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Buchmesse
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| VIERpunktEINS Was
ist denn das? Bücher und Magazinbündel sind in den
Buchmessehallen ja nichts ungewöhnliches. Ganz hinten in Halle
4.1, einer Halle, in der neben Verlagen, auch Kunstbücher oder
Schriftkunst vertreten sind, dort ist dieses Jahr so manches anders als
zuvor.
"VIERpunktEINS" auf
der Frankfurter Buchmesse in Halle 4.1. Informationen gibt es am Stand
der Hochschule für Gestaltung (M 133).Auf einem Fernseher sieht man das Gesicht einer jungen Frau. Unbeweglich ist die Kamera auf ihr Gesicht gerichtet. Ihre Augen bewegen sich jedoch leicht. Sie liest und wir schauen ihr dabei zu. Davor auf dem Boden sind die Bündel mit Büchern und Zeitschriften verteilt. Wir befinden uns in einer Videoinstallation und die Bündel sollen zum Verweilen einladen, als Ruhezone in der Hektik der Buchmesse. Eine Studentin der Offenbacher Hochschule für Gestaltung ist dafür verantwortlich: Claudia Stiefel. Sie ist nur eine von mehreren Studierenden, die mit dem Kunstprojekt "VIERpunktEINS" Kunst in den Messeraum bringen. Nach der letzten Buchmesse hatte sich eine Projektgruppe an der Offenbacher HfG gebildet und gemeinsam hat man ein Konzept entwickelt, welches man der Buchmessegesellschaft vorgeschlagen hatte. Aus dem Bereich Visuelle Kommunikation wird das Projekt von Johann Peter Baum und Professor Dieter Lincke betreut und von Produktgestaltung kommt noch Professor Petra Kellner hinzu. Insbesondere leere Wandflächen und ungenutzte Ecken werden von Wandarbeiten, Fotoarbeiten, Klang-, Video und Rauminstallation der findigen Studenten neu bespielt. An ungenutzten Wandflächen der Halle sind nun "Interaktive Wände" eingerichtet worden. In Rot oder Blau gestrichen, oder mit Metall ausgekleidet, dürfen sie von den Besuchern nach Gutdünken benutzt werden. Noch hapert es allerdings mit der Interaktivität, wer von den Messegästen malt schon einfach so eine frischgestrichene Wand voll? Besser funktioniert die Wandtafel, an der auch schon bunte Kreidestücke das Zeichnen und Kritzeln viel einfacher machen. Schon am Nachmittag des ersten Messetages war diese Wand randvoll. "Oh Gott, so viele Menschen" steht dort oder schlicht "Es grüßt ABI 05". Andere Kunstwerke müssen erst gefunden werden, wie Hänsel und Gretel muss man einer Flyerspur zu einem Notausgang folgen, doch dort erwartet den wackeren Sucher eine Raumskulptur in Form eines Topfblumenwaldes, sogenannter "Grünstand" von Luciana Alanis. Zusätzlich tönt eine Klanginstallation von Dirk Hölzerkopf, einem Dialog wird davon erzählt, dass Schön ist, was den Regeln des goldenen Schnittes folgt. Einmal für die Aktionen der HfG sensibilisiert, entdeckt an verschieden Orten ihre Spuren, so sind an zwei Orten kleine Nischen, in der man dem altbekannten "Main-Laden" der Hochschule begegnet. Ein Design-Laden, der Produkte der Studierenden vertreibt. Andere Nischen sind beispielsweise mit einem spinnennetzartigen Muster überzogen und werden als beliebten Hintergrund für Autorenfotos der umherrschwirrenden Pressefotografen genutzt. In der Mitte der Halle am Stand M 133, er leuchtet dem Besucher in warmen Gelb entgegen, ist die Hochschule für Gestaltung selbst offiziell vertreten, dort finden sich auch die Katalogbündel wieder und zusätzlich Kunstmappen von Studierenden mit Schwerpunkt Illustration. Zudem liegen dort auch kleine Notizbücher zu dem Projekt "VIERpunktEINS" aus, die einerseits als Raumplan der Kunstwerke funktionieren, aber auch Raum für eigene Anmerkungen und Notizen lassen. |
| Buchmesseschwerpunkt
Arabische Welt Es sieht aus wie in einer
Bibliothek. Auf hölzerne Regalwände, angeleuchtet durch
anheimelnd gelbes Licht, stoßen die Besucher in der Messehalle
des diesjährigen Buchmesseschwerpunkt "Arabische Welt".
Im Innenbereich finden sich ausländische Übersetzungen, also Bucherscheinungen in Französisch oder Deutsch zu verschiedenen Schwerpunkten, ob Lyrik, Belletristik, Soziologie oder gar Arabisches Recht. Zusätzlich findet sich viel Raum für großformatige Fotobände, die sich mit den historischen Bauwerken oder Landschaften befassen. Auf Hockern davor sitzen die Messebesucher und lesen in einzelnen Ausgaben. Eher im Außenbereich entlang der Wände sind unübersetzte Werke ausgestellt. Viele Bücher haben Hardcover und auf dunklem Untergrund sind goldene Schriftzeichen aufgebracht, weitere Bücher sind recht schlicht als Taschenbuch gebunden und natürlich von hinten zu lesen und zu blättern. Es gibt Bücher, wo man sich wünschen würde, lesen zu können, was Inhalt des Buches ist, da steht ein Buch mit dem Foto von George Bush auf dem Cover oder nur ein Regal weiter prangt Napoleon vorneweg, weiter unten ist eine Ausschnitt eines Gemäldes der Nordafrikanischen Feldzüge Napoleons angefügt und spannend wäre es zu lesen, wie sich der arabische Blick auf die einst französischen Kolonisatoren darstellt. Alles im allem ist es eine gediegene Atmosphäre, bei längst nicht so gefüllten Messereihen, wie in den anderen Messehallen, wo man sich durch Besucherströme kämpfen muss. Zusätzlich zu den Büchern sind in einer Ecke originär arabische Erfindungen ausgestellt, die durch die eurozentrische Geschichtsschreibung "großzügig" europäisiert wurden. In der Blüte der arabischen Kultur im 12. Jahrhundert wurden längst schon Magnet, Uhrwerk, Astrolabium, Wassermühlen, und Destillationsverfahren verwendet, Dinge die erst in der Renaissance in Europa als Innovationen der neuen Zeit gefeiert wurden. Bei den Errungenschaften der Gegenwart hapert es allerdings an Überzeugungskraft. In einem Bereich, in der sich jedes Land mit einer Internetpräsentation darstellen kann, erscheint öfters der Hinweis, dass die Seite nicht angezeigt werden könne, bei Lybien wird man auf gaddaficharity.org hinverwiesen, dort angekommen, will die Seite aber dann auch nicht. Bei Mauretanien funktioniert es dann wieder, dort laufen Filme. Im Ganzen beruft man sich auf die Vergangenheit, schwierig genug gemeinsame Nenner zu finden. Denn anders als bei den Schwerpunkten der letzten Jahre, ist kein einzelnes Land, sondern ein vermeintlicher Kulturkreis ausgewählt, der von der arabischen Liga vertreten wird. Sie hat 22 Mitglieder: Angefangen bei Ägypten, über die Komoren, Marokko, bis Qatar und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Vielfalt bildet auch Probleme: Andere Religionsgruppen und Sprachen dieser Länder finden sich nicht bei der arabischen Liga vertreten. Wäre es da nicht besser gewesen, gemäss der Routine der Buchmesseschwerpunkte ein einzelnes Land herauszuwählen, Algerien oder den recht agilen Libanon? Die arabische Klammer ist nun so groß, dass natürlich Fragen aufkommen, zu Themen, wie dem Umgang mit kritischen Autoren und der Zensur in den einzelnen Ländern. Ist die arabische Vielfalt, wie sie in den Hallen gezeigt wird, mit 200 Verlagen wirklich ein Abbild der Literatur der arabischen Welt? Dies muss wohl angezweifelt werden. Arabische Literatur, die in die europäische Buchhandlungen kommt, stammt oft von Schriftstellern, die im westlichen Ausland leben, die in Sprachen wie Englisch oder Französisch schreiben. So auch die Algerierin Assia Djebar, die jetzt die Tage gerne als prominentes Vorzeigebeispiel der arabischen Literatur dargestellt wird, die im Jahr 2000 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt, doch auch sie benutzt die französische Sprache. Die arabische Liga präsentiert sich solide und gediegen, wie wahrhaftig sie dabei ist, diese Frage bleibt allerdings ein Thema, was diskutiert werden muss und auch im Rahmen der Buchmesse in diversen Institutionen der Region aktiv diskutiert wird... |
| Deutsche Gegenwartsliteratur. Nischen für den Nachwuchs? Goethes und Kafkas Bücher gehören zur Weltliteratur. Sind aber deutsche Gegenwartsautoren außerhalb von Deutschland bekannt? Eher nicht. Abhilfe tut not. Mehr Lesereisen wäre da eine plausible Antwort, doch in manchen Ländern sind Autorenlesungen eher unüblich, so in Spanien. Und erst in Japan: Dort bekommt diese gleich den Beigeschmack des Exhibitionistischen. Dabei wird der deutsche Gegenwartsautor Thomas Brussig („Helden wir wir“, Sonnenallee“) durchaus in Japan gekauft und gelesen, aber wie sich weiter vermitteln ohne Lesungen vor Ort? Gerade Thomas Brussig zeigt sich ziemlich offen für fremdsprachige Lesungen seiner Texte. Im Vergleich zu anderen Autoren, die von Lesung zu Lesung der Goethe-Institute und deutschen Schulen durchs Ausland wandern und so nur deutschsprachige Minderheiten vor Ort erreichen, ist Brussig recht uneitel und lässt seine Texte lieber von einem guten Sprecher in der Landessprache lesen Er sitzt dann dabei, ohne ein Wort zu verstehen (die Texte kennt er ja), aber so erreichen seine Texte die Leser anderer Länder. Wichtig bei dem Weg in den fremden Literaturmarkt ist es, weniger als Vertreter der „Deutschen Literatur“ aufzutreten, als durch Bücher aufzufallen, die gleichwertig auf den jeweiligen Markt mit anderen Büchern konkurrieren können. Bernhard Schlinks „Der Vorleser“ wurde nicht von Fernsehmoderatorin Oprah Winfrey in ihrem „Bücherclub“ vorgestellt, weil sie unbedingt einen deutschen Autor präsentieren wollte, sondern weil die Geschichte in „Der Vorleser“ einen besonderen Reiz auf sie ausübte. Und was Kultmoderatorin Oprah Winfrey gefällt, wird von Millionen von Fernsehzuschauern gekauft. Hier zeigt sich deutlich die Eigenheit des amerikanischen Buchmarktes, denn bedeutender als Lesungen sind Empfehlungen prominenter Persönlichkeiten für den Erfolg eines Buches. Schlinks Buch kam 1999 dank Winfreys TV-Tipp innerhalb kürzester Zeit auf Platz Eins der Taschenbücher-Charts. Die im Nachkriegsdeutschland angelegte Liebesgeschichte traf das Bedürfnis nach Geschichten, die überall verstanden werden, über nationale Befindlichkeiten hinaus. Natürlich bedienen solche deutsche Erzählungen, welche die Zeit und Folgen des Nationalsozialismus oder über die DDR, die Wende behandeln, eine bestimmte Erwartungshaltung von Lesern anderer Länder. Erstaunlicherweise zieren sich jedoch die jungen Autoren diese Themen in ihren Büchern zu behandeln. Für die Spaßautoren, die in den 90ern zu „Popautoren“ gehypt worden waren, steht immer noch das eigene Erleben, die eigene Lifestylekultur, die eigene Kindheit im Vordergrund. Selbst Jana Hensels Roman „Zonenkinder“ über ihre Kindheit in der DDR liest sich eher wie ein Poproman der DDR. Diese Autorengeneration verbuchte in den letzten zehn Jahren große Erfolge. Jung, frisch, eventig, kamen sie mit der Gestik von MTV-Stars daher, kurbelten das Interesse am nationalen Buchmarkt an, ließen sich aber international nur schwer verkaufen. „Abgesehen von den Klassikern und Autoren wie Handke oder Graß spielt die deutsche Literatur derzeit im Ausland keine große Rolle”, so die Literaturhausleiterin Maria Gazetti im Rahmen der Frankfurter Literaturbiennale. Lösungen gibt es durchaus. Ganz wichtig scheint es, die Rolle der Übersetzer zu stärken und zu fördern. Diese fungieren letztlich als Literatur-Vermittler, nur durch sie haben deutsche Gegenwartsautoren Möglichkeit woanders gelesen zu werden. Ganz so tragisch, wie von deutschen Verlegern beklagt, ist der Auslandsmarkt dann allerdings auch nicht, gerade aus Asien gibt es ein hohes Interesse an deutschen Büchern, wohl weniger an Belletristik, doch der Sachbuch- und Kinderbuchmarkt, der boomt. |
| Kaminer, Berlin und die
Russendisko Es
gab ein Veranstaltungsprogramm, doch es fehlte noch ein
Osteuropäer, der dort etwas lesen sollte. In diesem Moment
schneite Wladimir Kaminer in das Büro des Berliner “Kulturladens”
am Prenzlauer Berg, um dort etwas zu kopieren. Und gleich darauf hatte
er schon die zwei Programmmacher gefragt: “"Braucht Ihr einen Russen?."
Das war im Oktober 1998. So kam Wladimir Kaminer wenige Wochen später mit seinem Freund, dem Dichter und Comiczeichner Ilya Kytup zum Sklavenmarkt ins Café "Siemeck". Ilya las aus seinen satirischen Texten, Wladimir moderierte. Damit war auch der Anfang für Kaminers eigene ersten literarischen Gehversuche gesetzt. Und fast wie die Fee im Märchen tauchte Helmut Höge (taz-Autor) auf und bot Kaminer an, für die taz Kolumne ’intershop’ zu schreiben. Es sei egal, über was er schriebe, wie Russen Weihnachten feierten, zum Beispiel. Also erschien "Wie Russen Weihnachten feiern" Weihnachten 1998 als erster Text Kaminers in der taz. Noch heute schreibt er für diese Vorlesebühne, doch zudem noch für die taz, hat eine Rubrik im ZDF-Morgenmagazin, eine wöchentliche Radiosendung „Wladimirs Welt“ auf Radio Multikulti und organisiert im Kaffee Burger Veranstaltungen wie seine inzwischen weithin berühmte “Russendisko“. In
das Bild des nach Berlin Emigrierten Exil-Russen passt er so gar nicht.
Natürlich könnte man sich auf die Tradition der russischen
Avantgarde-Künstler berufen, die in den 20er Jahren Berlins
Strassen bevölkerten. Oder daran erinnern, dass auch schon
Namensvetter Wladimir Nabokow zehn Jahre in Berlin gelebt und
literarisch gearbeitete habe. Doch Nabokow lernte in dieser Zeit kein
Wort Deutsch. Geistig war er in Russland geblieben. Die Emigration
bedeutete für viele Exil-Russen eine Tragödie, mit der man
sich nicht leicht abfinden konnte.
Wladimir Kaminer schreibt und moderiert in Deutsch. Der Status des Immigranten “war ihm nie reizvoll erschienen”. Doch ist es die Buchmesse mit ihrem Russland-Schwerpunkt, welche Kaminer als schreibenden Vorzeige-Russen von Podium zu Podium über das Messegelände hetzen lässt, um dort die immer gleichen Fragen zu beantworten. Wie er die Deutschen sehe und sich dazu als Russen. Wie ihm die deutsche Provinz gefalle und dann kehrt das Thema immer wieder zurück zu Berlin. Berlin, Berlin... Kaminer schreibt kurze Texte über Menschen. Menschen, die ihm begegnen, die er kennt. Er lebt in Berlin, so schreibt er auch darüber. Doch bei den Lesereisen, die er in den letzten drei Jahren durch das deutsche Hinterland unternahm, musste er raus in die Provinz. Und entdeckte dort Alternativen. In jeder Stadt ein anderes Deutschland. Und in jeder Stadt wurde er anders angekündigt, besonders gewitzt: “Der Russe kommt!” oder in Kleinstädten: “Der Shootingstar der Berliner Szene!”. Ergebnis dieser Reise ist sein neustes Buch “Mein deutsches Dschungelbuch”. In einem Zeitungsinterview
sagte er einst: “Zunächst einmal zähle ich mich nicht zur
russischen Literatur. Ich bin ein deutscher Schriftsteller, obwohl ich
immer wieder als russischer Autor bezeichnet werde. Das ist für
die deutsche Literatur ein neuer Zustand. Man kann sich nur schwer
damit abfinden, dass ein Russe als deutscher Schriftsteller tätig
werden kann. Aber das wird sich bald ändern. Es werden mehrere
solcher Autoren dazukommen. “
Wladimir Kaminer lädt am Freitag Abend auf der Buchmesse zur “Russendisko” ein. In Halle 1.2. wird bis 1 Uhr seine legendäre Tanzveranstaltung stattfinden, nachdem er vorab von 19.30 bis 20.30 Uhr aus seinen Texten gelesen hat. Gegen Vorlage der Messe-Eintrittskarte ist der weitere Eintritt frei zur “Russendisko“. Wer nur zur Disko kommt, zahlt 5 Euro an der Kasse. Einlass ist bis 23 Uhr. |
| Leipzig
2003: Bücher, Bomben, Buchmesse Leipzigs Oberbürgermeister
Wolfgang Tiefensee hatte noch die Hoffnung geäußert, das
"Fest für Leser" möge nicht vom Krieg überschattet sein.
Doch Geschichte schreibt sich oft anders als man es sich wünschen
mag und so war der Irak-Krieg stets Subtext der „Leipziger Buchmesse“,
die doch schlicht ein Lesefest sein wollte.
Bis Sonntag präsentierten auf über 39 000 qm Fläche mehr als 1900 Verlage aus 28 Ländern ihre Produktion. Schwerpunkte waren die Literaturen Europas, die Leseförderung, Hörbücher und das Reisen. Was die Leipziger Buchmesse von ihrer größeren Frankfurter Schwester unterscheidet? Sie findet gerade am Abend und in der Nacht statt. Alles spielt sich auf engem Raum ab, und die Lesungen leben von einer angenehmen Ernsthaftigkeit. Zwischen mehr als 700 Veranstaltungen durften sich die Besucher, pendelnd zwischen Stadtbibliothek, Gewandhaus oder Alter Handelsbörse, in diesen Tagen entscheiden. Leipzig lebt von der Nähe zwischen Leser und Buch statt Literaturagenten schwärmen Schulklassen aus in die Glashallen der Messe, wo man mit riesigen Comicständen und "Lesebuden" die Lust am Lesen wecken will. Wegen der politischen Lage sagten jedoch viele Autoren und Gäste ihren Besuch auf der Messe ab, unter anderem die israelische Journalistin Amira Hass, die in Leipzig mit dem Demokratiepreis ausgezeichnet werden sollte. Beherrschte das Kriegsgeschehen am ersten Messetag sowohl die Statements prominenter Autoren und Gäste sowie Anti-Kriegs-Plakate die Szenerie zwischen den Ständen, dominierte die weiteren Tage schon wieder die Buchmesse-Normalität. Schon einmal wurde die Leipziger Buchmesse von einem Krieg eingeholt. Vor vier Jahren hatte die westliche Allianz pünktlich zum Auftakt gegen Milosevic losgeschlagen. Damals war die Atmosphäre gedrückt und gespannt. Im Jahr 2003 war davon wenig zu spüren. Dennoch, an den
regenbogenfarbenen
„Pace“-Flagge, der italienische Friedensbewegung, kam man bei seinen
Weg durch die Hallen nicht vorbei. Gerade kleinere Verlage zogen
politisch Stellung und hängten eine Fahne auf. Aber auch anderswo
ließen sich Zeichen des Krieges entdecken: einen Sticker an der
Jacke eines Schülers, das No-War-Plakat an einem Stand, die
„Bücher statt Bomben“-Broschüre am Stand der Zeitschrift
„Ossietzky“. Oder als "Künstlerinnen und Künstler gegen den
Krieg" gegen den Auftritt der Bundeswehr bei der Leipziger Buchmesse
wegen
"Militarisierung" protestierten. Rund 200 Autoren, Verleger und
Besucher forderten
am Sonnabend ebenfalls lautstark „Bücher statt Bomben“. Die
Bundeswehr
stellte auf der Buchmesse das Strategiespiel „POL&IS“ vor. Was als
solches
nicht verwerflich war, aber vielleicht etwas ungeschickt, da in
Kriegszeiten,
wie diesen, so mancher Messebesucher erschüttert den Kopf
schüttelte
und sich wunderte, warum sich solches hier und jetzt präsentierte,
dafür
aber gar keine Bücher am Stand zu finden waren. Eine
Literaturmesse
ist keine Insel der Seligen, auch wenn die gläsernen Hallen in
Leipzig
durch die entspannte Atmosphäre, strahlenden Sonnenschein
und
flanierenden Besucher fast wie eine Oase wirkte.
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Ffm 02: Die deutsche
Popliteratur
Gibt es die Popliteratur überhaupt? Gibt es die Spaßgesellschaft? Oder die Generation Golf? Wer die Existenz der Spaßgesellschaft anerkennt, sieht sie vielleicht seit dem 11. September beendet. Aber ist das Reale wirklich erst jetzt eingebrochen? Und sind die popliterarischen Werke oberflächlich, einfach und zynisch affirmativ angesichts der Nöte in der Welt? Die Literaturkritiker diskutieren zur Zeit über den Tod des Pop. Die Zeit sei vorbei für den plakativen Spaß, das immerwährende „ich“ und „bei uns...weißt Du noch“, das Wiederholen von Werbeslogans und Zitieren alter Schallplattentitel. Die Popliteraten sollen doch bitte erwachsen werden! Vorbei mit „Popliterarischen Quartett“ und „Fräuleinwundern“. Die gemeinsamen Merkmale der unter dem Label Popliteratur vermarkteten Texte sind einfache Sprache und biographisch anmutende Texte, was nicht auf ihre Qualität oder Konformität schließen lässt. Popliteratur nähert sich dem Alltäglich-Banalen. Nicht zu leugnen ist, dass der Titel „Popautor“ die Aussichten auf Veröffentlichung und Bekanntheit junger deutscher Autoren erheblich verbessert hat. Aufmerksamkeit war bislang garantiert, wenn ein junger Schriftsteller sich in Szene setzte. Popliteratur ist somit ein Etikett, das einen Marketingerfolg erzielt hat, die gemeinten Werke und ihre Autoren sind einzigartig und einzeln zu betrachten. Einige ihrer Autoren wie Benjamin von Stuckrad-Barre, Alexa Henning von Lange oder Benjamin Lebert sind im Wirbel der Medien in den Himmel der "Popstars" empor getragen worden. Pop fungiert, nurmehr als "verkaufsförderndes Markenzeichen" und bildet den "angenehmen Begleitsound zur Berliner Republik". Dieser Mainstream hat sich von seinen subkulturellen Wurzeln und den damit verbundenen Idealen einer gesellschaftlichen Veränderung verabschiedet. In den Feuilletons ist man sich weitgehend einig, dass die zeitgenössische Erfolgsliteratur schlecht ist. Oder genauer, dass die Zweitwerke der vormals hochgelobten Autoren sich entweder wiederholen oder qualitativ nicht an das Erstlingswerk heranreichen. Ist das wirklich so?? Jetzt hat sich ein Marburger Literaturwissenschaftler Moritz Baßler nicht nur mit dem „Phänomen Popliteratur beschäftigt“, sondern hat sich die Texte und Bücher vorgenommen und sie literarisch untersucht. Baßler behandelt ausschließlich Autoren der Neunziger (Andreas Mand, Thomas Brussig, Christian Kracht, Thomas Meinecke, Wolf Haas u.v.m.). Er verhehlt dabei seine grundsätzliche Sympathie für die Autoren nicht. Die Elemente der Gegenwartskultur, über die geschrieben wird, sind allgemein bekannt, waren aber bisher noch nicht "Gegenstand jener künstlerischen Anstrengung gewesen, über die Dinge ins kulturelle Archiv gelangen". Es geht um die Verpflanzung von Elementen aus dem Bereich des Profanen in den der Literatur und die Effekte, die sich damit erzielen lassen. Baßler benennt und beschreibt eine Reihe von Verfahren, mit deren Hilfe das geschieht: Sammeln, Kombinieren, Archivieren, Generieren. Das Ergebnis ist eine "Literatur der zweiten Worte“. Seine Überlegungen kreisen um einen Idealtyp dieser Literatur, eben den "deutschen Pop-Roman": Das wäre ein neue Form des Diskursromans, ein Genre, in dem das Gerede und die Namen selbst zur Hauptfigur werden. Und ob uns dessen nahes Ende wirklich bevorsteht, mag man an der erheblichen Anzahl an Neuerscheinungen von JungautorInnen und an der Präsenz der Veteranen der Popliteratur bei der Buchmesse, ob lesend oder nur als Besucher, doch mit guten Grund bezweifeln. Auf jeden Fall- die Diskussion über den Zustand des Pop in der Literatur wird noch lange die Gemüter der Literaturkritiker bewegen. Moritz Baßler: Der deutsche Pop-Roman. Die neuen Archivisten (Beck'sche Reihe; 1474) München: C.H. Beck 2002. 222 S. 9 Abb. € 12,90. |
| Ffm 02: Abends,
nach
der Buchmesse... Die Frankfurter Buchmesse. Da sind
sie wieder. Die Autoren, Journalisten, Verlagshändler und
Buchhändler. Die Anzahl der gut angezogenen Leute auf den Strassen
scheint sich seit Mittwoch verdoppelt zu haben. U-Bahn und
Straßenbahn Richtung Messe sind stetig vollgestopft mit
Aktentaschenhaltern und Handtaschenträgerinnen, die oft noch eine
der überdimensionalen Buchmessetaschen oder diverse
Verlagstüten mit sich tragen.
Abends sind über die Stadt verteilt, nun überall Lesungen und Verlagsveranstaltungen zu finden. An Orten, wo dies immer passiert, wie dem Literaturhaus, aber auch an ungewohnten Plätzen, wie Discotheken oder der Großmarkthalle. Diese Veranstaltungen sind entweder öffentlich, wie z.B. „Literatur im Römer“ oder halböffentlich, nur mit persönlicher Einladung zugänglich. Dazu gehören die berühmten Verlagspartys. Dort, wo sich Autoren und Lektoren bei einem Glas Wein die Hand schütteln und über den Verlauf des nächsten Buches plaudern. Ein gutes Beispiel ist das Taschenbuchfest des Suhrkampverlages. Schon zum 4. Mal wurde dieses jetzt am Mittwoch in einer ehemaligen U-Bahn-Ebene an der Hauptwache, dem jetzigen Techno-Club U63011 veranstaltet. Drei junge Autoren sollten lesen, jeweils 10 Minuten und danach würde einer von ihnen DJ für den Abend sein. Dem poppigen Charakter angemessen, waren auffallend viele junge Besucher da, obwohl man da anmerken mag, dass sich an diesem Ort sonst selten so viele Anzugträger auf einmal einfinden. Das Publikum war von Anfang an gutgelaunt. Nacheinander kamen Lukas Bärfuss, Andreas Neumeister und Christian Uetz auf die Bühne und lasen. Gleichsam wurde der Geräuschpegel der plaudernden Gäste immer lauter. Die Versuche dagegen anzuschreien scheiterte. Augen zu und durch - war da die Devise, danach konnten ja alle gemeinsam feiern! Nach der Lesung ging es zum Autoren-Gucken, selten dass man so vielen Autoren so nah kam wie dort, was auch angesichts der Enge im Raum kaum vermeidbar war. Alle waren sie da: Thomas Meinecke, Angela Kraus, Andreas Meier, Paul Brodowsky,...“ und wie sie alle heißen. Ein anderes Bild am gleichen Abend im Mousonturm, dort wurde nicht gelesen, sondern ausgestellt. „Immer fester“ hieß es da, die Ausstellung von Annette Gloser (ehemals Galerie Fruchtig) kuratiert, zeigte Comic-Kunst und mittendrin lagen auf einem niedrigem Podest die Kunst-Comics aus den Verlagsprogrammen zum Blättern und Lesen. Das Publikum war hier eher jung und studentisch, der Eintritt frei und jedem zugänglich. Ebenfalls in eine Diskothek zog es donnerstags den Eichborn-Verlag, ins O25 in der Ostparkstrasse. In der Lesung präsentierte der Verlag drei AutorInnen seines Belletristikzweiges. Hier war wenig von verlagsinternen Unter-Sich-Sein-Wollen zu spüren. In dem rotangeleuchteten Tonnengewölbe nahm das eher jüngere Publikum Platz um Tim Krohn, Nicol Ljubic und Karen Duve zu lauschen. Während die ersten zwei Autoren über Sternenhimmel redeten, blitzte über dem Publikum der Sternenhimmel der Discokugel. Karen Duve war die Attraktion des Abends, ihr Buch war zuvor auch oft genug in den Literaturbeilagen besprochen worden und somit einem größerem Publikum bekannt. Verlagsfest, ohne Lesung oder Musikbeschallung, gibt es täglich ganz gediegen auf dem Mare-Schiff am Eisernen Steg. Ein guter Ort um in dem oft trubeligen Party- und Lesemarathon einzuhalten, etwas zu Essen zu bestellen und sich in Ruhe mit Kollegen zu unterhalten. Das nutzten nicht nur die Autoren des neuen Verlages, das heißt, das Magazin gab es ja schon vorher, neu ist nur, dass nun auch Bücher verlegt werden, auch verlagsfremde Autoren, wie Roger Willemsen schauten zum Plausch vorbei. Fern vom Messehallengedrängel des Wochenendes kann man täglich die Buchmesse auch anders erleben, ob bei Lesungen, Festen oder in den Verlagscafés. Augen auf und raus! |
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Die Artikel sind manchmal nicht in dieser Form gedruckt worden.
Gekürzte
oder veränderte Passagen sind in den Texten hier noch enthalten. |