..........-.-.-.-..,.-.,.---.,,...-.-...-.--.-.-,#+,.,.,+##+##+#+.,.,.,-.-,-.,,.-,,..-...,-#+#+#´##´´´´´´##++-..-,-,,,.-,#+#+.##+.+##.....#+.,,.-
tinowa                                 start     fotos     texte    reviews     notizen     stadt land kunst     links      impressum
,.,..-,.-..#+#ä.-,.,.+##+,.,#,.+-.-#+#.+#--.-,.-,.-,..-,.+#.####+++.-...,.++++.,,-,.,,.--,,--,-.,.--,+#+###-.,##+#..-,#++++.,.,--...-.,.-
                       
                                text-abteilung                                                                   
                                rezensionen


Museum für Kommunikation Frankfurt

"Tiere lügen nicht - Facetten tierischer Kommunikation"

Jedes Kind weiß, wie sich ein Löwe, ein Affe oder eine Ente anhört, doch was sie mit ihrem Gebrüll und Geschnatter sagen, das verstehen wir nicht. Das Museum für Kommunikation geht nun in der Ausstellung „Tiere lügen nicht“ Facetten tierischer Kommunikation nach. Tiere kommunizieren nicht nur untereinander, sondern auch mit uns -  den Menschen. Ebenso sprechen wir seit Tausenden von Jahren zu unseren tierischen Wegbegleitern, den Haustieren. 

Die Ausstellung im Museum legt ihren Schwerpunkt auf genau auf dieses gewachsene Verhältnis zwischen Tier und Mensch. Auf einer Art Naturlehrpfad geht es im Ausstellungsraum vorbei an Geschichten zu Wolf und Hund, zu Verhaltensforscherinnen wie Dian Fossey, sprechenden Tieren, der Dämonisierung von Tieren, zu medialen Tierbildern und letztlich zu unseren Freunden und Helfern, ob nun bei Delphintherapie oder mit Blindenhunden.

Während das Tier der Gegenwart als das „edle Wilde“ idealisiert wird, galten im Mittelalter ganz andere Gesetze. Tiere wurden mancherorts als Ketzer und Mörder vor Gericht gestellt. So wurde ein Sachsenhäuser Schwein zum Tod durch Strang verurteilt, da es ein Kind in der Wiege angegriffen haben soll, als die Eltern außer Haus waren.

Es gibt noch weitere kuriose Exponate in der Ausstellung zu finden: Ein Hundetrainer gibt Postboten Ratschläge, für den Umgang mit Hunden. Oder die Tonaufnahme aus dem Jahr 1912, in welcher der sprechende Berliner Jagdhund Don zu hören ist, der "Hunger" und "Kuchen" sagen konnte. Weiterhin findet sich ein Gedicht des blinden britischen Innenministers David Blunkett auf seinen Hund, es zeigt die Bedeutung von Tieren für behinderte Menschen. Im Ausstellungsraum steht auch das Hundeklavier von Elisabeth Borgese, Biologin und Tochter von Schriftsteller Thomas Mann. Sie lehrte ihren Setter, mit Nase oder Pfoten die Tasten zu drücken, und spielte mit diesem zusammen Kinderlieder von Schumann oder Menuette von Mozart. Funktionieren konnte dies allerdings nur, da zuvor die Tasten mit Leberwurst beschmiert worden waren. Zudem gibt es Radierungen und Zeichnungen von Günther Grass, ob nun Rättin oder  Butt, diese Figuren wurden nicht nur literarisch von ihm geformt, sondern auch possierlich in Schwarz-Weiss zu Papier gebracht.

Bleibt noch die Frage: Wie ist das jetzt mit der Lüge? Lügen Tiere oder nicht? Zumindest gibt es Paviane und auch Schimpansen, die, wenn sie etwas zu fressen gefunden haben, ganz gezielt so tun, als wäre nichts, damit die Artgenossen weiterziehen. Oder gar einen Alarmruf nutzen, so dass alle auf die Bäume flüchten und nur der Affe, der gerufen hat, bleibt unten und stopft sich die Backen mit Nahrung voll. Der Unterschied zum Menschen ist, dem Affen fehlt das schlechte Gewissen hinterher. Solche Täuschungen finden im Rahmen von Nahrungsaufnahme oder des Sexualverhaltens statt, doch bewusst zu lügen, dass ist etwas, was nur wir Menschen können. Das Museum zeigt eine Schau zur Kulturgeschichte des Tieres, welche tierische Kommunikation zeigen will, aber uns weit mehr über menschliches Verhalten verrät.





25 Jahre Videoästhetik

Wer zuhause fernsieht nimmt die Fernbedienung und zappt sich durch das Programm. Wer sich im Museum für Kommunikation die Video-Ausstellung anschaut, dessen Körper wird selbst zur Fernbedienung. Natürlich im übertragenen Sinne, wenn man zwischen den 100 Monitoren hin und her "zappt", um die Vielzahl der Videos aus Kunst, Werbung und Musik der letzten 25 Jahre anzuschauen.

"Video Killed the Radio Star" von Trevor Horn und Geoff Downes war 1981 der erste Clip auf MTV. Das Video fehlt in der Ausstellung, die Auswahl der 100 wichtigsten Videos war schwierig, die Wahl zwischen historisch bedeutsamen und ästhetisch wichtigen Videos, wurde zugunsten der Ästhetik entschieden, heißt doch auch der Subtitel der Ausstellung "25 Jahre Videoästhetik". Stephen R. Johnson beutete für sein legendäres "Sledgehammer"-Video mit Peter Gabriel (1986) die Kunstgeschichte von Arcimboldo bis Dalì und Jackson Pollock aus. Chris Cunningham (1999) lässt zwei Björk-Roboter sich ineinander verlieben.

Der Ton zu den Videos kommt gedämpft über Kopfhörer, die Ausstellung selbst wird dadurch sehr ruhig. Erschließen kann man sich die Clips chronologisch, in dieser Ordnung sind auch die Fernsehpodeste gesetzt, aber ebenso kann man intuitiv dort anfangen, wo einem ein interessantes Bild entgegenflackert. Oder man steigt mit den Video-Stills ein, die an der Wand hängen, zu jedem Clip und zwar nach alphabetischer Reihenfolge, gibt es einen Ausschnitt und einen kleinen Infotext.

Die gezeigten Kunstvideos stammen u.a. von Marina Abramovic, Damien Hirst, David Lynch, Pipilotti Rist oder Bill Viola.  Es gibt Werbe-Ikonen, wie den Apple-Spot von 1984. Ridley Scotts lässt darin  in Riefenstahlästhetik eine Athletin einen gewaltigen, von einem grauen Heer angebeteten Videoscreen zertrümmern. Hieß es bei MTV noch "Video Killed the Radio Star" und kündet Apple schon wieder dessen Ende an, die Zukunft sei der Computer. Der Gedanke ist heute sehr gegenwärtig. Die Ausstellung dokumentiert durchaus den Siegeszug eines Mediums, aber zu einer Zeit in der sein Abgesang anklingt, denn das Medium Video wird zumindest beim Verbraucher stark durch digitale Speichermedien ersetzt.

Die Definition von "Video" löst sich vom Material und wird zur Ästhetik, es eint die Videos nur noch, dass man immer einen Monitor braucht, um sie anzuschauen. In diesem Fall 100 Monitore, dafür sollte man ein bisschen Zeit mitbringen. Die Ausstellung ist eine Übernahme aus dem NRW-Forum Düsseldorf.







Korrespondenzen

Briefmarkensammler sind ein ganz eigenes Völkchen. Nach Ländern, Motiven, nach Preislisten oder gar ganz anderen Richtlinien richtet sich das Sammelinteresse. Es sind oft ganz persönliche Motive, die das Ziel der Sammlung ausmachen.

Josef Joraschek, lange bei der Bundesbaudirektion beschäftigt, sammelt Architekturbriefmarken. Doch bald waren es nicht nur die Marken, die er archivierte, bald würde er die Architekten bitten, zu der jeweiligen neuherausgegeben Marke eine Skizze beizufügen. Diese etwas andere Briefmarkensammlung wird nun im Frankfurter Museum für Kommunikation ausgestellt. Anlass ist der 100. Geburtstag des deutschen Architekten Egon Eiermanns, einer der ersten Architekten, der dem eifrigen Sammler den Wunsch nach einer Architekturskizze passend zur Briefmarke erfüllte.

Mit ihm hatte Josef Joraschek Briefkontakt, ganz offiziell, denn damals war er für die Bauleitung in Washington zuständig, dort wurde die von Eiermann entworfene Deutsche Botschaft gebaut. Das Verhältnis wurde bald vertrauter. Eiermann schreibt in einem Brief an Joraschek: "Der Bau begegnet mittlerweile - ich glaube ich schrieb es ihnen schon - einem derartigen Interesse, dass die Anfertigung guter Bilder fast zu einer "nationalen Notwendigkeit" wird." Im Brief folgt die Bitte die angefertigten Fotografien erst mit Eiermann persönlich abzustimmen, bevor sie an die Behörden weitergesandt würden.

Passend steht nah dem Rahmen, welcher diesen Brief zeigt, ein Architekturmodell des Gebäudes und auch der Briefmarke, die extra zum 100. Geburtstag des Architekten erschienen ist. Sie ziert ebenso die besagte Botschaft, aber auch der wahrscheinlich bekanntere Bau Eiermanns, die im Krieg zerstörte und 1963 als Denkmal errichtete Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Zu diesem Bauwerk gibt es zudem eine eigene 1965 erschiene Marke, inklusive der erbetenen Architekturskizze.

Ansonsten ist die Anordnung der Exponate stringent durchgehalten. In Rahmen hängen mehre Briefmarken, aufgeklebt auf DinA4-Blättern, welche die Skizzen der Architekten zeigen. Das Wort "Stararchitekten" bezieht sich auf Männer, wie Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe, Marcel Breuer, Hans Scharoun oder Norman Foster. Der Titel "Korrespondenzen" hingegen ist verwirrend: Da stellt man sich Briefwechsel vor, entstanden zu oder während der Bauphasen der Architekturen, ähnlich dem Brief zur Eiermanns Botschaftsgebäude in Washington. Weit gefehlt, es geht vielmehr um den oft schriftlichen Kontakt zu den Architekten, mit der Bitte um eine Zeichnung. Und natürlich um den Dialog zwischen Zeichnung und Briefmarke auf dem Blatt.

Neben einem weiteren Architekturmodell in der Vitrine gibt es noch zwei Vitrinen mit Briefmarkenentwürfen. Aber insgesamt wird den Gestaltern der Marken keine Aufmerksamkeit gewidmet. Es ist eindeutig die Architektur, welche das Sammelinteresse dominierte und sich in den Marken aus aller Welt der Jahre 1956-2002 manifestiert.






Die neue Dauerausstellung im Museum für Kommunikation

Die Satelliten, die sonst am gläsernen Himmel der Museumskuppel hingen sind weg. Vieles hat sich verändert im Museum für Kommunikation. Drei Monate lang war die Dauerausstellung geschlossen, alle Exponate waren ausgeräumt, die Böden wurden neu abgeschliffen und dann fing eigentlich erst die Arbeit an: Die Neugestaltung der Ausstellung. Dazu gehört primär die Aktualisierung der Themenbereiche. Viel hatte sich in den letzten 10 Jahren in der Kommunikationsgeschichte getan. Aber auch noch nie gezeigte Exponate aus dem Heusenstammer Depot wurden hinzugefügt oder gegen alte Objekte ausgetauscht.

Was nun zu sehen ist, stellt sich so da: Der runde Lichthof ist der Ausgangspunkt für einen Spaziergang durch das Museum. Von ihm gehen gleich Sonnenstrahlen Wege zu bestimmten Themen der Kommunikation ab. Da gibt es den Bereich Brief und Paket, der auch eine Reminiszenz an die Geschichte des Hauses ist, welches ja einst als Postmuseum begann. Dort gibt es ebenso Briefkästen und Postautos, aber auch eine Buschtrommeln oder steinerne Tontafel, die auf die lange Geschichte der Übertragung von Information verweist. Ganz neu ist hier eine Briefsortieranlage, die regelmäßig in Gang gesetzt wird und man unter dem Tosen der Technik, die automatische Sortierung nach Adressen nachvollziehen kann.

Der nächste Bereich umfasst das Thema Telegrafie. Sehr eindrucksvoll ist ein Raum, welcher der Titanic gewidmet ist. Neben dem Modell des berühmten Schiffes gibt es die Telegramme der Passagiere zu lesen bis hin zu den letzten, die von der dramatischen Katastrophe künden. Es gibt weiterhin unterschiedlichste Telegrafiegeräte, dazu gibt es die fast schon ein bisschen in Vergessenheit geratenen Telex-Geräte, an denen man Nachrichten in einen Lochstreifen-Code übersetzt oder sie direkt via Kabel an ein zweites Telex-Gerät senden kann.

Weiter geht es mit dem Bereich Telefon, ob selbst telefonierend mit den alten Bell-Hörern oder anhand von Vermittlungstechnik am Klappenschrank. Nur das Fräulein von Amt fehlt noch, das muss man sich im Geiste dazudenken. Hier wurden die Exponate um neue Handy-Apparate ergänzt, die so aktuell sind, dass so mancher Besucher, das eigene Gerät in der musealen Vitrine bewundern kann.

Hinter den Telefonanlagen beginnt der Rundfunk- und Fernsehbereich. Alte Volksempfänger zeugen vom Missbrauch der Kommunikation unter den Nationalsozialisten im Dritten Reich. Mit diesen günstigen Geräten sollte die Stimme des “Führers” in jedes Haus gelangen. Man kann sich die alten Geräte aber auch unter dem Design-Aspekt erschließen, ob der Schneewittchen-Sarg von Braun bis zum extravaganten Holzfernsehmöbeln aus den 50er Jahren.

Der Bereich Netze und Internet ist der einzige, der schon fertig war, erst vor 2 Jahren hatte man ihn der Sammlung beigefügt. Hier sind Online-Terminals, die zu eigenen Surf-Touren einladen und gleich daneben stehen in einer Vitrine PCs aus den 80er Jahren. Wenn man noch durch den Kunstbereich in einem hinten angrenzenden Kabinett schlendert, dann wäre damit die Neuerkundung abgeschlossen und Zeit für eine Pause in dem luftigen Lichthof oder im Museumscafé.

Täglich außer Montags kann die Ausstellung besucht werden, nur Eintritt kostet es jetzt, beruhigenderweise ein recht niedriger, so dass der Museumsbesuch gerade für Familien auch weiterhin leistbar bleibt.






Top oder Flop

Viele technische Innovationen der letzten 100 Jahre prägen noch bis heute unseren Alltag. Wer achtet schon noch auf das Radiogedudel, welches als alltägliche Lärmkulisse in unseren Wohnungen aufspielt. In den 30er Jahren waren Radiogeräte in Deutschland noch so teuer, dass sich kaum einer eines leisten konnte. Günstiger wurden sie erst mit dem Bau des “Volksempfängers“. Damit setzte sich diese technische Innovation bei der breiten Masse durch, allerdings nicht ohne Hintergedanken, war das Radio doch bestes Mittel zur Propaganda der Nationalsozialisten. Und damit ja keiner auf den Gedanken käme, die Möglichkeiten des Mediums auszunutzen, musste ab 1939 ein orangener Zettel ans Gerät geklemmt werden, auf dem stand: “Das Abhören ausländischer Sender ist ein Verbrechen gegen die nationale Sicherheit unseres Volkes.” Radio als Medium des weltweiten Verständnisses wurde damit zum Flop, auf lange Sichte ist Radio allerdings Top. Es hat nicht nur die Nationalsozialisten überdauert, es ist so alltäglich und günstig geworden, dass es im Vergleich zu Computer und Internet fast schon etwas altbacken daherkommt.

Der Computer ist ebenfalls eine solche Erfindung, die mittlerweileganz ganz selbstverständlich in unseren Alltag integriert ist. Wer kann sich heute noch erinnern, dass man in den 80er aus Technik-Skepsis noch in Massen auf die Strassen ging. Angst vor totaler Überwachung vom Staat und Abbau von Arbeitsplätzen nährte die Proteste. Als technischen Flop lässt sich wohl das BTX-Gerät beschreiben. Da gab es wohl diese großen umständlichen Geräte auf allen Poststationen, aber kaum einer nutze sie. Viel zu teuer für den privaten Erwerb, im Gegensatz zu dem recht erfolgreichen französischen System “Minitel“, dass allerdings staatlich stark subventioniert war.

Im Museum für Kommunikation stellt die Ausstellung “Top oder Flop” Erfolg und Misserfolg von Kommunikationstechnologien der letzten 100 Jahre vor. Als Paradebeispiele sind Radio, Computer und BTX (als Vorläufer des späteren sehr erfolgreichen Internets im World Wide Web) ausgewählt. Gerade Computerliebhaber können hier auf ihre Kosten kommen, denn viele Pioniergeräte aus den 80ern sind in der Ausstellung zu sehen: Ob der LISA Apple von 1983 oder ein Gerät der Firma IBM von 1976. Sehr schön der Laptop (Osborne 1) von 1983. Dieser tragbare Rechner (heute eher an ein große Kühlbox erinnernd) war ein Koffercomputer, im abnehmbaren Deckel war die Tastatur untergebracht. Weiterhin gibt es alte Computerspiele (wie Pacman), Atarikonsolen, frühe Autoradios, Weltempfänger, BTX-Geräte und BTX-Zellen. Neben all der Technologiegeschichte gibt es auch eine Erfinderwerkstatt zum selbst Dinge erfinden. Hier kann jeder zum “Daniel Düsentrieb” werden und sich die technischen Innovationen von morgen ausdenken.






Kassettengeschichten. Von Menschen und ihren Mixtapes

"Was hörst du für Musik?" gehört zu den Eingangsfragen, wenn man jemanden neu kennenlernt. Über Musikgeschmack lässt sich streiten, aber er kann ebenso viel über das Lebensgefühl des Anderen verraten. Bekommt man ein Mixtape geschenkt, ist das oft mehr als eine Musikkassette mit 94 Minuten Musik, sondern eine Botschaft. Dieses Band verrät etwas über den, der die Musik zusammengestellt hat. Hört man nach Jahren die Kassette wieder an, kommen (gleich einem Fotoalbum) alte Erinnerungen und Gefühle hoch. Da ist die Kassette, mit der man '87 in den Sommerurlaub gefahren ist, um die Lieder per Walkman am Strand zu hören. Oder das Tape, welches man verliebt dem Ziel seiner Sehnsucht zusammenmixte, jedes Lied transportiert die Botschaft der Liebe, die Reihenfolge der Lieder ist eine Dramaturgie der Leidenschaften.
Gerade heute, wo Musik so leicht in nahezu professioneller Qualität auf CD gebrannt werden kann, vielleicht auch im Zuge des 80er Jahre Revivals, entdecken Liebhaber den Reiz der guten alten Musikkassette.

Das Institut für Völkerkunde an der Universität Hamburg hat sich unter der Leitung von Gerrit Herlyn und Thomas Overdick in einem Forschungsseminar mit Mixtapes auseinandergesetzt. Das Ergebnis kann jetzt in der Ausstellung "KassettenGeschichten – Von Menschen und ihren Mixtapes" in Frankfurt besichtigt und gehört werden. Mixtapes werden dort als symbolisch aufgeladene Archive der Erinnerung und Medien der Kommunikation vorgestellt.

Insgesamt 80 Kassettennutzer zwischen 20 und Mitte 40 wurden zum Mixtape befragt. Nur unwesentlich mehr Männer als Frauen berichteten in langen Gesprächen über ihre Erfahrungen. Am Ende waren es 1000 Seiten gesammelter Text. Hinzu kamen 120 E-Mails und Briefe.

"Schenk mir ein Tape, und ich sage dir, wie du dich fühlst", sagt Raphaela (24), Studentin aus Hamburg. Für sie ist ihre Sammlung so viel wie anderen ein Tagebuch oder das Fotoalbum. "Wenn ein Tape verloren geht, wäre das tragisch, weil ein Stück von mir verloren geht."

21 ausgewählte Biographien werden anhand von Interviews und ihren Mixtapes vorgestellt, so daß die Menschen und ihre Geschichten hinter der Musikauswahl erkennbar werden. Die großformatigen Fotografien des Hamburger Fotografen Stefan Malzkorn vertiefen den Eindruck mit dem Portrait der "Mixtaper" im privaten Umfeld zuhause oder auf der Arbeit.

Aufgeräumt werden muß mit Klischees. Der Mann, der liebt, stelle Mixtapes zusammen und schenke sie seiner Angebeteten, so wurde es eingehend in der Popliteratur der letzten Jahre beschrieben. Da waren sie sich einig, ob Nick Hornby oder von Stuckrad-Barre. Hornby setzte dieser, seiner Ansicht nach, typisch männlichen Tätigkeit in dem Roman "High Fidelity" ein literarisches Denkmal. Die Ausstellung im Museum für Kommunikation belegt jedoch: Das Mixtape ist keine Männerdomäne! Es wird von Mann, wie Frau genutzt.

Es lohnt sich ein eigenes Tape in die Ausstellung mitzunehmen, denn an dem „Kassettentauschautomat“ kann man die eigene gegen eine unbekannte neue Kassette eintauschen und sich vom Musikgeschmack des anonymen Anderen überraschen lassen.







Vom Boten zum Bit

2000 Jahre Kommunikationsgeschichte auf 150 qm unterzubringen ist schon eine Kunst für sich. Im Forum des Museums für Kommunikation wurde dies nun mit der Ausstellung „Vom Boten zum Bit. Die Entfesselung von Raum und Zeit“ versucht. Publizistik-Studenten der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität haben diese Ausstellung im Rahmen eines Seminars zur Kommunikationsgeschichte erarbeitet. Begleitet wurde dieses Ausstellungsprojekt von Prof. Jürgen Wilke vom Institut für Publizistik und Klaus Beyrer, dem stellvertretendem Museumsleiter.

Was für die Studenten neu war, Prozesse, wie die Ausstellungskonzeption, Exponatsuche und Ausleihe, Sponsorenmobilisierung, ist für die Museumsmitarbeiter Arbeitsalltag. Angefangen bei der Nachrichtenübermittlung via Steintafeln im frühen Babylonien bis zum Internet reicht die Vermittlung entlang der Exponate. So gibt es Modelle eines Optischen Telegrafen, alte Radiogeräte oder eine Cyberbrille des Frauenhofer-Institutes. Texttafeln erklären die Exponate und schaffen Kontexte zur Geschichte.

Besonders stark ist die Ausstellung dort, wo es um Ideen geht, die nicht auch zwei Etagen tiefer in der permanenten Ausstellung des Museums zu finden sind. Denn natürlich wird auch da Kommunikationsgeschichte behandelt, teilweise die gleichen Themenfelder und dort sind sie weitaus ausführlicher erklärt.

Stärke haben originäre Ideen, wie die der Präsentation eines Fragebogens zu „Wo waren sie am 11. September?“ Dieser Bogen wurde an Personen des öffentlichen Lebens verschickt ( bspw. Rudi Völler, Stefan Aust, Peter Maffay), aber ebenso an ganz normale Bürger und macht recht einfach deutlich, inwiefern Massenmedien unsere Wahrnehmung und Erinnerung prägen. Obwohl es natürlich nur selten solche kollektiven Ereignisse wie die des 11.9. (oder als positives Beispiel: die der Mondlandung 1969) gibt, die weltweit zeitgleich in den Medien verfolgt werden.

Die Gleichzeitigkeiten des Medienkonsums wird auch noch mal am Beispiel CNN aufgenommen. Dieser Themenbereich erzählt davon, dass Informationen global gesendet werden und dabei ein Massenpublikum erreichen können. Im Gegensatz zu den frühen Kommunikationsmedien, wie Briefe, Depeschen oder Telegrammen, bei denen immer nur eine begrenzte Personenzahl gleichzeitig informiert werden konnte. Somit hat im Zeitalter der Massenmedien die Vermittlung der Medien eine wichtige Rolle übernommen. Den Journalisten fällt diese Rolle zu, so bei der „Live-Berichterstattung“. So heißt ein weiterer Themenkomplex. Gerade im Krieg in Irak war die Frage der Vermittlung von Nachrichten durch Journalisten vor Ort wieder kontrovers diskutiert worden. Die Verbreitung von Information wird im Anschluss am Beispiel der Geschichte der Nachrichtenagenturen verdeutlicht. Ein Kunstgriff, da einerseits passend zum Ausstellungsthema, andererseits bestimmt ein lockendes Argument, um damit verschiedene Nachrichtenagenturen als Sponsoren zu gewinnen.

Gerade in den Bereichen der Medienrezeption, Geschichte des Journalismus, Massenmedien ist die Ausstellung am spannendsten, vielleicht weil hier am stärksten die Schnittmenge zum Wirkungsfeld der Publizistik-Studenten besteht.
(08/03)








Liebe.Komm

„Gibt es einen besseren Anlass zur Kommunikation als Verliebtheit?“, so fragt Helmut Gold, Direktor des Museums für Kommunikation bei der Pressekonferenz zur Eröffnung der Ausstellung „Liebe.Komm- Botschaft des Herzens“. Ob Amors Pfeil, romantischer Liebesbrief, Liebesgeflüster übers Telefon oder intime Nachrichten via Sms oder eMail, den amourösen Pfaden der Liebe widmet sich diese Ausstellung, in der man schon kurz nach Eintritt in die Ausstellungsarchitektur aufgefordert ist, die rosarote Brille aufzusetzen. Nicht nur symbolisch, sondern real, denn nur dann kann man unter den Zeilen des schwülstigen Arztromanes, dessen Text die Wände bedeckt, Verse entdecken, die sich tiefgründig mit Liebe und Romantik beschäftigen.

Der geschichtliche Vorspann wird in dem ersten tiefroten Raum abgehandelt, um so heller und luftiger wird es in den nächsten Themenbreichen. Die Anfangsbereiche wirken stark sensuell, ob das interaktive Spiel mit der roten Brille, eine Videoinstallation bis hin zur Stimulanz des Geruchssinns an Phiolen mit aromatischen Inhalten, welche Assoziationen zum Thema erwecken. Es folgen vielerlei Beispiele der Kommunikation. „Bin in Gedanken ganz nah bei dir“, so eine Sms. Ist dieses stete Versprechen der ständigen Verfügbarkeit des Handys der Tod von Sehnsucht und Verführung? Verfliegt das bange Hoffen durch technisch ständig reproduzierbare Präsenz? Doch statt Verflachung, ist es wohl so, dass Email und Sms weniger den Tod des klassischen Liebesbriefes bedeuten, dessen Niedergang war eigentlich schon durch des Boom des Telefons ausgerufen, vielmehr bewirken sie eine Renaissance der schriftlichen Kommunikation. Denn Emails erinnern stark an die romantischen Liebesbriefe des 19. Jahrhunderts, in den narrativ, teilweise lyrisch Gefühle durch Worte suggeriert sind.

Die Liebe hat auch ihre Kehrseiten, die auch kommuniziert werden. Enttäuschtes Sehnen, unerfülltes Verlangen oder ein Ende per Handy: „Die Liebe ist oft ein grausames Spiel“, so schreibt Fabrizio per Sms. Ähnlich klingt es auch bei Kurator Benedikt Burkard: „Liebe und Schmerz hängen irgendwie zusammen“ und verweist gleich auf eine Amordarstellung, bei der Liebesbote den Pfeil direkt ins Auge abschießt, so dass der Liebende regelrecht schmerzhaft von der Liebe getroffen wird.
Der Beginn des Ideals von der romantischen Liebe wird auf einem Zeitpunkt vor etwa 250 Jahren datiert, über diese Periode gibt die Ausstellung Auskunft. Natürlich werden da auch klassischen Liebesbriefe gezeigt, so einen Brief Goethes an seine heimliche Liebe Charlotte von Stein.

Simulation und Verführung sind Formen der Liebesanbahnung zu Unbekannten, mit der man es oft bei Kontaktanzeigen zu tun hat. Die Kommunikationsdesignerin Evelyn Latteier hat hierzu eine Installation geschaffen. Eine Reihe mit Briefkästen hängen an der Wand. Vorne auf der Klappe steht die Kontaktanzeige, mit allen den hoffnungserweckenden Versprechungen, um dann, kaum dass man die Briefkastentür öffnet, mit der realen Person, bei sich daheim im persönlichen Umfeld fotografiert, konfrontiert zu werden. Nun kann man selbst vergleichen, ob sich das Versprechen im Realen auch einlösen lässt.

Zum Ende des Ausstellungsbesuchs kann der erschöpfte Besucher sich auf einem großen runden roten Bett niederlassen und entspannt Liebesfilme schauen, sich nach all der Information wieder von der Illusion der Liebe verführen lassen.
(03/03)









Mobil 100

Wie sähe es aus, wenn man die Stimmung eines ganzen Tages mit einem Bild beschreiben sollte. Ein Foto oder eine Zeichnung, die genau diesen einzigartigen Tag repräsentiert? Und wäre der nächste Tag frappierend anders oder würde sich vielleicht herausstellen, dass jeder einzelne Tag in der Masse vielmehr Eintönigkeit als Einzigartigkeit zeige?

Diesen Gedanken kann man in der Ausstellung “Mobil 100” nachgehen. Zwei Münchner Künstler, der Maler und Zeichner Bernd Zimmer und der Fotograf Martin Fengel haben 100 Tage lang je ein Bild des Tages gefertigt, jeder in dem ihm vertrauten Medium. Jeweils eine Papierarbeit und eine Fotografie sind zusammen in einen Rahmen gehängt. Eine Gegenüberstellung tagebuchartiger Bilder. Oder wie Reiseskizzen, denn in diesen 100 Tage führte es die beiden über 17 Stationen quer über den Globus: München, Los Angeles, Montevenato, Kopenhagen, Phoenix, Rimini, auch nach Frankfurt, um nur einige der Stationen aufzuzählen. Das “Mobil” des Titels leitet sich von diesem Leben und Arbeiten im globalen Kontext ab.

Von Bleistift über Wasserfarbe, Kohle, Ölkreide, Kugelschreiber, Tempera, Buntstifte, Graphit reicht die Skala an Materialien und Ausdrucksmitteln bei Zimmers Papierarbeiten. Er überträgt Wahrnehmungen der Außenwelt emotional ins Zweidimensionale. Aquarelle, die Farbflächen zeigen, mit Zeichnung, die darüber liegt und Landschaft, Personen oder Strukturen generiert. Und daneben die unprätentiösen Fotografien Fengels, meist mit einfacher Spiegelreflex oder Kleinformatkamera aufgenommen. Fast Schnappschussartig zeigen sie einen unglamourösen Alltag: Kirschblüten, Himmel mit Hochhaus, Blicke in Wohnungen, auf Menschen, Freunde, Strassen, geparkte Autos, Straßenschilder.

“Aus dieser Arbeitsweise ergeben sich unvermutete Bezüge: An vielen Tagen korrespondieren die Werke, an anderen entstehen Brüche und Diskrepanzen“, heißt es in der Ankündigung. Und tatsächlich, die Arbeiten harmonisieren manchmal stilistisch oder thematisch so gut miteinander, das man kaum glauben möchte, dass da nur der Zufall im Spiel ist. Doch ist es wohl das suchende Blick des Betrachters, der zwischen Papierarbeit und Fotografie Parallelen zu finden glaubt. Das Auge, das automatisch Gemeinsamkeiten sucht und diese letztlich zu finden glaubt.

Bernd Zimmer, der 1948 geborene Maler und Zeichner ist Gründungsmitglied der Galerie am Moritzplatz in Berlin und gehörte zur Künstlergruppe der “Jungen Wilden” in den 80er Jahren. Martin Fengel, 1964 geboren, studierte Fotografie in München. Er ist Preisträger der Danner Stiftung und fotografiert für das Wochenendmagazin und “Jetzt” der Süddeutschen Zeitung.

(06/02)


*** Die Artikel sind manchmal nicht in dieser Form gedruckt worden. Gekürzte oder veränderte Passagen sind in den Texten hier noch enthalten.


,,,..-,-.,-..-,#++#,.-+-.#+#+.-.#+,.+.,-.-####-.+-,.-...,.,.,.,.-.-.-##.--.-,-,,,----,,---##+#,..#+#,--.--.+.+.+....,,,,,...#+#-,..-,-,-,...,.--,.
.,##+#++##+++##+##,,.-..+####..-.,,-..--.------....--..,,,,,.,.,.,.,.,.,++##++++##++++++#####################-.-....-...-.-.-.,
,..,-.---,.-.-.-.---.,.,,,,,.,,,,,,........-.,.--------------------------------------.....,.,.#+#.,.,.-.-,-,.,....,.,.,,.,,,,,.,,..#+++##+++++++#####
+++++##+#++.+.+.++++......+.+.+.,+,+,,,.,.,.,-,-,-,.,.,-.-.-.--,#,+,##,.-.-.,-.,-,.,.--,..,.-,.,,.,,,,.#+,..,+++++#.,..-,-,.,.-,.-###...-,-,.-,-
.-.-...,,.,--,.-,..,.,.,.......##+++#+#+#++++++++++++....,,.,,..++++,.,...#######################,.,,,,,,,,,,,,.-.-.-.,+++++.,.,-,..,.
#####################################.,,,-.,.--,.-.-..,.,.,.,...---..------.--,,.,,.-..-,-.++++----.-..,+++,.,,.,.-,.-.-,-,-.+-+--..-.
,,.-,.,.-,.-.-.-.-.-..-,.,.-,.-,-,..-##+#-.,.-,.,.,.-+#,+#,+-.,,##+.#.#-.,.,+.--,#+#,.-,.-,.-,.-#+.-#+.#,.#+-,-.,-#,#-.,#.-,-.,#.-,#+.,#.,..-,.-.,..
,..,..,..,.,.,.,,,,,,,,,,.,.,..,.,.,.,.-,--.,-,.-.,.,.-,.,.-,-,.-...-.-.-.-----------,.,.,.,.,..,-..-,.,.--,--.---,.,.,,.,.......,.,.,.,..,,,,,,,,,,.,.,-.,-.,.-,-,,,-.,,,,,--,,..,.
...........................................,.,,..,.,.,.,,.,.....................,,,,,.,.,........,,.,.,.,.,.,.......................................,.,,.,,,.........,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,.,.,.,,.,....
                                                                                                                                                                                                                                            info@tinowa.de