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Frankfurt sonstige Museen
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Fotografien von Bernd Weisbrod: Am Set von Heimat 3
In der Galerie des Deutschen Filmmuseums

„Außer bei der Nacht der Museen war es noch nie so voll in diesen Raum“. Mit diesen Worten eröffnet Hans-Peter Reichmann, Leiter des Filmmuseums, die Ausstellung mit Set-Fotografien zu „Heimat 3“. Als Gäste waren unter anderem Salome Kammer, die Ehefrau von Regisseur Edgar Reitz und Hauptdarstellerin des Filmes und Michael Kausch, ein weiterer Hauptdarsteller, zugegen. Direkt aus dem Hunsrück hergekommen ist der Pfarrer August Dahl, mit seinem langen weißen Bart und Haar eine bemerkenswerte Person und gleichfalls Darsteller des friedensbewegten Pfarrers im Film. „Heimat 3 – Chronik einer Zeitenwende“ von Edgar Reitz, letzter Teil der Heimat-Trilogie, ist Bestandteil des größten erzählerischen Projekts der deutschen Filmgeschichte. Vor kurzem im Dezember wurden die sechs Folgen von Heimat 3 im Fernsehen ausgestrahlt,

In die Fotografie von Bernd Weisbrod führte der langjährige Filmkritiker und Publizist Peter W. Jansen ein. Er beschrieb die Fotos als „Dokumentation des Alltags am Drehort“. Wobei nicht nur Fotografien ausgestellt sind, die hinter die Kamera führen, also das Set, mit all seinen Mitarbeitern wiedergeben, sondern Weisbrod hat auch etliche Standfotos geschossen. Standfotografie wirkt wie eine eingefrorene Szene aus dem Film, als wäre es ein Einzelbild, welches man direkt aus der Filmrolle ausgesondert hätte. Es ist jedoch eine bewusste Inszenierung, welche die ganze Szene auf eben dieses Foto verdichtet. Später gehen diese Fotos an die Presse oder als Werbung, somit ist der Fotograf am Set immer auch ein Werbefotograf für den zu drehenden Film. Er hat jedoch die Freiheit, anders als die Kameraleute der Filmkameras, jeden beliebigen Blickwinkel für seine Aufnahmen zu wählen.

Bernd Weisbrod begleitete als einziger Fotograf die kompletten Dreharbeiten von März 2002 bis Oktober 2003. Etwa 4000 Aufnahmen dokumentieren die Entstehung des Filmzyklus. Wie Edgar Reitz, der in HEIMAT 3 neben farbigen Aufnahmen schwarzweiße Filmbilder verwendet, arbeitet auch Fotograf Weisbrod in Schwarz/Weiß und Farbe.  Die Fotografien, die im Galerieraum im zweiten Stock des Museums ausgestellt sind, wechseln nicht nur in ihrer Farbigkeit, von Postkartengröße bis zu 40 x 60–Abzügen variiert auch das Format.

Sie sind nach den sechs Folgen unterteilt, jede Folge wird mit einem großformatigen Standfoto vorgestellt und einem Filmzitat dazu, direkt auf der Wand. So beginnt Folge 1 „Das glücklichste Volk der Welt“ mit der Nacht in der die Mauer geöffnet wurde. Nicht nur ein Volk feierte eine „Wiedervereinigung“, sondern auch die Hauptfiguren Hermann und Clarissa, die sich nach jahrelanger selbstverschuldeter Trennung in dieser Nacht wieder begegnen. Das Standfoto zeigt genau den Moment der Umarmung. Clarissa Lichtblau und Hermann Simon, nun ein Paar, bilden den Ausgang für den weiteren Verlauf der Heimatepisoden. Die anwesende Salome Kammer spielt die Rolle der Clarissa; Michael Kausch stellt den kauzigen Schwager Ernst Simon dar. Bei beiden ist die Veränderung zum Vergleich mit den Filmbildern enorm, dort waren sie künstlich gealtert worden. Besonders Michael Kausch sah im Film etwa 20 Jahre älter aus, so dass man ihn, nur anhand der Fotos im Raum kaum hätte erkennen können.

Zusätzlich zur den Fotografien ist ein Monitor im Raum installiert, der als Referenz die Filmbilder der „Heimat 3“ zeigt. Bernd Weisbrod studierte an der Folkwang-Schule Essen Fotografie und lebt heute als freier Fotograf in Ingelheim am Rhein.





Christel & Margret Tenbuß: Star-Fotografinnen
In der Galerie des Deutschen Filmmuseums

Zwei ältere Damen sitzen auf ihren Stühlen. Die Beine über Kreuz geschlagen, die Arme ruhen keck auf den Stuhllehnen, sie beugen sie sich leicht nach vorne, dem Publikum entgegen und lächeln dabei aufmunternd. Christel und Margret Tenbuß sind zu Gast im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt. Der Anlass? Eine Ausstellung ihrer Fotografien aus über 50 Jahren mit Begegnungen mit deutscher und internationaler Prominenz. An den Wänden hängen die kleinformatigen Fotografien, selten größer als eine Postkarte. Über 260 werden in der Galerie des Museums gezeigt, darunter Aufnahmen von Alain Delon, Romy Schneider, Hildegard Knef, Uschi Glas, Brigitte Bardot, Yves Montand, Clint Eastwood, Elizabeth Taylor, Hardy Krüger, Hanna Schygulla, Rainer Werner Faßbinder und Anthony Quinn.

Sie sind keine Profi-Fotografinnen, Paparazzis oder Journalistinnen - und dennoch kamen sie ihren "Stars" sehr nah. Das liegt vielleicht an ihrem sympathischen, aber auch auffälligen Auftreten. Als Zwillingspaar erregt man immer mehr Aufmerksamkeit als allein und das war bei den Begegnungen an den Toren der Bavaria-Studios oder am roten Teppich bei Film- und Theaterpremieren von Vorteil.

Erst kürzlich wurden die beiden bei einer Fernsehshow zum "Zwillingspaar 2004" gekürt, dadurch kam ein Kontakt zu Stefan Raab samt Einladung in seine Fernsehsendung, im Gegenzug machten die beiden natürlich Fotografien von Raab, die nun in die Sammlung der über 80.000 anderen Promi-Bilder eingereiht sind. Bei dieser Masse an Bild, ist die Auswahl im Filmmuseum nur eine kleine, aber sehr feine Auswahl. In Zeitabschnitten von 2-5 Jahren unterteilt, zeigen die Fotos "Stars" aus Film, Theater, aber auch aus der Politik, wie eine Aufnahme Adenauers in der Ausstellung beweist.

Die Fotos wurden, wenn möglich, den Angebildeten zugeschickt, woraus sich etliche Freundschaften und Bekanntschaften ergaben.  Angefangen hat alles 1952  in Gladbeck - mit einem Foto vom damaligen Kinderstar Connie Froboess. Bald begannen sie ihre Fotos mit Leserbriefen an Illustrierte zu versenden. Wenn es ein Honorar gab, wurde das Geld für gemeinnützige Zwecke gespendet, denn Christel und Margret Tenbuß wollten sich nicht an ihrem Hobby bereichern. Paparazzis seien sie nämlich nicht, und erst recht nicht "Mamarazzis", wie sie lachend bei der Ausstellungseröffnung anmerkten.

Bewaffnet sind sie bis heute mit einer Leica und einer Contaflex-Kamera. Geheiratet haben die Zwillinge nicht, heute leben die 68-jährigen gemeinsam in einer kleinen Wohnung in München. Und gehen immer noch auf Promijagd.







Revision der Postmoderne
im Deutschen Architektur Museum

Zur Feier seines zwanzigjährigen Bestehens und zwanzig Jahre nach der legendären Ausstellung „Die Revision der Moderne“ untersucht das Deutsche Architektur Museum mit der „Revision der Postmoderne“ wie sich die Architektur während der letzten zwei Dekaden fortentwickelt hat. Bei der Vielfalt an Architekturansätzen konnte daraus zwangsläufig keine linear erzählte Architekturgeschichte werden (falls es so was überhaupt je gegeben hat), sondern zu 13 Schwerpunkten zusammengefasst werden etwa 60 Architekturbeispiele in der Ausstellung präsentiert. Dabei werden Projekte postmoderner Pioniere aus der Eröffnungsausstellung des DAM aktuelleren Architekturbeispielen (ab Mitte 1990 bis Anfang 2000) gegenübergestellt.

Wenn man Anfangs noch etwas unorganisiert durch die Ausstellung läuft, so merkt man bald, dass die zu Themen gebündelten Entwürfe keiner großen Einleitungstexte bedürfen. Die den Architekturbeispielen beigestellten Wandtexte erklären diese nicht nur, sie ersetzen die fehlenden Einführungstexte, so dass man automatisch nicht nur etwas über die spezifische Architektur erfährt, sondern immer auch etwas zum Schwerpunktthema. Unter den Überschriften wie „Orte der Stille“, „Shopping der Extraklasse“, „Reorganisation der Städte“, „Häuser für Individualisten“, „Gegen die Konventionen“, „Anknüpfen an die Geschichte“, oder „Populismus oder Baukunst“ verbergen sich Architekturmodelle und -entwürfe zur Kirchen, Museen, Friedhöfen, Einkaufsmalls, Privathäusern, Stadtsiedlungen, Opernhäusern, Wiederbelebung von Innenstädten, Umnutzung alter Industriebrachen bis hin zum ökologischen Bauen.

Besonders spannend wird die Ausstellung da, wenn die Architektur in Zusammenhang mit den Stadtraum gebracht wird. Drei Beispiele wären hier hervorzuheben:
Zum einen die kritische Rekonstruktion einer ehemaligen DDR-Großsiedlung durch Josef Paul Kleihues. Dieser hat die vorhandene Bausubstanz unterschiedlich rückgebaut, angebaut oder umgebaut. Den Ort des Verfalls somit wieder lebenswert gemacht. Den Prozess der Umgestaltung von 19998-2002 lässt sich anhand eines privaten Videozusammenschnitt in Zeitraffer eindrucksvoll nachvollziehen.
Gleich daneben wird ein Projekt von Koop Himmelb(l)au gezeigt. Ehemalige riesengroße Gasbehälter in Wien wurden zu Wohn-, Geschäfts- und Entertainmenteinheiten umgestaltet, noch grob lässt sich die ursprüngliche Industriearchitektur erkennen, die wohl die Struktur des Neuen vorgibt aber gleichzeitig vollkommen umgeformt wurde.
Um die Verkitschung der Städte geht es bei Siedlung „Seaview“ in Florida. Der „New Urbanism“ eigentlich eine Abwendung von der Moderne vermischt historisierende Formen und Stile: Pastellfarbene Holzhäuser mit Erkern, Veranden und Säulen. Die Stadt sieht aus als sei sie Kulisse für einen Film, kein Wunder dass bald „Die Trueman-Show“ dort gedreht wurde, eine Kinodrama um ein gefaktes Idyll.

Weitere Architekturen der „Revision der Postmoderne“ von Robert Venturi, Richard Meier, Zaha Hadid, Jean Nouvel, Rem Koolhaas, SITE, Hans Hollein, Coop Himmelb(l)au, Tadao Ando oder  Charles Moore von werden anhand von Originalzeichnungen, Modellen, Computeranimationen und Fotografien im Erdgeschoss und 1. Stock vorgestellt. Im 2.Stock folgt die Dauerausstellung „Von der Urhütte zum Wolkenkratzer“. Der Architekt des DAM, Oswald Mathias Ungers, wird im 3. Stock mit einem Querschnitt durch sein Lebenswerks besonders geehrt.





Die Welt des Manfred Deix
im Historischen Museum

Es regnet. Der Innenhof des Historischen Museums, die Open-Air-Bühne, die Holzbänke, die Besucher, alles wird nass. Sie flüchten unter die weißen Partypavillons. Vereinzelt halten bunte Regenschirmpilze dem Regen stand. Gleich darauf wird Regen zu Nieseln, es hört auf. Dr. Hans-Bernhard Nordhoff beginnt seine Rede, eben noch hatte er sich mit auf das Pressefoto geschmuggelt, wo eigentlich die alte Titanic-Riege versammelt warund mittendrin Manfred Deix. Wegen ihm waren alle gekommen, um ihn dreht es sich in Nordhoffs Rede, die dauert aber, es fängt wieder an zu regnen.

Die daran schließende Rede von 3sat-Moderator Ernst Grandits ist anekdotischer und österreichisch deftig. Doch anders kann man kaum von Deix Karikaturen sprechen, all das verkörpern diese: Sie sind voll dicker, hässlicher Durchschnittsmenschen, mit ihren Macken, ihren Absonderlichkeiten, ihren körperlichen Bedürfnissen. Und damit sind sie der Realität viel näher als der geschönten Vorzeigewelt der sonstigen Medien. Grandits nennt es die “Deixsche Psychoanalytik“ mit der der bitterböse Zeichner die österreichische Seele auf der Couch ausbreitet. In dieser brutalen Offenlegung, bleiben die gezeichneten Figuren irgendwie liebevoll hässlich.

Deix weiß auch die deutschen Befindlichkeiten am richtigen Punkt zu treffen. Jahrelang zeichnete er Karikaturen für Spiegel und Stern, aber auch in den Satiremagazinen Titanic und Pardon war er regelmäßig anzutreffen. Sein Talent war früh offenbar, er schied mit 11 Jahren bei einem Zeichenwettbewerb des ORF aus, mit der Begründung, sie wollten nur Zeichnungen von Kindern, und nicht von Erwachsenen und Profis.

Aus der Dauerausstellung des Karikaturmuseums Krems sind 120 Arbeiten von Manfred Deix ausgesucht worden, die nun in Frankfurt gezeigt werden. Die Farbgebung der bunten Zeichnungen kommt pastellig verspielt daher. Gezeigt werden Politiker, Polizisten, Ewiggestrige, Klerikale und ganz normale Alltagsmenschen, wie wir sie alle selbst sind. Die Harmlosigkeit des Bunten, der akkuraten Zeichnung täuscht nur kurz über den Sezierschnitt hinweg, welcher bald schon durch die satirischen Inhalte offengelegt wird.

Die Ausstellungsfläche im Historischen Museum wird durch zwei blaue Zwischenwände zu drei Räumen unterteilt. Die weiße Außenwand ist mit einem Fries in Rot-Weiß-Rot gekrönt, so dass es scheint als würden die gerahmten Blätter unter österreichischer Hoheit in den Raum gesetzt sein. Dabei waren es gerade die österreichischen Staatsrepräsentanten, für die Deix stets ein unbequemer war, bis sie sich an den stetigen Nörgler gewöhnten, der nun ironischerweise selber Repräsentant österreichischer Kultur geworden ist.








“Orient und Okzident - Josua Reicherts Goethe”

Die Buchmesse wirft ihren Schatten voraus. Diverse Veranstaltungen mit dem Schwerpunkt „Arabische Kultur“ beginnen im September. Wie kaum ein anderes Werk der Weltliteratur hat Goethes großer Gedichtzyklus „West-östlicher Divan“, der zwischen 1814 und 1818 entstanden ist, die Dichtung der orientalischen und der abendländischen Welt in eine vielfältige dialogische Beziehung gesetzt.

Im Frankfurter Goethe-Museum präsentiert man jetzt diesen „West-östlichen Diwan“, allerdings in einer zeitgenössischen Interpretation der Schriftkunst, er bildet die Grundlage für die nun eröffnete Ausstellung „Orient und Okzident - Josua Reicherts Goethe“, welche im Arkadensaal im Erdgeschoss gezeigt wird. Die poetische Begegnung von Orient und Okzident hat den Schriftkünstler Josua Reichert, der sich selbstbewußt nur „Drucker“ nennt, nachhaltig fasziniert. Josua Reichert wurde 1937 in Stuttgart geboren. 1956/57 folgt Arbeit in einer Druckerei, danach ab 1959 ein Studium an der Kunstakademie Karlsruhe Seine Arbeiten wurden seitdem in über 170 Einzelausstellungen im In- und Ausland gezeigt.

Die Ausstellung beginnt mit Johann Wolfgang Goethe selbst, den Büchern mit denen er sich damals umgeben hat, um den Orient zu studieren. Dazu gehört der Koran und auch die vielen Reiseberichte, wie z.B. die Reiseberichte des Malers Chardin oder die Reisebeschreibungen in Persien und Indien von Pietro della Valle. Die Originalbücher, die Goethe sich aus der Weimarer Bibliothek ausgeliehen hat, sind in Vitrinen aufgereiht und man kann ausgewählte Texte und phantasievolle Illustrationen studieren.

Der „Diwan“ selbst war, anders als der „Werther“ beispielsweise, kein großer Erfolg. Goethes Leserschaft wusste zuwenig vom Orient, um zu verstehen, welch ein Werk mit dem „West-östlichen Diwan“ erarbeitet worden war. In einer weiteren Vitrine findet sich eine alte Ausgabe von della Valles Reiseerzählungen, daneben eine zeitgenössisch illustrierte Fassung. Die neuen Illustration stammen von Josua Reichert und zeigen Buchstaben des arabischen Alphabeths. In seinen Arbeiten erkennt man die Buchstaben als Sinnträger, eingebettet in plane farbige Farbfelder. Diese Arbeitsweise zeigt sich auch in den Werkgruppen um Goethes „West-östlichen Diwan“, der zehn Jahre das Zentralwerk und Schlüsselbuch für Reichert war. Insbesondere der literarische Austausch zwischen Goethe und der damals viel jüngeren Marianne von Willemer bildet die Basis für das Buch „Suleika“. In drei Vitrinen ist der poetische Text auf weißes schweres Papier gesetzt. Erst kurz vor ihrem Tod hatte Marianne Willemer verraten, dass mehrere Passagen ihre Autorenschaft tragen, dieser Aspekt wird in Reicherts aufgenommen. Ebenso wird ihre Biografie und die Beziehung zu Goethe in einer eigenen Vitrine im Ausstellungsraum dokumentiert.

Die Ausstellung präsentiert Einblattdrucke, Schrift-Bilder, Handdrucke, Mappenwerke und Publikationen Reicherts aus den letzten zwei Jahrzehnten. Hauptaugenmerk sind die Blätter des „West-östlichen Diwans“, darunter eine ganze Reihe von Gestaltungen zu Goethes berühmtem Gedicht „Gingo biloba“. Durch die Typografien Reicherts wird eine neue Beziehung zu Goethes Texten hergestellt, zusätzliche Lesarten ergeben sich, da der literarische Ausdruck um den visuellen bereichert wird.





Henriette Amalie von Anhalt-Dessau
und ihr Frankfurter Exil

im Haus Giersch

Die Ausstellung des Haus Giersch, die Henriette Amalie Prinzessin von Anhalt-Dessau gewidmet ist, stellt das Leben und Wirken einer außergewöhnlichen Frau und Sammlerpersönlichkeit des 18. Jahrhunderts dar.

1720 als zehntes Kind des Fürsten Leopolds I. von Anhalt-Dessau geboren, wurde sie als 22jährige außer Landes gewiesen. Grund war die nicht standesgemäße Liebesbeziehung mit dem Sohn des Jagdzeugmeisters und anschließende Schwangerschaft. Während der folgenden elf Jahre lebte sie als Kanonissin in dem Fräuleinstift in Herford. In dieser "Versorgungsanstalt" wurden unverheiratete oder verwitwete Frauen des Adels untergebracht. Der Vater versuchte auch weiterhin Henriette Amalie standesgemäß zu verheiraten, doch alle Heiratsprojekte scheiterten.

Vermutlich um in der Nähe ihres Sohnes zu sein, der zu einer Frankfurter Bankiersfamilie in Pflege gegeben worden war, erwarb Amalie 1753 im Dorf Bockenheim ein Anwesen. Der Sohn starb früh, mit 30 Jahren, an der Schwindsucht. Sie jedoch blieb fast vierzig Jahre bis 1792 in Frankfurt. Sie unterhielt weiterhin ein Landgut in Kreuznach und erwarb 1790 ein repräsentatives Frankfurter Stadthaus in der Großen Eschenheimer Gasse. Die Prinzessin, die eine großzügige Rente bezog und dank ihres wirtschaftlichen Geschicks auch Einkünfte aus ihren Gütern erwirtschaftete, entwickelte sich zu einer passionierten Sammlerin. Ihre Sammlungen präsentierte sie in ihrer Bockenheimer Residenz, die sie eigens hierfür umbauen ließ. Seit der Herforder Zeit lebte sie mit dem um fünfzehn Jahre jüngeren Baron von Rackmann  zusammen.

Durch ihren finanziellen Weitblick schuf sie die Basis für ein  unabhängiges und standesgemäßes Leben. Sie legte Naturalienkabinette an und trug im Laufe ihres Lebens eine bedeutende Kunstsammlung zusammen. Mit über 4000 Bänden konnte sie außerdem noch eine beachtliche Bibliothek mit wichtigen Werken der Geistesgeschichte, Naturkunde wie Belletristik ihr eigen nennen, darunter Bücher von Rousseau, Leibniz, Locke, Wieland, Schiller und Goethe. 1792 floh Henriette Amalie aus Angst vor den französischer Revolutionstruppen in ihre Heimatstadt Dessau. Sie starb dort 1793 und wurde ohne Beistand der Familie beigesetzt.

Nach ihrem Tode gelangten Henriette Amalies Besitz in die Amalienstiftung, die sich den Hilfsbedürftigen Dessaus annahm und die Sammlungsbereiche der Öffentlichkeit zugänglich machte. Die Sammlung wurde mit der Zeit jedoch teils veräußert, teils im Kriege zerstört. Das Bockenheimer Schloß fiel dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer. Allein die Gemäldesammlung überstand die Wirren der Jahrhunderte.

Heute verwahrt die Anhaltische Gemäldegalerie Dessau noch 482 Gemälde der Prinzessin. Diese herausragende Kollektion an Malerei der Goethezeit dokumentiert den typischen Geschmack der Frankfurter Sammlerschaft der Zeit. Viele Frankfurter Maler sind darunter, wie Christian Georg Schütz, Christian Stöcklin, Johann Conrad Seekatz, Justus Juncker oder Johann Georg Trautwein. Niederländische Malerei des 16. bis 18. Jahrhunderts, darunter bedeutende Gemälde von Balthasar van der Ast, Roelant Savery oder Frans Francken, bildete einen weiteren bedeutenden Schwerpunkt. Über 200 Jahre nach dem Tode der Prinzessin kehrt eine repräsentative Auswahl von etwa 100 Gemälden, aber auch Stücke der Edelstein-, Münz- und Naturaliensammlung erstmalig nach Frankfurt zurück.







Clemens-Brentano-Ausstellung
im Goethe-Museum

Das Goethe-Haus zeigt in diesem Sommer eine Foyer-Ausstellung zu Clemens Brentano. Eines der spannendsten Kapitel im Leben des exzentrischen Romantikers ist sicherlich seine Liebesvita, welches sich auch in seinem Schreiben ausprägte. In „Eros und Poesie bei Clemens Brentano“ wird anhand der verschieden Amouren Brentanos Liebeslyrik, Gedichtsentwürfe und Briefkorrespondenz vorgestellt. Jede seiner Liebschaften und Ehefrauen ist eine Lebensstation, visuell verdeutlicht durch Bilder der Damen, die auf gelben Bannern zwischen den Vitrinen hängen.

Brentano, 1778 geboren, war Sohn des aus Italien eingewanderten Frankfurter Kaufmanns Peter Anton Brentano und Maximiliane von La Roche. Durch sein väterliches Erbe finanziell unabhängig, treibt es ihn rastlos umher, immer auf Reisen findet er nirgends eine Heimat.

Eine der ersten wichtigen Frauen ist die Dichterin Sophie von Mereau. Er wird die sieben Jahre ältere Intellektuelle heiraten. Clemens beginnt zu dieser Zeit seine „Romanzen vom Rosenkranz„. Die Beziehung muss Spannungen aushalten. 1806 stirbt Sophie jedoch früh.

Überstürzt, knapp neun Monate nach dem Tod Sophies, beginnt er die Beziehung zu Auguste Bußmann. Wie in einem (allerdings schlechten) Roman fliehen Brentano und das erst kurz zuvor kennen gelernte 16-jährige Mädchen bei Nacht und Nebel und heiraten. Skandalös ist dabei nicht nur, dass es sich bei Auguste um ein Mitglied der Familie Bethmann, also einer der reichsten Bankiers Frankfurts, handelt, sondern die Tatsache, dass das Zusammenleben der Jungvermählten baldigst scheitert.

In den Jahren 1805/1809 gehört er dem Kreis der Heidelberger Romantiker an. In Berlin schließt sich Brentano auch der "Christlich-deutschen Tischgesellschaft" an, die Arnim 1811 ins Leben gerufen hatte und der namhafte Künstler, Gelehrte und Politiker angehörte.

Zweifel an Leben und Werk machten sich zunehmend bemerkbar und die Wendung zur Religion kündigte sich an als er 1816 die Pfarrerstochter Luise Hensel kennenlernt. Brentano will sie heiraten. Sie lehnt ab. Er tobt. Er schreibt eine Reihe von Gedichten, die seine Seelennöte ausdrücken, mit bezeichnenden Titeln wie »Wiegenlied eines jammernden Herzen«, »Einsam will ich untergehn«, »Schweig, Herz!«, doch schließlich fügt er sich in sein Schicksal und verkehrt letztlich mit Hensel auf rein freundschaftlicher Basis.

Die Wende zum Katholizismus, die er mit seiner Generalbeichte 1817 vollzog, bestimmt seinen weiteren Lebensweg: Die Jahre 1819 bis 1824 verbringt er in Dülmen am Krankenbett der stigmatisierten Nonne Anna Katharina, um deren Visionen aufzuzeichnen.

Allenfalls gibt es da noch von der letzten Liebe zur Schweizer Malerin Emilie Linder zu berichten, die aber wieder vergeblich ist und nur Anlass bietet für eine dennoch erstaunlich vitale Altersliebeslyrik. Brentano stirbt 1842 in Aschaffenburg.
Clemens Brentano liebte am glücklichsten aus der Ferne, dann fand er in seinen Briefen die berückendsten Bilder.









Vom Wesen der Dinge - Anneliese Sund
im Holzhausenschlösschen

Alltagsmomente in Bronze, Menschen im Regen mit Regenschirmen, singende Chöre sind zur Zeit im Holzhausenschlösschen ausgestellt. “Vom Wesen der Dinge” zeigt das Lebenswerk der Frankfurter Künstlerin Anneliese Sund, die dort in der Mansarde des Gebäudes mit ihrer Familie viele Jahre lebte. Nun sind ihre Arbeiten wieder zu dem vertrauten Ort zurückgekehrt.

Anneliese Sund, die 1924 in Berlichingen geboren wird, zieht mit 11 Jahren nach Frankfurt. Ihre künstlerische Begabung fällt schon früh auf und ebnet ihr dem Weg in die Offenbacher Kunstgewerbeschule, der heutigen Hochschule für Gestaltung. Kriegsbedingt beendet sie ihre Ausbildung mit Scherpunkt Elfenbeinschnitzerei 1944 in Erbach im Odenwald. Sie kehrt danach jedoch an die Offenbacher Schule zurück und heiratet 1950 den Kunstschreiner Adolf Sund. Es folgen Reisen nach Frankreich, Italien Griechenland, was in ihrem zeichnerischen Werk eifrig festgehalten wird.

Die Nachkriegszeit bietet nicht viele Aufträge für junge Künstler und so nimmt sie an, was sie bekommen kann. So auch Aufträge für Karnevalsvereine, Dekoration für die Wagen anzufertigen. Das soll sich noch für sie auszahlen. Hier lernt sie nämlich den damaligen Frankfurter Oberbürgermeister Walter Kolb kennen, der ihr den Auftrag gibt, eine Karnevalspuppe von ihm anzufertigen. Später wird dieser ihr ein Atelier im Westflügel des Karmeliterklosters vermitteln.

Sie ist gleichwohl Mutter und Hausfrau, aber auch Künstlerin, die in ihrem Atelier arbeitet und im Umfeld des Karmeliterklosters mit vielen interessanten Leuten der Zeit in Kontakt kommt. Sie arbeitet in Holz, Stein, Elfenbein, Bernstein, Aluminium- und Bronzegüsse, aber auch Malerei und Aquarell, nicht zu vergessen ihre Bildteppiche mit Stoffapplikationen. Platz ist für die mittlerweile fünfköpfige Familie auch im häuslichen Umfeld längst zum Problem geworden, welches sich allerdings mit dem Umzug 1961 in die Mansardenwohnung des Holzhausenschlösschens in Wohlgefallen auflöst.

Nach gesundheitlichen Rückschlägen 1962 erreicht Anneliese Sund mit 1970 das Jahr ihres größten Erfolges: Sie gewinnt den Wettbewerb der Ausschreibung für den Zunftbrunnen am Affentorplatz, ihr wahrscheinliches bekanntestes Werk im öffentlichen Raum. Andere Aufträge sollen auch später noch folgen. Beispielsweise, die Bronzearbeit “Parkbank”, die 1993 in der Kirschwaldstrasse, nähe Sinaipark, aufgestellt worden ist.

Ihr Kontakt und Liebe zur Musik ist durch ihre Tochter, einer Musikerin, besonders sensibilisiert und viele Arbeite zeigen Musikthemen, genauso wie es vielfältige Zeichnungen ihrer musizierenden Tochter gibt. 1980 erkrankt Anneliese Sund an Multiple Sklerose, eine Krankheit, welche sie im Laufe der Jahre schließlich zum Abschied von der Kunst zwingt.

Immer wieder durchdringen biographische Bezüge ihr Werk: Der Blick aus dem Holzhausenschlösschen, spielende Kinder und ihre Mütter sind in Bronze festgehalten. Ebenfalls in Bronze einen Familienbild, sie und ihr Mann und die drei Kinder.
Dann ein Bildteppich, der lebensgroß sie selbst zeigt, umringt von Ärzten der Uniklinik. Eine Szene, die bedrohlich von der Zeit der ersten Erkrankungen Anfang der 60er Jahre erzählt.
Diese subjektiven narrativen Arbeiten gipfeln in den Monstren, die sie geschaffen hat. Figuren aus Bronze, Gnome mit übergroßen Gliedmaßen, verformten Gesichtern und Fratzen. Diese fertigte sie an, wenn sie sich über jemanden ärgerte. Dabei waren auch einige Prominente der damaligen Stadtverwaltung dabei. Den Figuren selbst sieht man nicht an, wer gemeint war, doch die Betreffenden selbst wussten das wohl recht gut.







Bilder vom Glück.
Chinesische populäre Grafik aus dem 20. Jahrhundert

im Museum der Weltkulturen (Galerie 37)

Was ist Glück? Die Ausstellung "Bilder vom Glück. Chinesische populäre Grafik aus dem 20. Jahrhundert" wird darauf keine Antwort geben können. Doch die 100 Arbeiten aus mehr als 80 Jahren, chinesische Glücksbilder, stecken voller Geschichten. Meistens waren sie dazu gedacht, zum chinesischen Neujahrsfest aufgehängt, das Glück für das kommende Jahr ins Haus zu holen. Die symbolhafte Darstellung selbst beinhaltet schon die Wünsche für das kommende Jahr: Ein Kind (Symbol für Glück und Kindersegen) liebkost einen Fisch (Glück, Wohlstand) an einer Lotosblüte (Symbol für das Edle, Gute, Schone, Reine).

Neujahrbilder haben in China eine besondere und recht alte Tradition. Sie gehen zurück auf den alten bäuerlichen Ahnenkult. Es galt, vor dem Neubeginn in der Natur den Göttern und den Ahnen zu danken, aber auch darum, sich rechtzeitig eine neue gute Ernte und viel Glück für sich und die Familie zu erbitten. Der kalendarische Jahreswechsel wird zwar heute in den meisten chinesischen Großstädten wie bei uns am 1. Januar gefeiert. Viel wichtiger ist aber immer noch das traditionelle chinesische Neujahrsfest und es richtet sich wie seit alter Zeit noch immer nach dem chinesischen Mondkalender.

Die Grafiken zieren leicht lesbare Symbole. Sie zeigen Darstellungen von Gottheiten, von Schaden abwehrenden Schutzpatronen, Drachen, Schriftzeichen und Wortspielen. Deren Betrachtung macht Freude und in Kombination mit den Bildtexten kommt oftmals ein lyrisches Vergnügen hinzu. Denn viele Grafiken sind mit Schriftzeichen versetzt, deren Übersetzung sich ungemein poetisch lesen lässt. Das Papier ist dünn und transparent. Dick stehen die schwarzen Linien der Grafik. Je nach Qualität sind einzelne Farbschichten mehr oder weniger präzise ausgearbeitet. Es sind Holzdrucke für die Massenproduktion. Beliebte Vorbilder wurden einfach nachgeschnitten und verkauft. Selbst Fehldrucke fanden in der ärmeren Bevölkerungsschichten noch ihren Kunden.

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Museum für Angewandte Kunst (mak). Der größte Teil der Bilder stammt aus der Sammlung Wiegmann, die das MAK Frankfurt als Dauerleihgabe aufbewahrt. Fritz Wiegmann, ein deutscher Künstler und Kunsterzieher, geht 1933 nach Peking und kann so vorerst den Nationalsozialisten entfliehen. In China arbeitet er als Fotograf und sammelt mit dem frz. Diplomaten Dubosc chinesische Kunst für das Museé Guimet in Paris. 1937 kommt er mit seiner Sammlung chinesischer Grafiken nach Deutschland zurück. Nach dem Krieg wird er als Kunsterzieher arbeiten. Detlev von Graeve, einer seiner Schüler, ist heute Verwalter der Sammlung. Diese hat er um eigene neuere Beispiele ergänzt.

So finden sich auch Grafiken bis in die 80er Jahre. Deren Ästhetik unterscheidet sich deutlich von den älteren Drucken, je neuer umso "kitschiger" wird die Darstellung. Deutlich zu sehen bei dem Blatt von 1984. Farbenfroh wird ein verweltlichter Götterhimmels konstruiert, in welchem der verstorben Mao und andere Staatsmänner mit Kindern und Glückssymbolen agieren.








Jubiläums-Retrospektive für Friedrich Karl Waechter
im Historischen Museum

Ein Erzähler ist er. Friedrich Karl (oder Eff Ka) Waechter erzählt uns Geschichten, ob in Bildern, als Text oder in seinen Theaterstücken. Unter seinen Augen wird jede Kultur-Tat wieder zu dem, was sie ursprünglich war: Menschenwerk. Und das ist wahrscheinlich der Grund, warum die Geschichten, die es zu sehen gibt, so bitterbös witzig sind.

Waechters Werk ist riesig. Rund 450 Werke aus 40 Jahren hat die Caricatura, das Museum für Komische Kunst im Historischen Museum, zusammengetragen. Eine üppige Ausstellung ist es geworden. Doch hier wird nicht nur ausgestellt, sondern auch gefeiert. Der Grund dieser Retrospektive ist der 65. Geburtstag Waechters und da ließ man sich in Frankfurt nicht lumpen. Man merkt jedoch zugleich, dass hier vornehmlich der Zeichner und Karikaturist geehrt wird. Für den Rest von Waechters kreativen Schaffen und bewegter Biographie bleibt nur eine etwa 6 qm große Glasvitrine übrig.

Zu sehen sind vornehmlich kurze Bildergeschichten und einzelne Cartoons, die meistens gezeichnet sind, wenige gemalt. Alle fein säuberlich gerahmt, hängen sie an den dunkelroten Wänden, allein der Gang durch die Räume hat etwas Hoheitsvolles. Umso größer die Verblüffung, wenn man in den Zeichnungen mit solch respektlosen Zoten konfrontiert wird. Beim Gang entlang der Bilder gibt es immer wieder spontane Ausbrüche von Heiterkeit, ein lautes Lachen da, ein stilles Kichern aus der gegenüberliegenden Ecke. Viele der Besucher sind mit den Karikaturen Waechters groß geworden. Wie alte Freunde freut man sich, diese wiederzusehen. Wobei bei der Betrachtung des Originals zudem überaus deutlich wird, dass hier nicht nur Witz, sondern auch Können gezeigt wird. Die Linienführung ist fein und präzise, die Aquarelierung haucht den Karikaturen zusätzlich Leben ein.

Einen eigenen Stil habe er allerdings erst spät entwickelt, in engem Zusammenhang mit der Arbeit an Kinderbüchern, so Waechter. In einer Hamburger Grafik-Agentur hatte F.K. Waechter ersten Kontakt mit Zeitschrift "Pardon", wo er bald darauf Mitarbeiter wurde und vorrangig die Titelblätter entwarf. Gemeinsam mit F.W. Bernstein und Robert Gernhardt verfasste er dort die Nonsens-Kolumne WimS - Welt im Spiegel. Um die Zeit herum begann man, dieses WimS-Konglomerat aus professionellen Respektlosen und satirisch gesinnten Kreativen die "Neue Frankfurter Schule" zu nennen, die progressive Satire-Werkstatt der 68er. 1976 war mit WimS Schluss, denn "Pardon" ging schön langsam in die Binsen. 1979 wurde schließlich das endgültige Satiremagazin "Titanic" gegründet, mit den acht NFS-Mitgliedern an Bord, in der bis 1992 jeden Monat Waechters doppelseitige Rubrik "Das stille Blatt" erschien. Anfang der 90er stieg er bei "Titanic" aus, als ihm das Blatt zu "spaßig" wurde. Still ist es deshalb nicht um ihn geworden. Schon seit 1974 schreibt F.K. Waechter auch Bücher und Theaterstücke für Kinder, dafür gab es 1975 den Deutschen Jugendbuchpreis und 1983 den Brüder-Grimm-Preis des Landes Berlin. In den letzten Jahren widmete sich F.K. Waechter vermehrt dem Theater, mittlerweile gibt es über siebzig Miniaturen, Kurzdramen und abendfüllende Theaterstücke.








"Im Blick"
im Filmmuseum

Berlinale, ein Internationales Filmfestival. Regisseure, Schauspieler, Journalisten überall. Der Platz im Gedränge wird immer enger. Und wenn ein Filmstar kommt, ein internationaler, ein berühmter, wird die Aufregung fast unerträglich. Das Knipsen der Kameras, das Surren der Blitze, Bildjournalisten, die um die Aufmerksamkeit ihrer Motive buhlen. Schonungslos, keine Maske, keine Rolle will man sehen und gleichzeitig müssen die Fotos der Großartigkeit des öffentlichen Images entsprechen.

Eingefroren "Im Blick" sind diese berühmten Persönlichkeiten des Films jetzt im Deutschen Filmmuseum zu sehen. Schauspieler, Regisseure, Dokumentarfilmer und Autoren auf Fotos aus den letzten 20 Jahren, die vorwiegend auf den Berliner Berlinalen entstanden. Doch es gibt nicht nur einen Blick, sondern vier verschiedene Perspektiven der erfahrenen Festivalfotografen Petra Goldmann, Birgit Kleber, Christian Schulz, Ekko von Schwichow. Jeder hat selbst die Auswahl der Fotografien getroffen und die Form der Präsentation gewählt und so ergeben sich auf die teilweise gleichen Berühmtheiten vollkommen andere Blickwinkel und unterschiedliche Wirkungen.

Petra Goldmann nähert sich dokumentarisch ihren Motiven. Pressekonferenzen, Preisverleihungen, das Festivalgedränge aus denen sie die Filmstars herauslöst. Der Hintergrund ist nur angedeutet, nur ein Verweis des Kontextes. Hinter Köpfen, durch Sichtluken bahnt sie sich den Blick zu dem fixierten Motiv. Es ist als einziges scharfgestellt. Und so gelingen Momentaufnahmen. Zwischentöne. Detlef Buck der verloren in die Weite schaut, obwohl man um ihn herum die verschwommene Masse der Journalisten, die Hektik ahnt. Wie ein gestohlener Moment der Ruhe. Oder ein Blick durch Hände und Köpfe hindurch auf eine signierende Hand. Wer ist der Star? Billy Wilder. Der Blick auf das signierte Buch ersetzt, was wir nicht sehen, sondern nur ahnen können. Sozusagen Präsenz trotz Abwesenheit.

Gegenüber im Raum hängen die Fotografien Birgit Klebers. Großformatige Portraits, eng an eng gehängt. Eine Galerie der Gesichter, die Auge in Auge mit dem Betrachter in Dialog treten. Diese Fotos haben keinen Raum, keinen Ort. Nur die Person, das Gesicht, die Augen dominieren das Bild. Internationale oder deutsche Stars, wie Peter Fonda, Nick Nolte, Catherine Deveneuve, Moritz Bleibtreu oder Udo Kier. Alle gucken sie ernst in die Kamera, kein Lächeln, sondern meist ein strenger oder trauriger Blick kommt uns entgegen.

Die halbprivate, halböffentliche Atmosphäre des Hotels ist der Ort der Fotografien von Christian Schulz. Er portraitiert Berühmtheiten, wie Roberto Benigni, Nicolette Krebitz oder Danny de Vito in der Lobby, den Hotelfluren und Hotelzimmern. Teilweise eilig auf dem Weg zum Festival mit Mantel unter dem Arm oder entspannt posierend auf dem Hotelbett. Die lächelnde Juliette Binoche oder die gehetzte Jane Birkin. Es sind großformatige Arbeiten, die einen direkten Blick auf die Person zulassen, von der meist nur der Oberkörper zu sehen ist.

Zwischen Spannung und Entspannung bewegen sich die Arbeiten von Ekko von Schwichow. Aus der Interviersituation heraus, dem direkten Kontakt zur Person entstanden diese Fotos in fast privater intimer Atmosphäre. Jane Campion auf einer verschneiten Berliner Straße, Jacques Rivette, der mitreißend lacht, Bernhard Wicki in einem Café, Jeremy Irons mit Zigarette.

In der Ausstellung sind diese Abbilder dem Strudel des Medienzirkus entrissen und dürfen zur Ruhe kommen. Der direkte Vergleich der ausgestellten Schwarz-Weiß-Fotografien, aber auch die Faszination des "Starkultes", den Kitzel der Berühmtheit, das Spiel mit der Wiederkennung, machen den Reiz der Ausstellung aus.








Vladimir Nabokov Fotos von Horst Tappe
im Literaturhaus

Vladimir Nabokov ist als Autor berühmt und verkannt zugleich - viele kennen ihn nur als Verfasser der mehrfach verfilmten, aber auch umstrittenen "Lolita - die wenigsten wissen, dass eine Revolution, zwei Kriege und drei Fluchten über sein Leben hinweggegangen sind und dass Nabokov in zwei Sprachen (Russisch und Englisch) geschrieben hat. Nun geben die Fotografien Horst Tappes Einblick in Nabokovs letzte Jahre im Schweizer Montreux. Zu sehen ist diese Fotoausstellung (kaum ein Ort könnte da besser passen) im Frankfurter Literaturhaus. Zu einem ersten Zusammentreffen zwischen dem Fotografen Horst Tappe und Vladimir Nabokov kam es im Jahre 1962 im Hotel Montreux Palace. Die Ausstellung ist die Frucht der langjährigen Beziehung zwischen dem Fotografen und dem Schriftsteller, der die letzten Jahre seines Lebens am Genfersee verbracht hatte, wo auch Tappe seit vielen Jahren lebt. Bis zum Tode Nabokovs 1977 hatte Tappe wiederholt Gelegenheit, den Autor in dessen Privatsphäre zu fotografieren. Die Fotos zeigen Nabokov als Genießer auf der Hotelterrasse, als Gefährten seiner Gattin Véra, als nachdenklichen Einzelgänger, über sein Stehpult gebeugt, bei der Schmetterlingsjagd, das Fangnetz in der Hand. Ein großer, älterer Herr mit Schmetterlingsnetz, weißer Schirmmütze, in Shorts, Kniestrümpfen und Sommerschuhen. Vladmir Nabokov wurde 1899 in St. Petersbug geboren, lebte in England, Berlin und in den USA bevor er sich 1962 in Montreux niederließ. Horst Tappes Fotos aus dem Hotel Montreux Palace am Genfer See und von der schmetterlingsjagdtauglichen Umgebung haben insofern etwas mit dem "Lolita"-Roman, Nabokovs Mega-Erfolg, zu tun, als der Schriftsteller mit diesem Buch reich geworden war und sich mit dem vielen Geld ein Leben im Luxushotel bis zu seinem Tod mit 78 Jahren leisten konnte. Immer wieder erscheint der Schriftsteller auf den Fotografien wandernd vor einer Bergkulisse, das Schmetterlinsnetz fest in der Hand. Seine große Leidenschaft war die Schmetterlingsforschung, mit der er sich auch in Kreisen der Wissenschaft großen Respekt verschaffte, selbst neue Arten entdeckte, die nach ihm benannt wurden. Ein Foto zeigt den Jäger und Sammler Nabokov beim Studium eines Albums mit Hunderten von Schmetterlingen der gleichen Art: "Vom siebenten Lebensjahre an wurde alles, was ich im Zusammenhang mit einem Rechteck eingerahmten Sonnenscheins empfand, von einer einzigen Leidenschaft beherrscht - gehörte dieser erste Blick am Morgen der Sonne, so gehörte mein erster Gedanke den Schmetterlingen, die sie hervorbringen würde." Diese Bilder Tappes sind zu Ikonen der Weltliteratur geworden. Der Fotograf Horst Tappe, geboren 1941 in Westfalen, hat viele Literaten, Künstler und Schauspieler fotografiert, insgesamt 16 Nobelpreisträger sind darunter, aber auch Alfred Hitchcock, Sophia Loren oder James Bond-Autor Ian Flemming. Seine Bilder wurden weltweit veröffentlicht, unter anderem in Paris Match, Stern oder New York Times. Die Ausstellung war zuvor in Basel, Chiasso und St. Petersburg und ist in Frankfurt zum ersten Mal in Deutschland zu sehen. Diese 25 ausgesuchten Aufnahmen sind ergänzt durch Zitate des Nabokovs. Zur Ausstellungseröffnung gab Marcel Reich-Ranicki ein „Solo" für Nabokov, anschließend zeigte Dieter E. Zimmer, Herausgeber der Rowohlt-Gesamtausgabe, zwei Fernsehinterviews des Autors aus den Sechziger- und Siebzigerjahren. Zur Finissage in der Nacht der Museen, wird Christian Brückner Passagen aus “Lolita” lesen.






*** Die Artikel sind manchmal nicht in dieser Form gedruckt worden. Gekürzte oder veränderte Passagen sind in den Texten hier noch enthalten.


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