenschnittherz („Black Heart“) von Charlotte Mac Gowan-Griffin oder die bestickten Filzgründe von Silke Andrea Schmidt. Und außen zum Gang hin, sind die Malereien von Antonio Marra. Die nur mit Farbe und Struktur arbeiten. Bunte und schwarze-weiße Muster überlagern einander, die Farben flimmern vor dem Auge, je nachdem aus welcher Blickrichtung man auf die Arbeiten schaut.





Rundgang der Kunstansichten

Wohin? Das ist die Qual der Wahl bei den Offenbacher Kunstansichten. Bei 55 Ausstellungsorten, fällt es schwer sich zu entscheiden, wo man anfangen soll. Reicht doch das Angebot von Museum bis Club, Galerie bis Garage.
Vielleicht eine thematische Wahl, z.B. "Floral": Dann beginnt der Rundgang mit "Blumenbildern" in der Galerie Luise Reinsberg, "flowers" in der Fahrradhalle und Rosen bei "Rosecraft" im Atelier Hartung. "Neueste Rosen" füllen das Hinterhaus der Künstlerin Sabine Hartung in der Friedrichstrasse und wandeln es zum "Rosengarten". Die HfG-Absolventin malt seit 13 Jahren ausschließlich Rosen und all ihre Kunstprojekte haben die Blume zum Inhalt. Mittelformatige Malereien auf Leinwand, gefüllt mit überdimensionierten Rosen, ob rot, weiß oder violett. Alle sind sie groß, körperbetont und wunderbar kitschig. Beim Blick durchs Atelierhaus wird man weiter fündig, zwei Rehkitze aus Holz stehen im Treppenhaus und ein kleiner Taschen-Plattenspieler steht bereit, umbaut von Singles der 60er und 70er Jahre, alles Schlager, welche die Rose besingen.

Nächste Station ist die Galerie Hühsam in der Frankfurter Strasse. Diesmal keine Blumen, sondern ornamental filigrane Scherenschnitte. Eintritt zur Ausstellung "The Moon Rose Twice That Night" der britischen Künstlerin Charlotte Mac Gowan-Griffin. Die Papierarbeiten wirken auf den ersten Blick vordringlich "hübsch". Sieht man genau hin, verändert sich Motiv jedoch ins Unheimliche. Das Gitter des Hintergrunds zeigt keine floralen Ranken, es baut sich aus Scheren, Sägen und Ketten zusammen. Mitten hinein sind Abbildungen von je zwei Menschen aus schwarzem Tonpapier gesetzt. Sie ähneln siamesischen Zwillingen, die in der Mitte des Körpers miteinander verwachsen zu sein scheinen. Der Schrecken im Schönen.

Galerist Thomas Hühsam, der zusammen mit dem Künstler Oliver Raszewski die "Offenbacher Kunstansichten" ins Leben gerufen hat, erzählt von den unterschiedlichen Leuten, die während der Kunstansichten vorbeikamen. Positiv überraschte Offenbacher, die sonst nie in seine Galerie gefunden hätten, aber auch das Stamm-Publikum, welches jedes Jahr wiederkommt. Hühsam ist sehr zufrieden mit den etwa 10.000 Besuchern, die in der vergangenen Woche die Kunstansichten aufsuchten. Erstaunt zeigt er sich nur von dem hohen Zugriff auf die Website, 55.000 Besucher im Netz weltweit, allein 1000 aus der USA.

Doch weiter geht es zum nächsten Kunstraum. Gleich um die Ecke, in der Luisenstrasse, kann man in einem Hinterhof drei ausstellende Ateliers besuchen. Das Büro Gabriele Juvan zeigt eine Endpräsentation der sommerlichen Kunstaktion "Ein Dach für Offenbach", im Atelier "Kunststück" stellen die Malerinnen Monica Knipp und Erika Dombrowski ihre Bilder in Werksatmosphäre aus. Und der kleine Raum der "Luise 63" ist randvoll gefüllt mit Arbeiten des "Memoriakabinetts" von Perta Mühl, welche persönliche Erinnerungsstücke zu einem musealen Archiv aufgebaut hat. Ein Ruhepause vom Bilderschauen gibt es im OFKunstraum in der Wilhelmstrasse.
Der OFK veranstaltet ein "Internationales Performance Festival". Etwa 100 Besucher sind dort, stehen in Grüppchen im Hof und plaudern. Sie warten gespannt auf die Performance des Nürnbergers Harri Schemm, der dritten von insgesamt fünf an diesem Abend.

Der Performance folgt die letzte Station des Abends. Am Ende der Frankfurter Strasse, nah beim Wetterdienst, geht es zum Besuch der Installation "B 8". Mit "B 8" ist die Bundestrasse gemeint, die Deutschland von Nord nach Süd durchzieht. Zwei Wahl-Offenbacher filmten die Autofahrt zurück zur ihren Heimatorten. So fuhren die Künstler "Horst ReKords" nach Passau und "Elvin Dust" nach Oberhausen. Die beiden Filme werden nun in einer Garage gezeigt, zusammen mit einer Rauminstallation. Diese erlaubt dem Besucher in einem zerlegten Autointerieur Platz zu nehmen. Zwei Sitzen vorne, die Rückbank dahinter, beim Fahrersitz das Lenkrad. An der Garagenwand läuft die Großprojektion der Autofahrt, fast wie in einem Fahrsimulator. Nach den Heimfahrten auf der inszenierten B8, wird es Zeit für die wirkliche Heimfahrt. Schon jetzt kann man gespannt sein, welche Entwicklung die Offenbacher Kunstlandschaft im kommenden Jahr nehmen wird.





Kunstansichten Orte: Die Fahrradhalle

"Blumen schenken heißt, sich der Schönheit bedienen, um Brücken zwischen den Herzen der Menschen zu schlagen", so ein Text aus der Ausstellung "flowers" in der "Fahrradhalle" im Rahmen der "Offenbacher Kunstansichten. Für zehn Künstler standen je zwölf Rahmen à 21 x 21 cm zum Thema "flowers" zur Verfügung. Die dabei entstandenen hundertzwanzig Kunstwerke können nun direkt vor Ort im Ausstellungsraum erworben werden. Schon einen Tag nach der Eröffnung der Ausstellung hingen sieben rote Verkauft-Pünktchen neben einzelnen Arbeiten und eine Serie mit 12 Bildern ist zudem komplett verkauft.

Den Ausstellungsraum Fahrradhalle gibt es seit 1994. Seit Mitte der 90er Jahre hat sich ausgehend von Studenten und Absolventen der Hochschule für Gestaltung in Offenbach durch diverse Projekt- und Ausstellungstätigkeiten eine eigenständige Kunst- und Vermittlungsszene entwickelt. Der Künstler Oliver Raszewski ist Mitbegründer und Mitglied der Fahrradhalle  und zusammen mit dem Ausstellungsmacher Thomas Hühsam sind sie die Initiatoren der "Offenbacher Kunstansichten". Die dabei entstanden Kontakte zu Künstlern der Stadt und Region wurden offiziell unter dem Namen "Netzwerk Offenbach" zusammengefaßt. "Netzwerk Offenbach" präsentiert nun in der Ausstellung zehn Künstler oder Künstlergruppen: Antonio Marra, Christof Kohlhöfer, e-sisters, Florian Jenett, Michel Sperlich, meso, Oliver Raszewski, Silke Andrea Schmidt, StarDax und Kaya Theiss. Alle haben einen Bezug zu Offenbach, die Spannbreite reicht vom Beuys-Schüler bis zum Design-Labor.

Antonio Marra, 1959 bei Neapel geboren, studierte dort an der Accademia de belle Arti. Heute hat er sein Atelier in Offenbach. "flowers" stellte ihn vor ein Problem, da es ihm zuerst schwer schien seine sich erarbeitete Malerei auf die 12 Rahmen zu übertragen. Bis ihm der Gedanke kam, dass bei einer Blumenfotografie das Motiv beim Nahzoomen in viereckige Pixel zerfällt. Die Abstraktion der Pixel bot ihm die künstlerische Umsetzung zu "flowers". Dementsprechend sind die 12 Rahmen mit zum Teil kreischend bunten Rechtecken gefüllt, die auf ihre eigene Weise Blumen zeigen.

Die e-sisters, namentlich Katja Kirchhoff, Saira Hussain, Katja Mihajlovic, sind Studentinnen der HfG. Sie haben ihre 12 Rahmen mit altmodischen Knigge-Verhaltensregeln gespickt, zu denen auch das Zitat am Anfang gehört. Es gibt Regeln zum Schenken von Blumen, zu Tischschmuck oder Hochzeiten. Jede, der mit Schreibmaschine getippten Anweisungen, wurde mit einem alten Häkelmuster oder einer vergilbten Blumenstickerei ergänzt. Die Serie ist zu einem kleinen Archiv materialisierter Stilblüten geworden.

Die Blumen von Silke Andrea Schmidt, HfG-Absolventin, sind eine Vermischung unterschiedlichster Kontexte und verweisen immer wieder auf Vergänglichkeit. Naturstoffe wie Filz werden mit unscheinbaren Alltagsgegenständen kombiniert. So bilden sechs Hostien einen Blütenkranz und das Blüteninnere ist eine rundes Bildchen einer Gams, welches eine Zielscheibe über dem Herzen trägt. Makaber bis kitschig kommen die 12 Rahmen daher. Die vielleicht naheliegendeste Umsetzung sind die "Blumenportraits" von Kaya Theiss. Sie zeichnete Frauen, die Blumennamen tragen: Magerita, Iris, Anne Mohne oder Rosa. Und wie die Wachstums- und Standortbedingungen auf den Tüten von Blumensamen, sind auch die Lebensumstände der Frauen in kurzen Worten unter den Portraits festgehalten.

"Netzwerk Offenbach" präsentierte bis 31. Oktober 2002 "flowers" im Ausstellungsraum "Fahrradhalle", Luisenstraße 51.




Kunstansichten Orte: Kunstloft Karminsky

Ortstermin, Offenbach Domstraße. Gegenüber des Arbeitsamtes geht es in einen Hinterhof. Dort: ein frischsanierter Fabrikbau im typischen gelben Klinker der Region. Hier wohnt Michael Karminsky, in dessen Loftwohnung sich eine Sammlung zeitgenössischer russischer Kunst verbirgt. Michael Karminsky ist selbst in der Sowjetunion geboren und aufgewachsen, verdient heute sein Geld in der Gastronomie und widmet sich seit fast 20 Jahren seiner Kunstsammlung, die sich langsam, aber stetig vergrößert. Schon beim Betreten der Loftwohnung sieht man nicht viel vom roten Ziegelstein der Wand, diese ist von oben bis unten mit Bildern bedeckt. Eine lichte Etage, deren Wohnbereich sich am Stück bis zum Eß- und Küchenbereich hinüberzieht. Einzelne Versatzstücke, wie selbstrestaurierte Schiffshaken, Industriewaage und die Original-Hängelampen des Baus betonen den Industriecharakter der Wohnung. An den Wänden hingegen hängt Kunst: großformatige Gemälde, aber auch Zeichnungen, Drucke, Fotografien und einzelne Kleinskulpturen stehen im Raum.

Zur Kunst gekommen ist Michael Karminsky 1973 über den Künstler Eduard Gorokhovski, der halb in Offenbach, halb in Russland lebt. Durch ihn kam die Begeisterung für die Kunst und die Kontakte zu anderen Künstlern. Eduard Gorokhovski, 1929 in der Süd-Ukraine geboren, ist ein Vertreter der sogenannten „SozArt“, einer politisch motivierten sozialistischen Kunstrichtung im poststalinistischen Russland. Der Künstler bearbeitet Fotos aus alten Alben, indem er sie übermalt und collagiert. Er manipuliert künstlerisch das mediale Bild, wahrt aber Momente der fotografierten historisch-biografischen Situationen, den Kontext, dem die Fotografien entnommen sind. Zwölf Bilder Gorokhovskis sind mittlerweile Bestandteil der Sammlung und hängen auch im Loft.

Sammlungsschwerpunkt ist die Kunst der sogenannten „Zweiten russischen Avantgarde“. Sie ist kein homogener Stil und lässt sich auch nicht unter einem gemeinsamen Nenner zusammenfassen. Ihre historische Bedeutung ist (aufgrund deren plötzlichen Entstehung Ende der 60er und einer Atmosphäre, die einerseits von Gefahr und Verzweiflung und andererseits von schöpferischer Freiheit geprägt war) nur mit den zwanziger Jahren in Russland vergleichbar und darf nicht unterschätzt werden. Von der Staatsgewalt unterdrückt, sei hier nur an die "Bulldozer-Ausstellung" 1974 erinnert, bei der im Moskau ausgestellte Kunst mit Bulldozern niedergewalzt wurde.

Im Loft von Karminsky sind ihre wichtigsten Vertreter in einem Raum vereint: Ilja Kabakov, Alexander Kosolapov, Eduard Gorokhovski, Boris Orlov und andere. Das Besondere daran ist, dass die Arbeiten nicht im sterilen Umfeld eines Museums gezeigt werden, sondern in der Privatwohnung des Sammlers, der all diese Künstler persönlich kennt und ihren Erfolg freundschaftlich begleitete.

So war gerade Alexander Kosolapov zugegen, der gerne als Begründer der SozArt bezeichnet wird. Er ist in den 70ern in die USA emigriert und arbeitete an Bildern, in denen er typisch russische Produkte mit dem Design des westlichen Warenfetischismus zu Konsum-Ikonen stilisierte. Kosolapovs “McLenins” ist in Russland beliebtes Souvenir, auf T-Shirts überall zu finden. Auch berühmt, das Gemälde mit Lenin und Stalin vor einem übergroßen Marlboro-Schriftzug, sozusagen als Cowboys des Ostens. In Karminkys Loft hängt eine typische Arbeit von ihm „Caviar Lady“ von 1996. Ursprünglich eine alte Ford-Werbung, räkelt sich nun ein adrettes Pin-Up auf einem runden Kaviar-Logo, ein Text fragt. „Have you eaten Caviar lately?“. Na, dann guten Appetit!






Kunstansichten Orte: Mato-Fabrik

Wer Bieberer Berg hört, denkt bestimmt erst einmal an Fußball. Aber der Bieberer Berg beheimatet auch Kunst. Seit 1994 haben nach und nach Künstler Raum für Ateliers in der Mato-Fabrik gefunden. In dem alten Fabrikbau an der Bieberer Strasse sind immer noch Firmen ansässig, aber der Großteil der Räume ist an mehr als 30 Künstler aus den Bereichen Bildende Kunst, Fotografie, Design und Musik vermietet.

Schon bei vorherigen Rundgängen waren einzelne Ateliers der Öffentlichkeit zugänglich, doch zu dem diesjährigen „Offenbacher Kunstansichten“ haben sich die Mieter der Mato-Fabrik zusammengetan und zusätzlich eine Gruppenausstellung „extrakt2002“ auf die Beine gestellt. 23 Künstler vom Gelände, plus 3 Gastkünstler finden sich nun in einem weiß getünchten Fabrikraum wieder, der extra zu den Kunstansichten vom Vermieter umsonst bereitgestellt wurde. Kuratiert wurde die Ausstellung von Ralph Zoller, selbst Atelierbesitzer am Gelände. Teilnehmende Künstler sind: Angelika Prinz, Armin Rager, Claudia Weber, Cornelia Krauledat, Darcy Delayne, Ernst Stark, Frank Kunert, Frank Tückmantel, Gabriele Saur-Burmester, Johannes Kriesche, Julia Heine-Saabel, Karsten Kraft, Lutz Lübbe, Maren Flößer, Michael Uecke, Migu M. Syed, Ralph Zoller, René Spalek, Robert Mondani, Sabine Voigt, Stefan Bressel, Susanne Lauterbach, Tina Baumung, Ulrike Prange, Wilfrid Kreutz.

Am Anfang waren es nur Sieben gewesen, die an einer Gruppenausstellung Interesse zeigten, doch je mehr das Ganze anfing Form anzunehmen, umso mehr Bewohner der Mato-Fabrik kamen hinzu. „Durch diese Geschichte haben sich die Künstler formiert. Vorher hat man fast wie in einem Hochhaus anonym nebeneinander hingewerkelt.“, so Ralph Zoller. Jetzt weiß jeder, wer der andere ist und was er macht. Die Künstler präsentieren sich nicht nur mit „extract 2002“ gemeinsam, sondern auch auf der gerade noch rechtzeitig für die Kunstansichten fertig gewordenen Homepage, an der man virtuell den einzelnen Künstlerateliers einen Besuch abstatten kann. Man findet dort Informationen zu den Künstlern und Abbildungen ihrer Arbeiten.

Die Ateliers kann man aber auch am kommenden Wochenende real besuchen. Für wen die Gruppenausstellung nur ein Vorgeschmack war, kann dann weitere Arbeiten der Künstler direkt an ihren Produktionsstätten finden. Ob Malerei, Zeichnung, Objektinstallationen, Holzskulpturen, Goldschmiedearbeiten oder Fotografie, die Produkte des künstlerischen Schaffens sind breit gefächert. Nicht anders ist es bei den Atelierbesitzern, von Kunsthandwerkern, Kunsthochschulabsolventen, Uni-Dozenten bis Hobby-Künstlern ist so ziemlich alles vertreten. Zusätzlich werden die Besucher des Rundgangs auch kulinarisch verwöhnt. Unter dem Dach einer afrikanischen Hütte werden afrikanische Spezialitäten angeboten.
Infos: www.kunst-in-der-alten-Mato.de




Kunstansichten Orte: Offenbach am Meer

Man stelle sich vor, statt des Maindamms plätscherten Wellen an den Strand. Der Flohmarkt fände unter Palmen statt. Kinder würden im Sand Burgen bauen, während Liebespärchen der am Horizont versinkenden Sonne nachschauen. Offenbach am Meer, schön wär’s.

Schon ironisch gemeint sei der Titel, so Rafael Jimenez Heckmann, von der Kulturinitiative „Offenbach am Meer e.V.“ Ironisch, aber nicht resigniert, eher als Motivation, dass es viel zu tun gibt. Zusammen mit Daniel Koeth, Reiner Bös, Kathrin Kolb, René Nungeß und Frank Biedert gründete Jimenez Heckmann im Frühjahr 2002 die Initiative „Offenbach am Meer“. Sie verstehen sich als Plattform für Kunst, Film und Musik für Offenbach. Und zu den Offenbacher Kunstansichten starten sie mit ihrer ersten Veranstaltung. Ein Filmfestival „Filmsichten 01“ präsentiert Offenbacher Filmemacher. Davon gibt es ja Dank der HfG einige, insgesamt vier davon werden am Samstag, den 14. September ihre Filme zeigen.

Das Hauptprogramm bestreiten dabei Christof Nogay und Jörg Ritter. Jeweils von 15-17 Uhr und 21-23 Uhr werden Filme der beiden gezeigt. Zusätzlich werden die Zwei von 18-20 einen filmischen Vortag zum Thema „Tempo“ präsentieren. Um 23 Uhr gibt es dann eine Weltpremiere auf dem kleinen Festival „Bier Brother“ von Alevander Schrumpf und Bernhard Lenz. Lenz, Mitglied von Freax, ist ja schon aufgefallen mit bitter-bösen Anarcho-Filmen.

Info: www.offenbach-am-meer.net





Kunstansichten Orte: Galerie Volker Huber

Bei den Offenbacher Kunstansichten kann man die Bandbreite an Offenbacher Kunsträumen kennenlernen, von Ateliers, Galerien bis zu Off-Kunst-Räumen. Ein Raum, der sonst weniger der Öffentlichkeit zugänglich ist, wäre die Edition und Galerie Huber. Die Hauptarbeit liegt bei der Edition von Originalgrafiken und Skulpturen. Und damit unterscheidet sie sich auch vom normalen Galeriebetrieb, wo verkauft wird, was in der Galerie ausgestellt ist. 1969 von Volker Huber gegründet, arbeitet die Edition heute mit 7 Mitarbeitern und hat ihren Sitz in der Berliner Straße.

Hier werden Druckeditionen von einzelnen Kunstwerken produziert, eine Art Minikatalog, der dann per Post versandt wird. Entweder geht dieser gleich an die Sammler oder an Galerien, welche die Arbeiten dann bei sich in den Räumen anbieten. Zu dieser Editionstätigkeit gehört auch das Verfassen und Verlegen von Künstlermonografien oder Kunstbüchern. Seit über 20 Jahren vertritt Volker Huber z.B. die Künstler Bruno Bruni und Paul Wunderlich und vermittelt Kunstwerke in Deutschland und nach ganz Europa.

Zusätzlich gibt es aber auch, ähnlich wie bei einer klassischen Galerie, eine 240 qm große Ausstellungsfläche, die als Showroom genutzt wird. Dort wird speziell für die Offenbacher Kunstansichten, Arbeiten der Künstlerin Barbara Quandt ausgestellt. Barbara Quandt ist eine alte Bekannte der Galerie, hat schon 1990 und 1994 in der mittlerweile aufgegeben Dependance in Frankfurt ausgestellt und vor zwei Jahren für die Edition Volker Huber ein Künstlerbuch geschrieben und illustriert. "-50°- Die Expeditionsreise der Gertrude Kronthaler, Alaska 1896-1898". Ein fiktives Reistagebuch. Barbara Quandt selbst wurde 1947 in Berlin geboren, studierte dort Malerei an der Hochschule der Künste. Nach mehreren Arbeitsstipendien, die sie für lange Aufenthalte nach Nordamerika, Südamerika und andere Länder Europas führten, kehrte sie zurück in ihre Heimatstadt, wo sie heute lebt und arbeitet.

Jetzt sind ihre Malereien in Offenbach zu sehen. In den lichtdurchfluteten Räumen des Haus Rosenthals. Im Dritten Stockwerk gibt es eine geräumige Loftetage mit Panoramablick auf eine Offenbacher Hinterhof-Szenerie und nach vorne auf die geschäftige Berliner Straße. Großformatige Malerei, aber auch Kleinformatiges hängt an den Wänden und an dem asymetrischen Kubus, einer Architektur im Raum, der zusätzlich Hängefläche bietet. Man kann Barbara Quandt dem Dunstkreis der "Neuen Wilden" zuordnen. Ihr Duktus ist locker, die Bildthemen zeigen eine gegenständlich abstrahierende Malerei. Die ausgestellten Arbeiten sind in Öl auf Leinwand gearbeitet, aber auch Aquarelle und Gouachen auf Papier. Sie zeigen stets farbenfrohe, kräftige, übereinander gelegte Farbflächen, in der auch Figuren oder Tiere ihren Platz finden.

Die ausgestellten Werke aus den 80er und 90er Jahren und werden kontrastiert mit drei metallenen Großskulpturen von Horst Anthes, Bernhard Jäger und Lutz Brockhaus, ebenfalls Künstlern, die durch die Edition vertreten werden.





Kunstansichten Orte:  Das Robert Johnson

Wer ist Robert Johnson? Kein Offenbacher, zumindestens kein Einwohner. Und doch ein Offenbacher, ein Musikclub, an der Grenze Offenbachs zum Kaiserlei gelegen. Gegründet wurde der Club, in dem renommierte regionale wie internationale DJ’s House und elektronische Musik auflegen, im Juni 1999. Die Macher hinter den Kulissen sind Ata Macias, Sebastian Harst und Klaus Unkelbach. Ein Kunstabend war immer mal angedacht, aber bis jetzt war dies Projekt noch nicht in die Gänge gekommen. Doch man pflegt schon länger gute Kontakte zur Frankfurter Städelschule und zur Hochschule für Gestaltung und ist für neue Konzepte offen.

Zu den „Offenbacher Kunstansichten“ bietet der Club nun jeden Tag Veranstaltungen, zusammengefasst zur „Apollo“-Reihe, bestehend aus den Segmenten FOTO, FILM und LIVE. Apollo-FILM gibt es an fünf Tagen. Fünf Künstler aus den Bereichen Bildende Kunst, Musik und Literatur werden ihre Lieblingsfilme zeigen. Auf das Ergebnis kann man gespannt sein, denn die Namen versprechen Interessantes. Heiner Blum; Konzeptkünstler und Professor an der Hochschule für Gestaltung. Duwe/Wüst, Offenbacher Künstler, die gerade erst ein großes Kunstprojekt für das Museumsuferfest realisierten. Tobias Rehberger, international agierender Frankfurter Künstler. Sven Regener, Sänger der Band „Element of Crime“ und Autor des Buches „Herr Lehmann". Justus Köhncke, Kölner Szene-Ikone, Produzent von Whirlpool, die letztes Jahr mit „From Disco zu Disco“ boomten. Aktuell ist er mit neuer eigener Platte „Was ist Musik“ unterwegs.Gestandene Künstler, die zum Teil dem Club ganz elementar verbunden sind, wie z.B. Tobias Rehberger. Er war es, der dem Club zu seinen Namen verhalf oder Heiner Blum, der den Kontakt zu dem Veranstaltungsort organisierte, während Duwe/Wüst künstlerisch mit dem Club arbeiten.

Jeder der Künstler zeigt seinen Lieblingsfilm. Der Club wird so zum öffentlichen Wohnzimmer. Allerdings wird vorher nie gesagt, was für ein Film gezeigt wird und welcher Künstler an welchen Abend dran ist. Da hilft dann am ehesten der Blick ins Publikum, denn alle außer Sven Regener werden an ihrem Abend auch anwesend sein. Die Filme sollen Spaß machen. Liebe, Sex und Rock’nRoll, so ließe sich die Auswahl grob beschreiben, doch wird nicht verraten.

Die Segmente FOTO und LIVE bilden Anfang und Ende der Apollo-Reihe. Bei Apollo-FOTO werden Foto-Arbeiten des 24-jährigen HfG-Studenten Daniel Herrmann gezeigt. Er hat über zwei Jahre lange Besucher im Club fotografiert. Die digitalen Bilder kommen nun als laufende Projektionsserie zurück ins „Robert Johnson“. Angekommen sind auch Großkopien der Fotos, welche die Wände regelrecht zukleistern werden. So dass vor allem der Club und seine Besucher sich ständig selbst wiederholen. Denn der Besucher der Kunstansichten kommt in den Club, um die Bilder der Besucher im Club zu betrachten. Apollo-LIVE ist die Fortsetzung zu Apollo-FOTO. Die Band von Daniel Herrman "Micogramma Medium Extended“ wird live im Club spielen, Kraut Rock ist die Musikrichtung und es wird zudem wieder Fotoarbeiten Herrmanns zu sehen geben.






Kunstansichten Orte: Rotari

„Das Rotari ist einfach obergeil. Wohnzimmeratmosphäre, da halt echt superklein, und zwei verglaste Wände zur Straße hin. Trotzdem immer namhafte DJ’s, vor allem aus dem Frankfurter Raum“, so die Beschreibung eines Besuchers einer Party-Homepage im Internet.
Schnell wird klar: Rotari in Offenbach hat weder etwas mit dem 1762 verstorben Maler, noch mit der italienischen Sektkellerei und noch viel weniger mit dem weltweit agierenden Rotary-Club zu tun. Obwohl ein Club ist es schon, aber nicht nur.

Früher ein Imbiss auf dem Hochplateau des Busbahnhofes in der Berliner Strasse, wurde der leerstehende Laden 1998 vom Frankfurter Partymacher Hans Romanov und Andrea Wünsche übernommen. Nach dem Weggang Romanovs im Frühjahr 2000, übernahm ein Gruppe von Kunst-Musik-Medientreibenden, etwa im Alter von Mitte Zwanzig bis Mitte Dreißig das Projekt „Rotari. Auch wenn manche Mitglieder der Ursprungsgruppe nicht mehr dabei sind und Neue hinzukamen, das Veranstaltungsprogramm wird gemeinsam im achtköpfigen Team entschieden. Dies geht über Bar und Musikprogramm hinaus. Regelmäßig finden in dem Raum Ausstellungen, Filmpräsentationen, aber auch Lesungen oder Diskussionsveranstaltungen statt. Junge HfG- und Städel-Studierende können hier ihre Werke zeigen, während DJ’s an den Plattenspielern stehen und elektronische Musik auflegen. Eher ein Musik-Salon als eine Disco, was schon die Enge des Raums gebietet, denn geräumig ist das Rotari wirklich nicht.

Mit seiner Lage in dem Ladenkomplex in der Berliner Strasse wäre es in anderen Städten vielleicht ein Projekt zur Belebung sozialer Brachflächen im urbanen Raum. In Offenbach ist das täglich Brot: Jugoslawisches Café neben Kunstraum, die allgegenwärtige, durchaus spannende Vermischung der unterschiedlichen Einwohnergruppen. Und deshalb ist es besonders empfehlenswert für den Durchschnitts-Besucher, abseits des jungen HfG-Publikums, während der Offenbacher Kunstansichten genau dorthin zu gehen. Zu sehen, was aus dem Hochplateau geworden ist und wie kleine Kunsträume und Clubs, wie das Rotari, diese brachen Flächen besetzen und positiv nutzen können. Und wem das Clubprogramm abends zu spät ist, der kann zum abschließenden Rundgang am Sonntag, dem 22.9. schon ab 15 Uhr vorbeikommen. Präsentiert wird, neben der kleinen Ausstellung „Maudi“, „Kunstansichten zum Anhören“ eine CD von ptaah und Christian Strobel, mit gesammelten elektronischen Musiken des Rotari-Clubs.

Die Hauptausstellung während der Kunstansichten bestreitet jedoch die HfG-Studentin Astrid Rieger mit der Zeichenserie „Maudi“. Eröffnet wird die Ausstellung am Freitag, dem 13.9 um 21 Uhr. Zusätzlich werden an diesem Abend „Maudi“-Animationsfilme gezeigt und ein Kurzfilm. „Maudi“ ist eine rumänische Zeichentrickfigur. Die Zeichnungen Riegers zeigen klare vereinfachte Illustrationen, die sich in den Animationsfilmen wiederfinden. Dabei werden kleine Geschichten erzählt, die jedem bekannt vorkommen. Szenen, die man täglich erlebt. Die Animationsfilme sind etwa zwischen 45 sec und 1min 40 lang und werden hintereinander den ganzen Abend an einem Bildschirm im Hintergrund abgespielt Der Kurzfilm „Luftlöcher“ von 2002 ist etwa 15 Minuten lang und wird um 23 Uhr gezeigt.

Während der Kunstansichten werden unter der Woche außerdem am Montag, dem 15.9. ab 21 Uhr „Filmstills“ gezeigt von Heide Kolling, Nadja Milenkovic und Alexander Braun. Und Donnerstag, dem 19.9. läuft um 23 Uhr ein Film von Justina Hajda „Der Horcher“, 20-minütig aus dem Jahr 2002.

Rotari, (Mo-Do 21-01 Uhr, Fr und Sa ab 22 h), Berliner Str. 50-52, Hochplateau.




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