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Museum
für Moderne Kunst (MMK)
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| Kopierte Künstler Sturtevant: The Brutal Truth Déjà-vue-Erlebnisse
treten auf, an der Wand im Frankfurter Museum für Moderne Kunst
hängen Marylins. Andy Warhol? Die Inszenierung ist konsequent und
präzise, aber kein echter Warhol - oder doch ein wenig? Sturtevant
ist die Künstlerin, die hier Hand angelegt hat. Ihr primäres
Konzept ist das der direkten Übernahme bereits vorhandener Kunst.
Sturtevant bat bereits Mitte der Sechziger Warhol um dessen
Siebdruckfolien, um damit Replikas seiner „Blumenbilder“ zu machen, die
ja selbst wiederum auf einer Kodak-Werbung basierten. Warhol willigte
ein.
Die Ausstellung
„The Brutal Truth“ der heute in Paris lebenden Amerikanerin (*1930 in
Lakewood, Ohio) zeigt über 140 Werken aus vier Jahrzehnten. Mit
der Ausstellung zeigt das MMK nicht nur das Werk der Künstlerin,
gleichzeitig ist der Coup gelungen, die „großen Namen“ (Marcel
Duchamp, Andy Warhol, Josef Beuys, Jasper Johns, Anselm Kiefer usw.)
des 20. Jahrhunderts mit ins Haus zu bringen. Ob Klon, Kopie oder
Zitat: Die originale Aura schwirrt immer mit herum. Schon am Anfang ihrer Ausstellungstätigkeit Mitte der sechziger Jahre löste die Künstlerin lebhafte Kontroversen aus, als sie mit „Kopien“ ihrer ausschließlich männlichen Kollegen – Warhol, Johns, Oldenburg und Stella – debütierte. Warum keine Künstlerinnen darunter, fragt man sich da. Doch Frauen hatten es im damaligen Kunstsystem schwer gleichberechtigt neben der männlichen Konkurrenz zu bestehen. Vielleicht ist das einer der Gründe die dazu führten, das ihre Arbeiten mit Sturtevant betitelt sind, der Vorname Elaine ist weggefallen. Ihr Werk schließt sowohl Malerei, Skulptur, Zeichnung, Fotografie und Film als auch raumbezogene Installationen, sowie in jüngster Zeit Video mit ein. In den Videos, geht es ihr noch immer ums Verdoppeln, sozusagen um das "Klonen" der Dinge, die schon vorhanden sind. Warum soll eine Idee nur dann gut sein, wenn sie neu ist? In den Siebzigern galten ihre "Flaggen" nach Jasper Johns, die Objekte nach Duchamp, ihre "Warhol Flowers" und Bleiflugzeuge à la Anselm Kiefer als Sturm auf den Geist des Werkes. Heute freilich, in Zeiten, in denen es nichts gibt, was es nicht gibt, fühlen sich Kunstmarkt und Publikum wenig provoziert. Dennoch ist die Konsequenz ihrer Werkes erstaunlich. Die Anfertigung eines Duplikats mit dem Anspruch eines Originals war ein beispielloser Beitrag Sturtevants zum damaligen Diskurs, der die Massenhaftigkeit, Automatisierung und Entpersönlichung der Kunstproduktion thematisierte. Damit wurde sie Vorläuferin der späteren “Appropriation Art”, von der sie sich aber bewusst distanziert sehen will, da ihre Arbeiten weder Kommentar, noch Parodie sein sollen. Vielmehr wird in ihren „Klonen“ die Frage nach dem Original gestellt. Ist das Bild Produkt des Künstlers oder steht das Kunstwerk für sich und emanzipiert von seinem „Schöpfer“? So, wie bei der lkone der Vorbildlosigkeit schlechthin, dem "Brunnen" von Duchamp, ein industriell vorgefertigtes Pissoir aus Keramik, dass der “Meister“ 1917 einfach auf einen Sockel stellte und somit zur Skulptur erklärte. In Sturtevants Adaption lebt der „Brunnen“ weiter, auch wenn das Original längst zerstört ist. |
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Teresa Margolles:
Muerte sin fin
Im Foyer des MMK stehen drei Seifenblasenmaschinen, die pro Minute Tausende von Seifenblasen produzieren. Wunderschön glitzern die zarten Hüllen im Licht und schweben tanzend durch die Luft. „In der Luft“ (2003) heißt dieses Kunstwerk von Teresa Margolles, deren Arbeiten unter dem Titel „Muerto sin Fin“ (=Tod ohne Ende) im Museum für Moderne Kunst Frankfurt gezeigt werden. Die Blasen sind eine Mischung aus normalem Wasser und Seife, versetzt mit Wasser, mit dem Leichen vor der Autopsie gereinigt worden sind. Das Wasser stammt aus dem Leichenschauhaus von Mexico City, wo Teresa Margolles lebt und regelmäßig künstlerische Projekte vorbereitet. In Mexico City fließt das Waschwasser vom Leichenschauhaus üblicherweise durch den Abwasserkanal an den Stadtrand, von wo auch die meisten Toten stammen, die ins Leichenschauhaus zur Identifizierung geliefert werden. Der zyklische Aspekt, der sich hieraus ergibt, findet eine Erweiterung, wenn bedacht wird, dass über die natürliche Verdunstung des Wassers Miniaturteilchen der sterblichen Reste als Regen zu den Lebenden zurückkommen können. Jede Seifenblase in der Installation ist so gleich einem Körper. Sie hinterlässt die Spur der Erinnerung an Leben und Tod. Die Werke von Teresa Margolles haben ihren Ursprung in ihrer Arbeit als Gerichtsmedizinerin. Über ein Jahrzehnt hindurch untersuchte Margolles mit der Künstlergruppe SEMEFO die Existenz und das Verbleiben der Leichen und die am und für den toten Körper vollzogenen Rituale, wie zeremoniöse Waschungen und Begräbnisbräuche und -riten. Mit Fotografien, Videos, Installationen und Performances visualisiert Margolles die physischen Manifestationen von Erinnerung, Gewalt, Geld und sozialer Ungleichheit an den sterblichen Überresten von Menschen. Sie weist so auf die soziale, ökonomische und politische Situation in ihrem Land Mexico sowie dem Großteil der südlichen Hemisphäre hin. Sie zählt damit zu den Vertretern einer neuen politischen minimal art. Für ihre Arbeit „Aire“ (Luft, 2003) schuf Margolles einen leeren Raum, allein zwei Luftbefeuchter sind darin. Aus ihnen befeuchtet Leichenbadewasser die Raumluft. Trotz der Tatsache, dass Margolles das verdampfte Wasser für die Installation desinfizierte, haftet dem Werk noch immer der Beigeschmack einer drohenden Gefahr an. Der Kontakt zum Tod, zu Toten, ist hier in Deutschland an ferne Orte gerückt, die nichts mehr mit unserem Alltag zu tun haben scheinen. Umso irritierender Seifenblasen auf der Haut zerplatzen zu sehen oder Luft zu atmen, wenn man weiß, dass in ihnen Restpartikel Toter verblieben sind, die wir nun selbst an unserer Haut tragen oder einatmen. Auch in den weiteren Rauminstallationen arbeitet Teresa Margolles mit den Rückständen aus dem Leichenhaus, mit Abdrücken der Körper oder es entsteht gar Malerei aus Fett und Blut des Waschwassers mit dem die Toten gewaschen wurden. (OP, 04/2004) |
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Rudolf Stingel
und Peter Roehr
(OP,
03/2004)Im Oktober bei der 50. Kunstbiennale in Venedig, da stand ich in einem mit Alufolie tapezierten Raum und dachte zuerst an Andy Warhol. Dieser hatte in den 1960ern die Räume seiner legendären Factory in New York in Silber tapeziert. Doch nicht Warhol, sondern Rudolf Stingel hieß der italienisch-amerikanische Künstler, der diesen Raum gestaltet hatte. Wie Warhol lebt er in New York, doch im Gegensatz zur Popkunst-Ikone, der sich selbst im Reflex der Silberfolie zum Kunstwerk stilisierte, forderte Stingel die Besucher auf, sich in den Raum einzubringen und ihre Wünsche für ein besseres Leben an die Wand pinnen. Die Wände wirkten am Ende fast wie eine kleine Müllhalde, mit notdürftig besorgten Mitteln waren Eintrittskarten, Kassenbons, Notizblätter an die Wand gepinnt, mit Haarnadeln oder gar Kaugummi und Grüße aus aller Welt galt es zu entziffern. Rudolf Stingel ist derzeit im MMK ausgestellt und wieder kommt mir Warhol in den Sinn, denn dessen "Time Capsules", Thema und Titel der letzten Ausstellung, müssen mit Beginn der neuen Ausstellung aus dem Museum verschwunden sein. Statt Warhol wieder Stingel, dieser hat einen Raum im Museum umgestaltet. Diesmal nicht in Silber, sondern in Rot. Unter dem Titel "Home Depot" verwandelte er den Raum in eine schillernde "gute Stube mit Dekor" und bildet damit einen eklatanten Gegensatz zum sonstigen Erscheinungsbild des modernen Museums als "White Cube". Mit "Home Depot" verweist der Künstler auch auf den gleichnamigen amerikanischen Baumarktgiganten, dessen Angebot für Stingel eine Art Fundus für die Produktion und Umsetzung von Ideen darstellt. Zusätzlich greift der Künstler in seinem tapezierten Projektraum auf Bilder aus dem Depot des MMK zurück. Auch diesmal nimmt er mittels seiner "Tapete“ einen Dialog auf und bezieht sich damit auf einen regionalen Kontext. Bei der Biennale waren es die Besucher, hier im MMK sind es die Kunstwerke des Hauses. Mit der Ausstellung Home Depot setzt das MMK seine im Jahr 2002 im Rahmen der Dornbracht Installation Projects begonnene Reihe von Einzelpräsentationen aktueller künstlerischer Positionen im Bereich der Rauminstallation fort. Nicht zu vergessen wäre, die andere kleine Werkschau, die zugleich im MMK gezeigt wird. Peter Roehr hätte eine Frankfurter Kunstlegende werden können. Zum Quadrat formierte Autoreifen und Welthölzer, dynamisierte Preisetiketten, ein multiplizierter Henninger-Turm - als Peter Roehr 1968 in Frankfurt im Alter von nur 24 Jahren stirbt, hinterläßt er an die 700 Arbeiten. In den fünf Jahren seines intensiven Schaffens verfolgte er mit Nachdruck das Prinzip der Serialität, die pure Anordnung gleicher Elemente. Es entstanden massig Foto-, Text-, Typo-, Objekt-, Film- und Tonmontagen. Aus Anlass seines diesjährigen 60. Geburtstages zeigt das MMK im Archiv-Raum prägnante Werke Peter Roehrs aus der Museumssammlung. |
| Andy
Warhols "Time Capsules" Gedächtnis ist das Tagebuch, das wir immer mit uns herumtragen, so sagte einst Oskar Wilde. Doch ist das Gedächtnis stets an das Leben gebunden. Bei den meisten von uns gehen die Erinnerungen und Erfahrungen mit dem Tod unwiederbringlich verloren. Eine Möglichkeit, dem zu entgehen ist es, während seines Lebens Spuren zu hinterlassen, beispielsweise Tagebuch schreiben. So ein Tagebuch ermöglicht die Konstitution eines Ichs. Andy Warhol hat bis zu seinem Lebensende in ca. 600 Kartons alles gesammelt, was ihm in seinem Alltag bewahrenswert erschien. In ihnen sind Fotos, Zeitungen, Briefkontakte,Bildvorlagen, Bücher, Filme, etc. gelagert. Das Interesse am Festhalten und Kontrollieren der Vergangenheit ist deutlich. 610 Pappkartons sind so zusammen gekommen. War eine so genannte "Time Capsule“ komplett, wurde diese von Warholverschlossen und zu seinen Lebzeiten nicht mehr geöffnet. Das Museum für Moderne Kunst (MMK) zeigt nun in Zusammenarbeit mit dem Warhol Museum in Pittsburgh eine umfangreiche Ausstellung der "Time Capsules“ von Andy Warhol (1928-87). Nach dem Tod des Künstlers hat das Warhol Museum in Pittsburgh begonnen, einzelne Kartons wieder zu öffnen. Aus den rund 100 bislang inventarisierten "Time Capsules“ (alle anderen sind bis heute ungesichtet) hat das MMK 15 exemplarisch ausgewählt. "Man muß sich für jeden Monat eine solche Schachtel besorgen und da alles reinwerfen und sie dann am Ende des Monats verschließen. Dann datiert man die Schachtel (...). Man sollte versuchen, sie im Auge zu behalten, aber wenn man das nicht schafft und sie verloren geht, ist das auch o.k., denn dann gibt es wieder eine Sache weniger, über die man nachdenken muß, und man ist eine weitere Bürde los.(...)" (Andy Warhol) Die "Time Capsules" bieten ein immenses Hintergrundwissen über das alltägliche Leben des Künstlers.Das zeitliche Spektrum der gesammelten Gegenstände reicht von den frühen Kinderbüchern der 30er Jahre bis hin zur Club- und Partyszene des"tudio 54“ Anfang der 80er Jahre.Anhand von originalen Zeugnissen kann man sich ebenso auf eine kulturgeschichtliche »Reise in die Vergangenheit«, in der sich beispielhaft Massenphänomene und Populärkultur dieser Zeit spiegeln. Warhol wurde als Sohn eines Bergarbeiters aus der Slowakei in Pittsburgh geboren. Nach dem Studium am dortigen Carnegie Institut für Technologie kehrte er der wenig geliebten Stahlstadt 1949 den Rücken und zog nach New York. Dort richtete er seine legendäre Factory ein, wo er lebte, malte und seine Filme drehte. In ihr begann er 1962 seine produktivste Phase mit Grafikserien, welche die Schattenseiten einer konsumorientierten Welt vor Augen führen. Warhol starb am 22. Februar 1987 unerwartet nach einer eigentlich ungefährlichen Operation. |
| Das
lebendige Museum Was macht ein Museum, zu einem “lebendigen“? Oft wechselnde medienwirksame Ausstellungen? Ein ausgefeiltes Veranstaltungsprogram, Vorträge, Filmvorführungen und eine aktive Museumspädagogik? Das Konzept des Museums wird regelmäßig hinterfragt, die Konzepte reichen von Archiven über Musentempel der Hochkultur bis zum Kinderzimmer des Populären mit Mitmachpädagogik. Immer wieder wird dieser Ort anders definiert und inszeniert. Lebendiger soll es bitte schön sein! Das konnte man nun im Frankfurter Museum für Moderne Kunst haben. Die letzte Ausstellung hieß “Das lebendige Museum”. Für 6 Wochen waren dort fünfzehn Arbeiten internationaler Künstler ausgestellt, deren Hauptbestandteil lebende Personen gewesen sind. Menschen, sie hingen an der Wand, lagen regungslos auf dem Boden oder spülten unentwegt Gläser. Ein Supermann, der in Denkerpose ausharrte. Da wurden Wände immer wieder neu schwarz, dann weiß gestrichen. Dazu kamen sich mysteriös bewegende Möbel und ein GoGo-Tänzer. Diese Museumsexponate sind weder angestaubt, noch “tot“, sondern ungemein lebendig. Diese lebendigen Ausstellungsobjekte (oder sagt man da besser Ausstellungssubjekte?) lassen sich grob in drei Kategorien unterteilen: Es gab klassische Performance-Arbeiten, wo der Künstler selbst der Performende war, dann gab es Konzept-Arbeiten, bei denen Menschen als Material fungierten und es gab interaktive Arbeiten, bei denen der Museumsbesucher angesprochen wurde selbst mitzumachen und zum Akteur zu werden. Johann Lorbeer fiel in die erste Kategorie: Der Künstlers als Performer. Insgesamt drei Arbeiten von ihm waren im Museum installiert, doch lebendig wurden sie erst, wenn er in eines der in die Wand gedübelten Kostüme einstieg, die dort gleich Prothesen den Körper gegen alle Gesetze der Schwerkraft in den Raum schweben, bzw. die Wand herunterlaufen liessen. Besonders die letzte Arbeit (“Proletarisches Wandbild”) irritierte den Besucher schon beim Eintritt in den ersten Museumsraum, wenn vertikal hoch über dem eigenen Kopf Johan Lorbeer im grell-orangenem Straßenkehrerkostüm freundlich “Hallo” sagte. Selbst aufgefordert waren die Museumsbesucher bei den “One Minute Sculptures”. Weiße Podeste mit kurzen Anweisungen, gleich einer Turnanleitung, liessen jeden selbst zum Performer werden. Und sei es nur für eine Minute. Besonders passend da dies vor der Wand mit Warhol-Werken passierte. Warhol, der einst den Satz “jeder kann für 15 Minuten Berühmtheit erlangen” prägte. Jetzt darf jeder 1 Minute Kunstwerk im Museum sein. Die Hemmschwelle zum Mitmachen war bei der Videoarbeit von Paul McCarthy wahrscheinlich am höchsten. Um sie zu erleben, mussten sich die Besucher als Pinocchio verkleiden: Kostüm, Maske und riesige rote Clownschuhe hingen draußen vor der Tür eines kleines Sperrholzcontainers. Nur kostümiert durfte man den Raum betreten. Überraschend hier, wie viele Besucher letztendlich bereit waren sich aufdiese mühevolle Prozedur einzulassen und sich den Film anzuschauen. So war jedes Mal, wenn ich zu Besuch war, das Kostüm gerade in Benutzung. Eine konzeptuelle Arbeit war Tania Brugueras viel diskutierte documenta-Installation "Untitled (Kassel)". In einem dunklen Raum wurden die Zuschauer geblendet, im selben Moment hörten sie das bedrohliche Klicken eines durchladenden Gewehrs. Des Moment der Bedrohung war allerdings weit geringer im Vergleich zu der Installation in Kassel. So musste das bedrohliche Klicken erst als ein solches identifiziert werden, vielleicht schwächte auch die Nachbarschaft zu all den anderen interaktiven Arbeiten die Installation Brugueras. Viel harmloser kam Tobias Rehbergers Gruppe “Three Boys, Four Girls“ daher, sieben junge Menschen, die modisch gestylt nichts anderes tun, als sich als Gruppe im Museum zu inszenieren. Sie funktionierten gleich einem "lebedigen Gemälde", einem Gesellschaftsspiel wie es früher schon gern inszeniert wurde. Sie waren eines der Hauptziele der das in den sechs Wochen regebesuchenden Schulklassen. Denn Während Supermann nur stumm alle Fragen der besuchenden Schüler ignorierte (was ja Teil des Konzepts war), durften Rehbergs "Boys" und "Girls" alles tun, wozu sie List hatten, solange sie dabei als Gruppe erkenntlich zusammenbloieben, also gab es hier die nötige Ruhe und Muße, um sich mit den Besuchern zu unterhalten oder Fragen zu beantworten. Die Arbeit, die mir besonders gefiel, war "Double Shell" von Massimo Bartolin. Der Museumswärter im ersten Raum hielt etwas verborgen, was er kurz und ungferagt den vorbeischlendernden Besuchern offenbarte. Die Geschlossene Hand öffnete und gab eine ausgehöhlte Perle frei. Ein Schönes Sinnbild, der stummen unsichtbaren Museumswächter, gleich einer Auster, die aber am besten die Perlen des Hauses kennen und hegen. |
| "Das
Museum, die Sammlung, der Direktor und seine Liebschaften" "Das Museum, die Sammlung, der Direktor und seine Liebschaften". Rätselhaft gibt sich der Titel der kommenden Ausstellung im Museum für Moderne Kunst. Mit Spannung wird das gewandelte Erscheinungsbild des Hauses unter dem neuen Direktor Udo Kittelmann erwartet. Er tritt ein schweres Erbe an, denn viele eingefleischte Fans des MMKs fanden gerade wegen des designierten Direktors Jean-Christoph Amman den Weg in die heiligen Hollein-Hallen. Was tun, war die Frage. Charismatischer sein wollen, bunter, moderner, medialer? Genau das Gegenteil ist eingetreten. Die Ausstellung zeigt eine Besinnung auf das Eigene. Pragmatismus, gepaart mit Reduktion. Ganz allein aus den eigenen Archiven ist die Ausstellung zusammengestellt. Gezeigt wird also tatsächlich das Museum und die Sammlung. Die Architektur Hans Holleins ist unverbaut wie nie, klar und weiß, wo vormals Installationen an Wänden und Treppenaufgängen waren. Und zusätzlich kommen die Liebschaften des Direktors, die drei "Satelliten". Statt der ständig rotierenden Szenenwechsel, werden es die Satelliten sein, die jährlich neu konzipiert werden. Zum Einen gibt es das "Dornbracht Installation Project". Diese Kooperation hat Kittelmann aus Köln mitgebracht, wo er Direktor des Kölnischen Kunstvereins war. Diese ermöglicht nun pro Jahr eine zeitgenössische Installation in der großen Eingangshalle des Museums. Diese Foyersituation hat sich der schottische Künstler Martin Boyce in seiner Installation "1959 Capital Avenue" zu Nutze gemacht. Wie eine Reminiszenz an die Moderne wird der Eingang zur unterkühlt wirkenden Business-Lobby, mit schwarzen Design-Sesseln und einen silbernen Vorhang, der frei im Raum hängt. Ein "Anti-Bomben-Vorhang" dessen Funktion in Regierungsgebäuden es ist, im Falle einer Explosion das Eindringen von Glassplittern zu verhindern. Und an der Wand ein Mies van der Rohe Zitat: "Punching through Clouds". Der zweite Satellit ist das "Archiv". Jedes Jahr wird nun ein der Öffentlichkeit zugängliches Archiv in das Museum eingeladen. Begonnen hat man mit dem Friedrich-Kiesler-Zentrum Wien. Es präsentiert sich unter anderem mit Archivalien, Skizzen, Manifesten und Entwürfen für Ausstellungsräume, die Kiesler Anfang der vierziger Jahre im Auftrag von Peggy Guggenheim geschaffen hat, die diese damals in der legendären New Yorker Galerie "Art of This Century" zeigte. Der dritte Satellit ist das "Kinderzimmer". Ein Raum, der zum denkenden Spielen anregen soll, für Kinder oder für das Kind im Erwachsenen. Hans-Peter Feldmann hat nun mit einer Art Mitmach-Parcours den Anfang gemacht. Bunt und verspielt ist es geworden, fast wie eine Ikea-Scheinwelt und mit Stationen, in denen Kunstwerke zitiert, kopiert, generiert scheinen. Ein Raum, der so aussieht, wie Erwachsene denken, was Kinder wohl für zeitgenössische Kunst halten. Diese Satelliten sind in eine Ausstellung eingebettet, die wohl aus den eigenen Beständen lebt, aber diesen Umstand sehr gut zu nutzen weiß. Es ist kein unkommentiertes Nebeneinander, sondern ein fein gewobenes Netz. "Vieles wird zu Debatten führen", sagt Kittelmann, "und das ist gut so, das ist der Sinn eines Museums." Weniger Werkgruppen und einzelne Künstler stehen im Vordergrund, sondern es sind Thematiken, die sich immer wieder finden. Wie ein roter Faden ziehen sich z.B. verschiedene Formen von Suchaufrufen durch das Haus. Während Duchamp auf seinem Plakat von 1963 noch nach der Rolle des Autors sucht, sucht Warhol kurz darauf auf Steckbriefen nach den "Most wanted Men" und Lucian Freud fahndet nach einem aus seinem Besitz gestohlen Bacon-Gemälde. Und der Besucher selbst sucht überall nach Sinn und Zusammenhängen und fühlt sich dabei doch recht gut aufgehoben unter der Federführung des neuen Hausherren. |
| Jubiläumsausstellung
im Hauptzollamt: 5 aus 25 Jedes Feld hat ihre Helden.
Vorreiter, die es geschafft haben, an denen sich der Nachwuchs messen
oder abarbeiten muss. Joseph Beuys ist so einer für die Bildende
Kunst.
Den künstlerischen Nachwuchs unterstützen, dies hat sich die Jürgen-Ponto-Stiftung zur Aufgabe gemacht. Förderung für die, die es noch nicht geschafft haben, noch am Anfang einer ungewissen Laufbahn stehen. Schon seit 25 Jahren und deswegen wird im Frankfurter Hauptzollamt mit einer Ausstellung jubiliert. "5 aus 25", so der Name und zeigt fünf ausgewählte Künstlerpositionen, vom ehemals geförderten Nachwuchs. Künstler, die es mittlerweile auch geschafft haben. Ihre neuen Werke zeigen Jörg Herold (Installation "Heldenfriedhof"), Wolfgang Laib (Reishäuser), Carsten Nicolai (eine Vinylplatte in 1000er Auflage), Thomas Ruff (virtuelle Bilder der Reihe "Substrat") und Thomas Schütte (bizarre Architekturmodelle). Jörg Herold war 1991 Förderpreisträger der Jürgen-Ponto-Stiftung. Er hatte sich im Jahr 2000 an die russische Krim auf die Suche nach Zeitzeugen gemacht, die am Tag des Absturzes dem Soldaten Joseph Beuys begegnet sein könnten. Dabei entstand seine jetzt gezeigte, herausragende Arbeit "Heldenfriedhof". Es ist eine filmische Installation zwischen investigativer Dokumentation, Archiv und Skulptur: Ein Film empfindet den Absturzflug von Beuys nach, ein weiterer Film begleitet zwei damals elfjährige alte Herren zur Absturzstelle, dazwischen steht eine Kiste mit einem Modellflugzeug, ebenfalls gehört abfotografiertes übermaltes Dokumentationsmaterial dazu. Eine Annäherung an den Künstlermythos Beuys und die Offenlegung der Konstruktion desselben. Wolfgang Laib, Preisträger
des Jahres 1980, entwickelte kleine Reishäuser, die er in den Raum
setzt. Er umschüttet diese weißen Miniaturhäuser aus
Marmor und Holz mit Reiskörnern und löst so deren
Geschlossenheit auf. Merkwürdige Architekturen auch bei Thomas
Schütte, der sich für eine Arbeit aus dem Jahr 1982
entschied. Modelle und Gemälde von Architekturen, ohne angewandten
Funktionswert, fast an Käfige erinnernd. Carsten Nicolai, hat
für die Jubiläumsausstellung eine Arbeit angefertigt. Er
thematisiert die Beziehung Lifestyle und bildender Kunst. Auf zehn
weißen Sockeln stellt er 1000 durchsichtige Schallplatten in
Klarsichthüllen aus. Ein Selbstbedienungs(platten)laden, denn die
Platten sind zum Mitnehmen. Eine Ironisierung der gegenseitigen
Begeisterung von popkulturellen DJ/Club-Szene und der Kunstszene.
Thomas Ruff, Förderpreisträger 1985, zählt zu denen, die es ganz nach oben geschafft haben. Hier zeigt er jetzt zwei ganz neue Arbeiten aus der Reihe "Substrat". Im Internet vorgefundene Comicbilder hat er vielfach übereinander gelegt. Entstanden sind zwei großformatige Ink-Jet-Ausdrucke. Sie zeigen flache, lediglich farblich brillante Oberflächen, voluminöse Farbwolken. Ungewohnt, da diese Arbeiten stark mit dem brechen, was man von Ruff erwartet, die stilisierten, fast ausdruckslosen Portraits, die im MMK hängen. Aber solche Brüche sind ja auf Dauer angenehmer als die monotone Wiederholung erfolgreicher Konzepte. Die Jürgen-Ponto-Stiftung
wurde im Jahr 1977 kurz nach der Ermordung des Frankfurter Bankiers
gegründet. Seit 1977 hat die Institution der Dresdner Bank
über 100 Maler, Grafiker und Bildhauer mit Förderpreisen und
Atelierstipendien in ihrer Entwicklung unterstützt. Die Stiftung
begeht ihr 25-jähriges Bestehen mit einem Benefiz- Konzert in der
Alten Oper Frankfurt (16. September) und einem Veranstaltungskanon im
Alten Hauptzollamt (19.-22. September). Verschiedene Podien beleuchten
auch die anderen Förderbereiche Darstellende Kunst, Architektur,
Literatur und Musik.
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Die Artikel sind manchmal nicht in dieser Form gedruckt worden.
Gekürzte oder veränderte Passagen sind in den Texten hier
noch enthalten. |