..........-.-.-.-..,.-.,.---.,,...-.-...-.--.-.-,#+,.,.,+##+##+#+.,.,.,-.-,-.,,.-,,..-...,-#+#+#´##´´´´´´##++-..-,-,,,.-,#+#+.##+.+##.....#+.,,.-
tinowa                                 start     fotos     texte    reviews     notizen     stadt land kunst     links      impressum
,.,..-,.-..#+#ä.-,.,.+##+,.,#,.+-.-#+#.+#--.-,.-,.-,..-,.+#.####+++.-...,.++++.,,-,.,,.--,,--,-.,.--,+#+###-.,##+#..-,#++++.,.,--...-.,.-
                       
                                text-abteilung                                                                   
                                rezensionen


HfG / Staedelschule:      
(Kunsthochschulen)




"Audio Sampler" der HfG_OF

Was eint Musiker wie Wolfgang Niedecken, David Bowie, David Byrne, Brian Ferry, Brian Eno, Mitglieder der Bands REM, Duran Duran oder Franz Ferdinand? Allesamt waren sie einst Kunststudenten gewesen. Und wo hatte der heutiger Punkklassiker "Sex Pistols" 1975 ihren ersten Auftritt? Ebenfalls in einer Kunstschule. Es gibt mittlerweile eine Tradition des "Art School Rock", insbesondere von britischen Kunsthochschulen, deren Wirkung auf die Rock/Pop-Geschichte weitreichend ist und nicht als musikalischer Manierismus à la "Roxy Music" abgetan werden sollte. Die Kunsthochschulen vermitteln ihren Absolventen Grundauffassungen in Bezug auf Stil, Selbstdarstellung und Kult, was sich auf die gezielte Selbstdarstellung dieser Musiker auswirkte.

Das funktionierte in der Vergangenheit und das funktioniert auch jetzt noch: So ist die Mädchenband "Ida Red" aus den Reihen der Kunststudierenden der Offenbacher Hochschule für Gestaltung hervorgegangen. Jahrelang schrammelten sie sich fleißig durch die regionalen Clubs und jetzt sind sie als erste Band beim neu gegründeten Musikverlag von Jan Müller (Tocotronic) und Oliver Frank (Manager von Blumfeld) gelandet.

Wer sich weiter in der regionalen Musikszene umschaut, merkt bald, dass es allerlei Musikprojekte gibt, die der HfG entstammen, egal ob Pop, Elektronik oder Hip Hop. Diesem Fakt hat im Herbst 2003 HfG-Professor Heiner Blum einen offiziellen Rahmen gegeben. Innerhalb eines Audio-Kurses bot er Studentinnen und Studenten ein Jahr lang die Möglichkeit, ihre musikalischen Ideen unter regelmäßiger fachgerechter Betreuung ortsansässiger Musikproduzenten wie Roman Flügel (ALTER EGO/SENSORAMA), Peter Kremeier (LOSOUL) und Karl Kliem professionell zu produzieren.

Das Ergebnis dieses Audio Kurses sind die 36 Tracks des aus 3 CDs bestehenden "Audio Samplers". Wie die Musik wurde das gesamte Konzept und das Design der Verpackung von Studierenden erdacht, realisiert und - in einer limitierten Auflage von 500 Unikaten - komplett an der Hochschule hergestellt. Der "Audio Sampler HfG_OF" ist die erste Popmusik-Compilation, die je von einer Kunsthochschule in Deutschland veröffentlicht wurde.

In Zeiten von "Popstars" und der Mannheimer Popakademie, wo stetig propagiert wird, dass nur der professionell "geformte" Retortenmusiker Chancen auf den Markt hätte, ist die Unkonformität vieler Tracks der  Studenten und Studentinnen geradezu eine Erholung. Die Mischung zwischen Klangexperimenten und Pop- und Hip-Hop-Songs stimmt. Die Verpackung der 3 CDs in unterschiedlichen alten Flohmarkt-Plattenhüllen ist witzig und wer will kann die CDs mitsamt des eigens zu diesem Zweck designten Posters in die Küche hängen, damit die gute Scheibe immer griffbereit ist. Die Küche als Ort der Kommunikation ist anscheinend der vorherbestimmte Ort für die Musik des Audi-Samplers.

Die Release-Party findet am Freitag, den 5. November mit Konzerten und Discothèque im Hafen 2 (Alter Lokschuppen der Hafenbahn, Hafen 2a)  statt. Live: Solestar, Root Lutz und Thomas D sowie Der Warst. DJs: Losoul, Strobel, Apfel C Steuerung V.  Kontakt und Vertrieb: laden@hfg-offenbach.de






Zentrale Gartenwirtschaft
am Offenbacher Hauptbahnhof

Wenn man Richtung Offenbacher Hauptbahnhof schlendert, um einen herum die fast noch sommerliche Nachtluft, hört man erst leise, bald wird es deutlicher, Melodien vergangener Tage. Fast wie in einem Traum steht man dann auf der anderen Straßenseite gegenüber dem Nebengebäudes des Bahnhofs, gleich da, wo es zur Unterführung abbiegt und unter den alten Bäumen winden sich Lichterketten, erschallt ein Stimmengewirr und es singt Catharina Valente von Liebe und Glück. Was vielleicht ein bisschen altbacken daherkommt, entpuppt sich bei näherer Beschau als die “Zentrale Gartenwirtschaft”, ein Kunstprojekt im Rahmen der “Offenbacher Kunstansichten”, initiiert von HfG- und Städel-Absolventen Michael Dreher, Jörg Wagner und Heike Selmer.

Heike Selmer und Jörg Wagner sind beide erfahren mit essbarer Kunst und künstlerischer Gastronomie. Selmer hat vor zwei Jahren Hunderte von Gästen bei einem Projekt im Frankfurter IG-Farben-Haus bewirtet und Wagner hatte erst letztes Jahr eine Ausstellung namens “Hausfrauenhimmel” im Frankfurter Dominikanerkloster. Zu einer der Veranstaltungen dort gehörte u.a. das Marmeladekochen nach Lieblingsrezepten. Sollte es da einen wundern, wenn dann bei den essbaren Waren der “Zentralen Gartenwirtschaft” wieder Selbsteingekochtes im Einweckglas auftauchte? Doch weit mehr “Hausmacherkost” gab es dort zu essen und trinken: ob “Muttermilch” (Geschmackssorte Erdbeer und Vanille) oder Holunderbrause, alles wirkte irgendwie selbstgemacht und war liebevoll etikettiert angeboten.

Der vormals verwilderte Garten zeigte sich nun als sommerlicher Biergarten, über den Gästen ein Dach aus Blättern des alten Ahornbaumes. In der Ecke eine weitere kleine Bar, an der heimelig weiße Rüschengardinchen herunterhingen, unter der Thekenfläche durch Neonröhren milchig erleuchtet.
Am Zaun ist ein weißes Tuch als Leinwand improvisiert angebracht, für die Super8-Filme, die gezeigt werden, Auto-Lehrfilme aus den 80er-Jahren. Während auf der Leinwand ein hellgrüner R4 im Graben landet, wechselt die Musik, erklingt “Lili Marleen” und die Gäste an den Tischen, die sonst eher in Szenebars oder Großstadtcafés zu finden wären, fügen sich ein in das kitschig-harmonische Biergartenidyll.
Es erinnert an ein unbestimmtes “Damals“, die 20er, 30er oder 50er Jahre, so ganz genau weiß man es nicht einzuordnen, beschrieben nicht die Großeltern so ihre Tanzabende in der Jugend? So, oder so ähnlich, irgendwie, egal, Hauptsache die Stimmung stimmt und die Nacht ist lau.

Jahrelang war der rechte Flügel des Offenbacher Hauptbahnhofs ungenutzt. Nun ist aber Leben in dem alten Gemäuer und übertüncht damit die Bruchbudenatmosphäre. Insgesamt drei Wohnungen und das Areal der ehemaligen Bahnhofsgaststätte hat die Bahn der Hochschule für Gestaltung für die nächsten zehn Jahre zur Verfügung gestellt. Das Herrichten der Räume liegt in Studentenhand und da ist noch viel zu tun. Während der Kunstansichten sind im 1. und 2. Obergeschoss Arbeiten von ca. 15 HfG-Studenten ausgestellt. Am letzten Freitag war die Eröffnung der Ausstellung und gleichzeitig Auftakt für die "Zentrale Gartenwirtschaft", ein Projekt, das nur drei Tage während der "Offenbacher Kunstansichten" geöffnet hat.

(OP 09/04)






Erstes Offenbacher Hochhaus

Schön ist er ja nicht, der verspiegelte Koloss an der Berliner Strasse, gleich neben dem Arbeitsamt. Wenn man am Sockelgeschoss an der Videothek vorbeigeht, lässt nichts darauf schließen, dass nur ein paar Stockwerke höher für ein Wochenende lang zwei leere Etagen mit Kunstwerken von Studierenden der Hochschule für Gestaltung gefüllt waren. Und ganz oben, wo sonst ein Schwimmbad für die Bewohner des Hauses ist (obwohl man den verlebten Fluren kaum ansieht, dass diese noch regelmäßig genutzt werden), war eine temporäre Bar untergebracht.

Der jährliche Rundgang machte diese Expansion der Bereiche Fotografie von Prof. Frank Schumacher und “Experimentelle Raumkonzepte” von Prof. Heiner Blum erst möglich. In den letzten Jahren gab es immer wieder Übergriffe in den Stadtraum, ob damals im verlassenen Gebäudes eines Möbelhauses, in kleinen Läden der Innenstadt oder zuletzt 2002 im Rohbau des Lindex-Kaufhauses. In den zwei unteren Etagen des “Ersten Offenbacher Hochhauses” residierte unlängst noch ein Diamantenhändler. Am letzten Wochende hingegen hingen an den Wänden Fotoarbeiten, Malereien und Collagen, flimmerten Videos vom Beamer und tönten Audio-Arbeiten hinter verschlossenen Türen.

Zwischen all den sehr unterschiedlichen, sehr liebevoll gearbeiteten, manchmal schon niedlichen Arbeiten, ließ sich ein Interesse an Printfomaten herauslesen, und zwar von Studierenden aus beiden Bereichen. Es waren sowohl fertige Magazin- und Zeitschriftenprojekte ausgelegt, wie z.B. das Magazin “faible”. Ebenso gab es Projekte, die zur Zeit noch in der Produktionsphase sind und nur vorläufigen Auszüge in der Ausstellung zeigen konnten. “Per Se” soll nach der Photokina im Herbst offiziell vorgestellt werden und auch ein weiteres Projekt, namens “fa-q-fanzine” kündigte sich mit Plakaten im Treppenhaus an.

Mode wäre ein weiteres der Schlagworte, die mehrere Arbeiten durchzog, ob mit Modefotografien oder mit selbstentworfener Mode. Am letzten Ausstellungstag am Sonntag gab es sogar ab dem Nachmittag Mode und Musik mit DJ-Beschallung im “Penthouse“. Dazu wurde man unten im Aufzug erwartet, mit Live Musik zweier Studenten, die entweder sanft Lieder intonierten (“Fahrstuhlmusik”) oder mit einem Percussion-“Trommelfeuer” den Aufzug zum Wanken brachten.

 Erleichtert stieg man im elften Stock aus und wurde sogleich mit einer grandiosen Aussicht über Offenbach und Frankfurt entschädigt. Kühl war es dort oben, doch das Licht beim Sonnenuntergang war fantastisch, so dass viele Gäste auf der Terrasse blieben. Unter die Gästen gemischt waren die Trägerinnen der Modestücke, kaum bemerkbar, da es keine gesonderte Präsentation gab. Nur besonders ausgefallene Stücke, wie ein Topfhut in Rot, fielen deutlich auf. Bei dem Kunst- und Modeaffinen Besuchern der Örtlichkeit war kaum zu unterscheiden, wer hier Mode präsentierte oder wer einen individuellen Modestil im Alltag lebte.
Mit dieser Veranstaltung verabschiedete sich das kurze Gastspiel im “Ersten Offenbacher Hochhaus”, mitsamt seines “Penthouses”. Man kann gespannt sein, wo als nächstes die Studierenden der Hochschule für Gestaltungen öffentlichen Raum temporär mit Kunst besetzen.

(OP 07/04)










Rundgang04

Normal ist das nicht, was dort über den Laufsteg wandelt, doch “normal” hatte es auch nie sein sollen. “Anomalien” heißt die szenische Performance von Patricia Walczak. So tanzen, kriechen, springen unter anderem die Personifikationen von Mondsucht, Haarfetischismus oder Genialität in ihren Kostümobjekten auf dem Laufsteg und dem Gerüstturm, während um sie herum die Besucher des an diesem Abend eröffneten Rundgangs der Hochschule für Gestaltung immer näher an die Inszenierung im Schlosshof rücken, um auch alles sehen zu können.

Manch einer der Besucher trägt einen hellblauen Sticker. Die Zartheit des Motivs täuscht darüber hinweg, dass die Träger sich diese Trophäe am frühen Abend beim “Starshooter” verdienen mussten. Es handelt sich dabei um eine sehr freie Bearbeitung des Textes “Der verbotene Garten” von Tankred Dorst. Pro getroffene Figur an dem hellblauen Schießstand erhöht sich die Anzahl der Lose, deren Ziehung die Gestaltung einer Zeitungsseite zum Gewinn hat. Dieser “Starshooter” ist somit ein “Egoshooter” im wahrsten Sinn der Worte, kommt man doch Schuss um Schuss einen medialen Rahmen zur Selbstinszenierung näher. Die Inszenierung gehört (ebenso wie die mitternächtlichen “Anomalien”) zu dem Studienschwerpunkt Bühnen- und Kostümbild der Professorin rosalie.

Stockwerk um Stockwerk mehren sich die Arbeiten der Studierenden der HfG. Illustrationen hängen in der Aula des Gebäudes: niedlich, frech, aber auch bitterböse und karikaturhaft. Geht man weiter durch die Flure und Zimmer zwischen dem grauen Altbau und dem neuen Anbau stößt man auf digitale Clips und Präsentationen an Computerbildschirmen, freie Skulpturen, Malereiübungen oder angewandte Designlösungen. Man merkt den Arbeiten der jungen Gestalter an, dass sie sich um Professionalität bemühen, manche der Ausstellungsstücke kann man im “Mainladen”, dem Designshop der Hochschule, gleich im Anschluss an den Rundgang erwerben.

Draußen auf dem Schlosshof wird es langsam laut. Die “7. Cross Media Night” beginnt. Zu sehen sind Computerclips des “Schwerpunkt “Elektronische Medien” bei Prof. Bernd Kracke, der auch gleich die Moderation der Veranstaltung übernimmt. Nach den Clips, die auf einer Großbildleinwand am Schloss laufen, spielen Bands, sie wechseln sich ab mit DJs und VJs und später dann mit der Performance von “Anomalien”. Geht man über die Strasse zum Maindamm kann man sich im “Roxy“, dem kleinsten Club Offenbachs, ein Glas Wein holen (ja, genau dort, wo früher die öffentlichen Toiletten waren) oder oben auf dem Damm,  im provisorischen “Sommerlager” eine “Ochsenschwanzsuppe” ausgeschenkt bekommen.

Schaut man von dem Maindamm auf der anderen Seite runter auf die stillgelegten Bahngleise, so stehen dort zwei Waggons. Auch die gehören zum Rundgang. Dieses “Gleis 0” kündet von experimentellen Schienenfahrzeugen, die von Studierenden der Visuellen Kommunikation und der Produktgestaltung erarbeitet wurden. Nur ein paar Schritte am Mainufer beginnt das Terrain eines weiteren Projekts der Produktgestalter: “Ruderboote” werden dort präsentiert. Von denen ist in dieser Nacht wohl noch nichts zu sehen, doch an Samstag und Sonntag kommt dann auch die Stunde dieser experimentellen Gefährte.

Und in einem anderem Teil der Stadt, fern der nächtlichen Feier ist schon Ruhe in die Räume des “Ersten Offenbacher Hochhauses” gekommen. Dort, wo die Arbeiten der Abteilung der Fotografie von Prof. Frank Schuhmacher und “Experimenteller Raumkonzepte” von Prof. Heiner Blum untergebracht sind. Die Hochschule erobert an diesem Rundgangs-Wochenende urbane Räume der Stadt und öffnet sich damit gleichzeitig deren Bewohnern.


(OP 07/04)








Filme der HfG bei den "Frankfurt Screenings"

Gezeichnete Vögel fliegen über das Blatt hinweg oder eine Fliege löst mit ihren Spuren auf dem Papier die Inspiration aus, die sich der notenschreibende Mönch eben noch mit Blick aufs Kreuz erhofft hatte. Filme erzählen Geschichten und im Kino kommen uns diese Geschichte ganz nah. So war es eine gute Gelegenheit Film-, Cmputer- und Videoproduktionen von Offenbacher Studenten der Hochschule für Gestaltung im Rahmen der „Frankfurt Screenings“ in einem Großkino zu sehen. Trotz Hitze und Fußball-EM war der Saal bis auf den letzten Platz besetzt. Insgesamt 17 Produktionen von 20 Studenten wurden auf der großen Leinwand des Frankfurter Metropolis Kinos vorgeführt. Zum diesem HfG-Special waren neben den Filmemachern auch die Professoren Rotraut Pape (Film/Video) und Bernd Kracke (Elektronische Medien) anwesend, die kurz in die jeweiligen Filmblöcke einführten. Das Spektrum beinhaltete Kurzfilme, Animationsfilme, Experimente und Dokumentarfilme.

Um Rituale eingeschworener Szenen geht es sowohl in den Dokumentationen „Ball of Fame“ von Gregor-Maria Schubert und „Billy“ von Sylvie Hohlbaum, obwohl sich die Gruppen sehr unterschiedlich ausprägen. Während „Ball of Fame“ von der professionellen Minigolf-Szene berichtet, widmet sich „Billy“ der Subkultur der Rockabillies. „Ball of Fame“ entstand während der Bahnengolf-WM 2003 in Bad Münder sowie auf Minigolf-Anlagen in Lorsch und Pfungstadt. Jede Sportart hat ihr Gerät und so wird die Wahl des richtigen Balls, der die richtige Härte, Gewicht, Temperatur hat, zum Ausdruck der Profession. Das Dazugehören drückt sich in vielen Szenen durch Gegenstände aus. Was dem Minigolfer der Ball, ist dem Rockabilly das richtige Auto (ein hochgetunter „Hot Rod“ der 50er), die Musik (Rock n‘Roll), die Frisur (Elvis-Tolle). Eigentlich ist fast alles geeignet, was das Lebensgefühl der 50er transportiert, den dort ist diese Szene zuhause. Wir lernen aber auch, dass zwischen den Auto-Freaks und den 50er-Jahre Lifestyle-Nostalgikern Unterschiede auszumachen sind. Eins eint sie aber: Rockabillies gibt es weltweit, ob in den USA, England, Portugal oder im deutschen Walldorf.

In dem Kurzfilm „Zygose“, in wackliger Super8-Ästhetik gefilmt, lassen die Filmemacher Gonzalo Arilla und Arndt Stepper ihre Hauptfigur Fotos im Fotoladen abholen. Völlig unerwartet sieht sich diese von der Vergangenheit, der Gegenwart und letztendlich von der Zukunft eingeholt. Die Fotos zeigen ihn auf dem Weg vom Fotoladens bis ins Jetzt, wo er in einem Café sitzt. Ein Foto zeigt, wie er verduzt die Fotos betrachtet. Mit jedem Bild rücken Vergangenheit und Gegenwart zeitlich näher, bis beide synchron sind, sich sogar überholen.

Auch Musikclips waren unter den Einspielungen dabei. Zum einen der Sommerclip „Sonnenbrand bei 15°“ von Isabelle Fein und Tina Kohlmann. Gezeigt wird Synchronschwimmen mit rothaarigen sommersprossigen Männern in einem überaus kleinen Swimmingpool. Der andere Musikclip „Rimbaud“ von Astrid Rieger bebildert ein von Rimbaud inspiriertes Lied des belgischen Elektropop-Duos Ming. Als Handpuppenfilm führen die Puppen das Leben Rimbauds in 4 Minuten vor, von der homosexuellen Beziehung zu seinem Freund Verlaine bis zu Rimbauds Ende als Waffenhändler in Afrika.


(OP 06/04)








“Absolvenz”
Abschlussarbeiten der Städelschüler
(Städel)


Die Ausstellung befindet sich im Erdgeschoss des Ausstellungshaus. Noch sind die Nachwehen der gerade erst zu Ende gegangenen Rembrandt-Ausstellung zu spüren. Geblieben ist die Ausstellungsarchitektur Holger Wallats, die silber-grauen Wände und der in Brauntönen changierende Fußboden. In diese entleerte Hülle ziehen nun die Arbeiten der Absolventen der Städelschule, um den Raum wieder mit Inhalten zu füllen. Wobei zu sagen wäre, dass die Architektur immerhin die Präsentation der Werke nicht sehr störte, aber gar keine Architektur dieser “temporären” vielleicht vorzuziehen gewesen wäre. Aber genug der Klage, denn eigentlich sollte man sich über diese Ausstellung freuen. Nicht nur, dass hier einige Städel-Studenten versammelt sind, die in den letzten Jahren schon bei Ausstellungen und Rundgängen ins Auge gefallen sind und in der Ballung der “Absolvenz” einiges an Qualität geben. Nein, auch der Umstand, dass die Ausstellung nicht in den Räumen der Städelschule, sondern im Städelmuseum präsentiert wird ist ein positives Zeichen.

Absolventen sind: Helene Arendt, Michael Beutler, Henning Bohl, Christoph Borowiak, Lutz Braun, Tue Greenfort, Michaela Meise, Christina Morhardt, Stefan Müller, Justine Otto, Sibel Öztürk, Georgios Papageorgiou, Michael Pfrommer, Lewin Quehl, Jan Schmidt, Francesca Shaw, Oliver Tüchsen und Andreas Zybach.

Kaum dass man die Räumlichkeiten betritt steht man schon vor der Installation von Helene Arendt. Aus Styropor sind die weißen niedlichen Puppen gefertigt, die vor einem scheinbar schlafend im Raum liegen. Ein ganzes Feld voll mit diesen kitschigen Figuren, die immer wieder in den Arbeiten Arendts auftauchen. Im Hintergrund läuft ein Video. Ebenso nimmt sie am Videoprogramm teil, welches gleich nebenan hinter einer Stellwand gezeigt wird. Sieben filmische Arbeiten, von 15 Sekunden bis zu 20 Minuten. Darunter (der kürzeste) “Supermann” von Sibel Öztürk, diese Super8-Aufnahme eines in den See springenden Mannes findet sich auch in ihrer Installation in der Ausstellung im Hauptraum wieder.

Gleich zweimal sind dort auch großformatige Malereien vertreten, jeweils eine dreiteilige Serie die Porträts zeigt. Justine Otto malte Mädchengesichter, mit Spachtel sind die Farbpartien der Gesichter komponiert, jedes Bild trägt einen Mädchennamen. Sandra Ackermann zeigt hingegen Selbstporträts, wobei hier das Auffallende die Geschlossenheit und Glätte der Malerei ist. Kein Pinselstrich scheint noch erkennbar. Die Malerei wird zur reinen Oberflächen und zeigt dreimal die Künstlerin in ein gleißend weißes Licht getaucht, der Blick fixiert sich auf die dunkle Lid- und Mundlinie.

Nasan Tur, der aus Offenbach stammt und ebenfalls an der Hochschule für Gestaltung studiert zeigt eine Videoarbeit: “Purzelbaummann”. Drei Monitore stehen nebeneinander und zeigen Bilder belebter Einkaufsstrassen, Flughafenhallen, Bahnhöfe in Istanbul, Tokio und Frankfurt. Leute laufen gehetzt durchs Bild und plötzlich löst sich vom linken Rand eine Figur (Nasan Tur selbst) und schlägt quer durchs Bild Purzelbäume. Immer so zeitversetzt als würde das in Istanbul begonnene Geschehen auf dem zweiten Monitor in Tokio fortgesetzt und am dritten Bildschirm in Frankfurt beendet.

(OP, 07/03)







Ole Claßen:“Jesus is a purple bycicle” (Staedel)

Hier muss ein absoluter Fan von amerikanischen Autos hausen. Nicht nur, dass Zeitungsschnipsel dieser Superschlitten nebeneinander zu einer wahren Blechorgie an die Wand geklebt sind. Nein, auch Raumteile, wie Fenster oder Tür, sind mit solch lodernen Flammen verziert worden, wie man sie sonst nur an Heck und Spoiler amerikanischer Autos á la “Grease” kennt.
Zudem stehen vor der gegenüberliegenden Wand Fernsehbildschirme, auf deren Screen Bilder von weiteren heißen Autos, solche die hüpfen und springen, zu sehen sind. Doch dieser Raum ist keine Autowerkstatt oder Liebhaber-Treffpunkt. Schaut man genau auf die Videos, könnte man entdecken, dass diese Autos nicht echt sind, es sind schlicht bewegte Modell-Autos.

Willkommen im „W12-Studio“ der Frankfurter Städelschule. Der scheinbare Auto-Freak, der dort wohnt, ist Ole Claßen, Student von Professorin Ayse Erkmen. Er zeigt dort für eine Woche die Mixied-Media-Installation „Jesus is a purple bycicle“. Dieses lila Fahrrad steht auch tatsächlich im Raum. Man kann es kaum übersehen, nicht nur wegen der Farbe. Es ist eine auffällige Sonderanfertigung. Lenker und Metallteile sind aus polierten Chrom und statt des geraden Stegs zwischen Vorder- und Hinterrad sind drei gebogene Metallkreise dazwischen geschweißt. Diese ziehen das Fahrrad merkwürdig in die Länge, machen es damit zu einem Liebhaberstück. Genauso wie manch andere ihre Autos hätscheln und tunen. Doch für Claßen, den Führerscheinlosen, sind diese Autos unerreichbare Objekte. Das Fahrrad jedoch ist real. Vielleicht nicht gleich Jesus, aber ein passabler Ersatz.
 
Allerdings dokumentiert die Installation längst nicht nur den Umgang mit Wünschen, vielmehr zeigt sie Spuren des Aufenthalts in diesem Raum. Im Gegensatz zu anderen Kunststudierenden, die nur zwei Tage haben, um den Raum zu gestalten, konnte Claßen einen Monat dort verbringen. Das Feldbett in der letzten freien Ecke des Raumes deutet dies an. In dieser Zeit hat er einen fremden Ort zu dem ihm eigenen gemacht und ihn mit den Dingen gefüllt, die ihm wichtig sind. In einer Ecke mit weißen 70er-Jahre Kunststoff-Sesseln liegen Stapel mit Zeitschriften und Kisten mit Platten und CDs, daneben eine Stereoanlage. Die Zeitschriften zeigen Comics, Musikzeitschriften, aber viele Hefte der Art von „Chrom & Flammen“. Abgebildet sind darin HotRods, Oldies und die wahnsinnigsten aktuellen Modelle der amerikanischen Automobilindustrie. Jetzt sind lauter Leerstellen in den Magazinen, wo vorher die Autos waren. Von Ole Claßen ausgeschnitten und zum Traum verdichtet an die Wand collagiert. An einer anderen Wand dominiert ein übergroßes gelb-rotes direkt auf die Wand gemaltes Banner: „Born to lose“. Der Raum schwelgt in einer sentimentalen Rockabilly-Ästhetik, wird somit zum Zeichen einer subkulturellen Haltung und eines bestimmten Lebensgefühls.

Ole Claßen, 1977 in Möchnen-Gladbach geboren, lernte erst Koch, lebt und studiert seit 3 Jahren in Frankfurt. Bis jetzt arbeitete er mit einem fiktiven Alter Ego, dem Tuk-Tuk-Mann, einer comicartigen Gummi-Figur. Zu diesem gehörte ein silberner Wohncontainer, eine Cargo-Kiste, mit der ursprünglich Fracht via Flugzeug um die Welt geschickt wurde. Bei Claßen reiste der Tuk-Tuk-Mann in der Kiste um die Welt.

Seit Anfang Dezember 2002 zeigen im wöchentlichen Wechsel Künstler/innen der Klasse Ayse Erkmen ihre Arbeiten im „W12- studio„.

(OP 05/03)







Hasenherz
Erstsemesterausstellung  im Frankensteiner Hof
(HfG)

So ein Hasenherz, ist jemand ängstliches, dem es näher liegt, davonzulaufen oder geduckt die Dinge auszuharren. Vielleicht ein Versager, der seine Glanzleistung zu Schulzeiten hatte und seither nichts dazugelernt hat. So geht es zumindest der Hauptfigur von John Updikes Roman „Hasenherz“. Es gibt auch die Variante eines DDR Kinderfilms, in der ein Mädchen, unbeliebt, eine Außenseiterin, sich durchzusetzen lernt. So ein Hasenherz ist erstmal nicht positiv besetzt, steht für Unsicherheit und Ängstlichkeit.

Somit war der Titel „Hasenherz“ der Erstsemesterausstellung Studierender der Offenbacher Hochschule für Gestaltung, die jetzt am Wochenende im Frankensteiner Hof in Sachsenhausen stattfand, völlig fehl am Platz. Etwa 60 Studierende der Gestaltungsgrundlagen bei Prof. Heiner Blum hatten das Gebäude von oben bis unten mit ihren Arbeiten bestückt. Noch im letzten Sommer war das Gebäude Standort für die Kunstbiennale Manifesta, nun sind es Kunstnovizen, die die Räume für sich besetzten.

Von Schüchternheit jedoch keine Spur. Sehr selbstbewusst waren die Arbeiten im Gebäude verteilt, ob in Räumen oder im Flur, bis in die letzte Winkel unterm Dach, einer dunklen eisernen Wendeltreppe folgend, bis man dann die zwei versteckten Räume mit Installationen entdeckte. Während am frühen Abend eher Eltern das Publikum bestimmten, wurde es im Laufe der Nacht immer jünger. Für diese Besucher wurde später Musik aufgelegt und es spielten Bands. Das Gebäude hatte allerdings den Nachteil wie ein Kühlschrank zu funktionieren, die unerfreulichen Temperaturen draußen, waren innen teils noch kälter. Darum wirkte die Ausstellung um Mitternacht fast wie eine winterliche Hausbesetzerparty, das Laufpublikum war in dicke Mäntel, Schal und Mützen vermummt.

Zu selbstgewählten Begriffen hatten die Studierenden ganz frei Ideen umgesetzt, vielmals sehr trashig, manchmal ein bisschen selbstverliebt, die aber starke spaßig ironisierende Formen fanden. Vielen Arbeiten spürte man das Suchen nach eigenen Wegen und Formen an, sie waren gleich Experimentier- oder Versuchsfeldern, dazwischen aber ebenso überraschend sicher gesetzte Arbeiten. Gezeigt wurden Installationen, Zeichnung, Fotografie, Filme, Plastik und Malerei.

(OP 02/03)








Rundgang der Städelschule

"Nee Kunst!" so prangt es von den Plakaten, die zum Rundgang der Städelschule einluden. Also, wenn man keine Kunst gucken will, was bleibt sonst bei der Präsentation der Arbeiten der Kunststudierenden der kleinsten Kunsthochschule Deutschlands? Zum einen der Eindruck, dass die Schule trotz verwinkelter Weitläufigkeit fast zu klein für die Fülle der gezeigten Positionen ist. Das ändert sich  in der Dependance der Städelschule, den fabrikartigen Gebäude in der Daimlerstraase am Frankfuter Osthafen. Dort stehen die Arbiten frei in den hallenartigen Räumen, was dem Rundgang gut bekommt. Wobei schon die Fahrt mit dem Shuttlebus, etwas von "mit Kunststudenten auf Klassenfahrt" hat. Was nur nett gemeint ist, da sich das Ganze sehr unterhaltsam gestalten konnte.

Vielleicht resultiert der Wunsch nach Raum auch daher, dass es zeitweise recht voll in den Ausstellungsräumen war, der Höhepunkt der Dichte wurde sicherlich bei der Performance-Vorlesung von Marina Abramovic errreicht. Die Künstlerin, eine Ikone der Performancekunst, hatten sich die Studiernden, gleichwohl die Lehrenden gewünscht und nach langer Anfrage hat sich nun der Vortrtag ergeben. Das Foyer war proppevoll, alle Platz besetzt, über 2 Stunden nahmen es die Besucher in Kauf dichtgedrängt stehend auszuharren, um von Abramavovic einen Vortrag zu hören, der wie eine "Einführung in die Peformancekunst"war. Dicht an Informationen, die Künstlerin inzenierte sich als Rednerin, das Publikum hörte gespannt zu. Danach ging es, etwas klüger als zuvor, weiter mit dem Rundgang durch die Räume.

Ganz im Zug der Zeit ist es die beinah totgesagte Malerei, die hier stark vertreten ist. Dabei kann man wohl nicht behaupten, dass sie in der Städelschule je ganz verschwunden sei, doch die Wandlung zur Figuration, zum Abbildendem, ist nun doch wie ein frischer Wind, der durch die Ateliers weht. Erfreulich, dass man sich nicht nur der Gattung zuwendet, sondern sie sogar ernsthaft betreibt, wovon die Qualität mancher Malereien zeugt, wie z.B. die Mädchenportraits von Justine Otto. Die grossformatigen Arbeiten hängen gut gesetzt im Raum und die Rezeption schwingt  zwischen übermütiger Jugendlichkeit und subtilen Lolitacharme. Auch anderswo angenehm, dass einige Räume gut arrangiert waren. So gab es 3-4 Räume in der Dürerstrasse, in denen wohl nicht laute, spektakuläre Arbeiten plaziert waren, aber die in der Kombination der Werke sehr gelungen waren. Wie z.B. der Raum in dem Jan Schmitts Mikroskop-Glasplättchen mit Verbandklebeband zu einem attraktiven Wandbehang fixiert waren. Oder dem Raum, indem Özlan Günyol eine Skulptur aus Saftbechern gebaut hatte, deren Transparenz, durch die Füllung von Anorkakfetzen wunderschön weiss und grün konrastiert war.

Bei der Dichte, fiel auch so mancher Mangel kaum auf. Fragen kann man sich dennoch, ob wirklich so wenige Studiernde mit Fotografie, Neuen Medien, Klang oder traditionellen Ducktechnicken arbeiten. Nasan Turs Fotografien waren eine gelunge Ausnahme. Sie zeigen nachts in die Luft geworfene Kleidungsstücke, angeblitzt fotografiert, so dass der Hintergrund zum tiefschwarzen Raum wird. Die in der Bewegung eingefroren Textilien, entwickeln fern des Dokumtarischen eine eigene Poesie. Ansonsten waren doch recht wenige  rein fotografische Arbeiten zu finden. Und auch die etwas absurderen Arbeiten schienen etwas abseits in der Daimlerstrasse versteckt.

Humorvoll war durchaus die Idee einen Museumswächter des Städels selbst als Kunstwerk auszustellen. Herr Kaiser, so stand es auf dem Schild an der Wand von  Tue Greenfort. Schade nur, dass das Kunstwerk regelmässig dienstfrei hatte und so nur die Idee im Raum blieb, anstatt des leibhaftigen Museumsbediensteten. Ansonsten kann die Städelschule doch sehr zufieden mit sich sein, ein gelungener Rundgang und kurz zuvor hatten gerade noch zwei der ausgestellten Absolventen die ersten beiden Preise des Bundeswettbewerbs Deutscher Kunsthochschulen gewonnen.
 
(OP 01/03)







„Wunderkammer-und alles Fleisch wird zu Gras...“ (HfG)

Das alte bayrische Sprichwort: "Siehst du einen Wolpertinger, sieh zu, dass du wegkommst..." sollte man hier nicht beherzen. Frontal begrüßt werden Besucher der Diplompräsentation von Silke Andrea Schmidt an der HfG von einer Reihung kleiner Wolpertinger-Skulpturen. Das Fabeltier, entspringt es doch alten Mythen des Volksglauben, ist eine obskure Mischung aus Nagetier, Huftier und Vogel. Wie viele andere Objekte der Präsentation sind es Leihgaben, auf welche die Künstlerin zufällig gestoßen ist und diese wurden nun in ihre Wunderkammer, ihr Sammelsurium, integriert.

Kuriosität oder kitschiges Relikt, Morbides und Vergängliches, aber auch Sakrales kommen in den Räumen der spätgotischen Kapelle des Isenburger Schlosses zusammen. Passend der Titel: „Wunderkammer_und alles wird zu Gras...“

Es ist nicht nur eine Reminiszenz an die Wunderkammern, den ersten museumsartigen Einrichtungen, in denen zumeist Adlige ihre gesammelten Schätze ausstellten, sondern auch  Ausstellungskonzept für die Arbeiten Silke Andrea Schmidts. Es sind jedoch nicht präparierte Krokodile, Schrumpfköpfe, menschlichen Embryonen oder naturwissenschaftliche Exponate ausgestellt, wie bei den großen Vorbildern der Wunderkammern des 15. und 16. Jahrhunderts. Dort wurde versucht, die Ordnung des ganzen Kosmos in einer Sammlung von Objekten darzustellen, die ein möglichst umfassendes Wissen über die Welt zeigen sollte. In den Wunderkammern drängten sich atemberaubend viele Gegenstände auf engstem Raum. Doch tritt in dieser Kuriositätenkammer das Einzelobjekt gegenüber dem Gesamtensemble, bestehend aus dem Raum, den Objekten und dem Konzept zurück.

Das Konzept des Gesamtensembles wird auch  hier in der Kapelle wieder deutlich. Eine regelrechte Materialschlacht hat Schmidt zu dieser Präsentation geleistet. Diese Masse fordert nun vom Betrachter ein langsames Entdecken der einzelnen Gegenständen, ein neugieriges Stöbern, verbunden mit Staunen und oder amüsierten Schmunzeln. So verblüffen die Makrofotografien von Maulwurfkrallen. Sie hängen riesig vergrößert an der Wand und erlauben so dem Betrachter eine ganz neuartige Erfahrung. Naturmaterialien werden mit industriell vorgefertigten Versatzstücken kombiniert, egal ob Sauger aus der Masttierhaltung oder Latexspenden einer ehemals Rumpenheimer Dildo-Fabrik.

Es wird gesammelt, neu kombiniert und so mit neuartigen Subtexten versehen. Es gibt Reihungen und Serien, wie die Hostien, die mit Heiligenbildern versehen an der Wand aufgereiht hängen. Oder die Serie „Target-Tassen“: Plastiktassen, Wegwerfware, in deren Grund kein Kaffeesatz, sondern kitschige Abbildungen, wie die eines röhrenden Hirsches, einer Gams oder Feldhasen zu entdecken sind. Die niedliche Grafik wird jedoch gestört durch die Überlagerung eines Zielvisiers. So liegt im Idyll das Grauen. Manches Ausgestelltes kommt poppig kitschig, harmlos daher, doch schaut man genauer, lässt sich ein feines Gefühl von Entfremdung von Mensch und Natur feststellen. „Kunst muss Belang haben“, so Silke Andrea Schmidt, die durchaus diese sozialkritische Ebene zulässt, in der sich das gestörte Verhältnis von Mensch, Tier und Natur ablesen lässt. Ihre Ängste unterscheiden sich nicht vom kollektiven Unbehagen, das die Gesellschaft erfasst hat.

Mäuschen, Hasen und Rehkitze sind in der Ausstellung bedeckt mit neuen Stoffen, mit Haaren, Federn oder Stroh, scheinbar unkenntlich gemacht und transformiert. Die Künstlerin spielt mit den Regeln der Natur und schafft mit ihren Geschöpfen artifizielle Vielfalt. Fazit: Das Natürliche kann unglaublich sein.
Silke Andrea Schmidt, 1969 in Offenbach geboren, lebt in Mühlheim. Die Ausstellung ist ihre Abschlusspräsentation in dem freien Bereich „Bildhauerei“ bei Prof. Wolfgang Luy.

(OP 06/02)






 
„Meister Yang“ von Nasan Tur (Staedel/HfG)

Wer ist Meister Yang? Das fragt man sich und steht vor dem Schaufenster im Eingang des Presseamtes der Stadt Frankfurt. Denn dort hinter Glas hängt ein stark vergrößert aufgezogenes Foto, jetzt eher ein Plakat, fast größer als man selbst. Der dort ansichtige Asiate, lächelt einen etwas steif, doch mild an. Die Farben blass, scheinbar ein Relikt der 60er Jahre und durch die grobe Auflösung ist es, als ob man ein Fernsehbild vor sich hätte. Doch mehr erfahren wir nicht. Nicht, wieso er da hängt, wann das Foto aufgenommen wurde oder wo, die Biografie bleibt unbekannt. Es ist Meister Yang. Das muss genügen.

Doch für irgendjemand hat das Foto einen Wert, sonst hinge es nicht hier. Der HFG- und Städel-Student Nasan Tur, geboren 1974, hat Mitarbeiter des Presseamtes um ein Foto gebeten. Fotos, die wichtig seien, einen besonderen Stellenwert hätten. Diese Fotos hängen nun auf DinA3-Papier vergrößert, direkt auf die Wand geleimt, im Treppenhaus des Amtes.

Kommen Besucher so finden sie die fremden Fotos. Diese privaten Fotos wirken erstaunlich allgemein. So fällt es leicht, eigene Erinnerungen, eigene Geschichten zu spinnen. Man denkt: “Ach weißt du noch... so war das damals. Ja, ja, ich erinnere mich noch gut!“. Das Fremde transformiert zum Eigenen, ermuntert die Fantasie und weckt Assoziationen. Fotos von Freunden, Verwandten und Urlaub sind doch oft sehr gleich, austauschbar. Individualität bringt ihnen der Kontext. Nur die Mitarbeiter wissen, welche Bedeutung jedes Bild speziell hat. Man stelle sich vor, wie mittags beim Gang zur Kantine jeder erzählt, was es mit dem Foto auf sich habe. Wer denn diese Frau sei, die auf den Schwarz-Weiß-Foto steht und wartet, ganz adrett im 50Jahre Kostüm und die Haare zur Banane gesteckt. Die zwei Kinder am Strand oder die unbekannte Braut.

Ein Treppenhaus ist ein zweckgebundener Ort. Man betritt ihn um ihn so schnell wie möglich wieder zu verlassen, ein Durchgang, eine Schleuse. Aber jeder muss durch ihn hindurch und so ist er ein ausgezeichneter Raum für Kommunikation. Die Bilder kommunizieren und die Nutzer dieser Räume hoffentlich auch. Privates wird öffentlich. Dass Innere dringt nach Außen.
Zum Schluss noch eine Recherche im Internet, sie lüftet das Geheimnis: Meister Yang war ein Tai Chi-Meister. Ein Stil ist nach ihm benannt und 10 Regeln hat er aufgestellt. Eine davon: „Inneres und Äußeres verbinden“!

(OP 06/02)







Hardy Burmeier: „Le Grand Louis“ (HfG)

Merkwürdig ist, was wir da zu sehen bekommen. Lang streckt sich der Rücken des Pferdes. Reiter und Tier scheinen in die Tiefe zu stürzen. Je länger der Rücken, umso tiefer der Abgrund. Digitale Manipulation steckt hinter diesen Phänomen.

Dackelgleich sind die Pferde bei den Fotoarbeiten der Serie „Le Grand Louis“ von Hardy Burmeier. Als hätten diese armen Tiere nicht schon genug durchgemacht. Bis dahin unbeachtet, sind zumeist Pferde die unschuldigen Leidtragenden der 22 ausgestellten „Historienfotografien“. Ereignisse zwischen 1877 und 1964 hat Burmeier ausgesucht, auf ihnen finden wir Szenen der Gewalt, Macht oder sportlichen Ehrgeizes. Schlachtenbilder, Versammlungen des Ku Klux Klans, Militärparaden oder Dressursport. Und immer ist das Pferd Mittel zum Zweck, welches sich den Wünschen der Aggressoren, der Menschen, zu fügen hat. Handlungen, deren Absurdität durch die Verfremdung erst recht augenfällig wird.

Den Fotografien sieht man die Manipulation auf den ersten Blick nicht an. Schwarz-weiß, mit der leicht braunen Färbung, die wir bei alten Fotos gewöhnt sind, täuschen uns die gerahmten C-Prints über den manipulativen Eingriff hinweg. Das Pferd ist falsch, gewiss! Doch ist alles andere auf den Fotos wahr und richtig? Geschichte ist konstruiert und Historienfotos illustrieren diese scheinbaren Wahrheiten. Sie sind Spiegel der Geschichte. Umso vorsichtiger sollte unser Umgang mit diesen Medienbildern sein: Sind sie doch nur Abbild des Realen, der uns, gewollt oder ungewollt, täuschen kann und Meinungen bildet. Dies wird uns bei dieser Fotoarbeit ironisch vorgeführt.

Das Ergebnis ist unterhaltsam. Denn der Gedanke des gelängten Pferderückens wird weitergesponnen. So sitzen gleich vier Ku Klux Klan-Vermummte in ihren weißen Zipfelmützen-Gewändern auf dem Pferd, ein entflammten Kreuz im Hintergrund. Und das Grausame des Bildes erhält so etwas peinlich Lächerliches.

Hardy Burmeier, 1971 in Detmold geboren, studiert an der HfG in Offenbach. Die Serie ist mehrfach prämiert, unter anderem mit dem ersten Preis der Kreissparkasse Recklinghausen und dem Förderpreis für Bildende Kunst des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Rahmen des Wettbewerbs „Kunststudenten stellen aus“.

(OP 06/02)


*** Die Artikel sind manchmal nicht in dieser Form gedruckt worden. Gekürzte oder veränderte Passagen sind in den Texten hier noch enthalten.


,,,..-,-.,-..-,#++#,.-+-.#+#+.-.#+,.+.,-.-####-.+-,.-...,.,.,.,.-.-.-##.--.-,-,,,----,,---##+#,..#+#,--.--.+.+.+....,,,,,...#+#-,..-,-,-,...,.--,.
.,##+#++##+++##+##,,.-..+####..-.,,-..--.------....--..,,,,,.,.,.,.,.,.,++##++++##++++++#####################-.-....-...-.-.-.,
,..,-.---,.-.-.-.---.,.,,,,,.,,,,,,........-.,.--------------------------------------.....,.,.#+#.,.,.-.-,-,.,....,.,.,,.,,,,,.,,..#+++##+++++++#####
+++++##+#++.+.+.++++......+.+.+.,+,+,,,.,.,.,-,-,-,.,.,-.-.-.--,#,+,##,.-.-.,-.,-,.,.--,..,.-,.,,.,,,,.#+,..,+++++#.,..-,-,.,.-,.-###...-,-,.-,-
.-.-...,,.,--,.-,..,.,.,.......##+++#+#+#++++++++++++....,,.,,..++++,.,...#######################,.,,,,,,,,,,,,.-.-.-.,+++++.,.,-,..,.
#####################################.,,,-.,.--,.-.-..,.,.,.,...---..------.--,,.,,.-..-,-.++++----.-..,+++,.,,.,.-,.-.-,-,-.+-+--..-.
,,.-,.,.-,.-.-.-.-.-..-,.,.-,.-,-,..-##+#-.,.-,.,.,.-+#,+#,+-.,,##+.#.#-.,.,+.--,#+#,.-,.-,.-,.-#+.-#+.#,.#+-,-.,-#,#-.,#.-,-.,#.-,#+.,#.,..-,.-.,..
,..,..,..,.,.,.,,,,,,,,,,.,.,..,.,.,.,.-,--.,-,.-.,.,.-,.,.-,-,.-...-.-.-.-----------,.,.,.,.,..,-..-,.,.--,--.---,.,.,,.,.......,.,.,.,..,,,,,,,,,,.,.,-.,-.,.-,-,,,-.,,,,,--,,..,.
...........................................,.,,..,.,.,.,,.,.....................,,,,,.,.,........,,.,.,.,.,.,.......................................,.,,.,,,.........,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,.,.,.,,.,....
                                                                                                                                                                                                                                            info(at)tinowa.de