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Staedelmuseum
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„Wahlverwandtschaften“
in der grafischen Sammlung Das
Bildnis der
Marie Swarzenski von Max Beckmann ist aus den USA ins Frankfurter
Städel
zurückgekehrt. Die Pastellzeichnung gilt als eines der
Schlüsselwerke des
deutschen Expressionisten, da es dessen Hinwendung zu Farbe belegt. Das
Bild
wird nun in der Ausstellung "Wahlverwandtschaften" mit anderen
Neuzugängen der Graphischen Sammlung des Städels
präsentiert. Für die Werke,
die in den letzten sechs Jahren erworben wurden, hatte man über
600.000 Euro
investiert, die fast ausschließlich von privaten Spendern und
Stiftungen
zusammenkamen. Betritt
man in
den Ausstellungsraum der Grafischen Sammlung im Städel wird man
sogleich von
einem poppig bunten Goethe-Kopf begrüßt. Der Siebdruck von
Andy Warhol ist das
erste, was man zu sehen bekommt und frei nach Goethe beginnt damit der
Rundgang
der „Wahlverwandtschaften.“ Dieser
Goethe-Kopf ging auf einen Auftrag Surhrkamp-Verlag zurück. Andy
Warhol war
1981 extra ins Städel gekommen, um sich das Originalgemälde
von Tischbein
anzuschauen, nach dessen Vorlage der Siebdruck entstehen sollte. Und
wie der
Zufall es will, war FAZ-Fotografin Barbara Klemm ebenfalls im Haus.
Resultat
der Begegnung ist ein Foto der Fotografin: Warhol, stehend von
Tischbein-Gemälde; die Fotografie dokumentiert zufällig die
Entstehungsgeschichte des Goethe-Siebdruckes. Die
Schwarz-Weiß-Fotografie hängt
neben zwei weiteren Neuerwerbungen von Barbara Klemm ebenfalls in der
Ausstellung, dem Warhol schräg gegenüber. Die Verwandtschaft
hier ist offensichtlich.
Im Verlauf der Ausstellung werden die verwandtschaftlichen
Verhältnisse, also
die Zusammenstellung der Kunstwerke, aber noch viel freier. Zum einen
da die
Neuerwerbungen mit Kunstwerken aus dem bestehenden Städel-Bestand
kombiniert
sind und zum anderen sind die thematischen Zusammenhänge stark
assoziativ, aber
nicht uninteressant, gewählt. Da gibt es Themengruppen zu
Obst-Stilleben, Adam
und Eva, Figuration, Natur oder Konzeptueller Grafik. Ob
alt oder neu, die Spannweite der Ausstellung ist groß und vereint
grafische
Positionen über die Jahrhunderte hinweg: Maria Sibylla Merian,
Rembrandt,
Claude Lorrain, James Turrell, Blinky Palermo, Roy Lichtenstein, Ernst
Ludwig
Kirchner, Barnett Newman, Bruce Nauman, Eugène Delacroix,
Albrecht Dürer, Barbara
Klemm, Andy Warhol und Max Beckmann. Von Beckmann hängen übrigens insgesamt drei Neuerwerbungen in der Galerie, wie schon erwähnt, auch das Porträt von Marie Swarzenski. Max Beckmann hatte das Porträt im Jahr 1927 in Frankfurt gezeichnet. Es stellt die Ehefrau des langjährigen Städel-Leiters Georg Swarzenski dar. Ebenso wie Beckmann selbst, war das Ehepaar Swarzenski während des zweiten Weltkrieges in die USA emigriert. In Deutschland wurden die meisten Bilder von Beckmann ab 1937 als "entartete Kunst" diffamiert. Die Pastell-Zeichnung hatte sich bisher im Familienbesitz in den USA befunden. Nun hat der Sohn der Dargestellten, Wolfgang Swarzenski, dem Städel das Bild geschenkt. „Wahlverwandtschaften“
wird bis 16. Mai 2005 in der Graphischen Sammlung des Städels
ausgestellt sein,
Schaumainkai 63, Frankfurt. Öffnungszeiten: Di, Fr-So 10-19 Uhr,
Mi-Do 10-21
Uhr und Mo geschlossen.
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| The Unfinished Print Manchmal liegt im Unfertigen,
dem Zustand kurz vor der Vollendung, der größte Reiz. In
einer Ausstellung von Meisterwerken unvollendeter Druckgrafiken zeigt
das Städelsche Kunstinstitut gemeinsam mit der Washingtoner
National Gallery of Art die Ausstellung "The Unfinished Print". Der
englische Titel verweist darauf, dass die Ausstellung zuvor schon in
Washington gezeigt wurde, die Kunstwerke aus sechs Jahrhunderten
illustrieren hingegen westeuropäische Kunstgeschichte. Eine
Auswahl an Arbeiten, die sowohl historisch als auch ästhetisch
viel zu bieten hat.
Chronologisch beginnt man den Rundgang durch die abgedunkelten Räumlichkeiten der Grafikabteilung. In den kurzen Texten an den Wänden zeigt sich schnell, hier wird wohl eine zeitliche Linearität gewahrt, aber gar nicht erst versucht sechs Jahrhunderte Kunstgeschichte abbilden zu wollen. Einzelne exemplarische Erläuterungen bringen Licht ins Dunkel, beleuchten Hintergründe zu den ausgestellten Druckgrafiken. Es beginnt grundlegend mit der "Radierung". Hier sind vier Radierungen ausgestellt, die den Moment des Abbruchs am Werk dokumentieren. Einige Bereiche sind schon fertig ausgeformt, andere Bereiche des Papiers bleiben jungfräulich Weiß, der Künstler hat aufgegeben. Wahrscheinlich werden weitere Zustände folgen, deren Ergebnis den gewünschten Erfolg versprechen. So beugen sich Maria und die Hirten auf der Radierung von Hendrick Goltzius ("Anbetung der Hirten, 1598/1600) in den leeren Raum, so hell die Kerze in der Hand des Hirten leuchten mag, dort wo eigentlich das Jesuskind liegen müsste, ist nun Weiß, ein Negativ-Raum, ein Nichts. Es folgt "Rembrandt", die Radierungen zeigen hier eher den Moment des Ausprobierens. Wie weit kann man die Druckplatte mit Kaltnadel bearbeiten und wann ist es schon ein Zuviel, welches das Bild ruiniert? Oder: Welcher der Zustände ist der Beste? Die drei Versionen Rembrandts "Die drei Kreuze" von 1653 zeigen die Kreuzigungsszenerie im harten, nebligen und düsteren Licht. Im hinteren Bereich der Ausstellung werden Grafiken zu dem Thema "Radierte Probedrucke des französischen Rokoko" und "Piranesi und das gefundene Fragment" gezeigt. Spannend sind auch die Werke von Charles Meyron und Vicomte Lodovic Napoléon Lepic. Mit jeweils drei Blättern gehören sie schon zu dem Themenbereich "Paris im 19. Jahrhundert". Bei den Blättern wird von einer Ausgangsplatte ausgegangen, doch mit Farbe, die direkt auf die Platte aufgetragen ist, werden die radierten Hintergründe zu Unikaten gedruckt. So zeigen sich beim Blick auf das Meer bei Lepic jeweils unterschiedliche Szenerien im Vordergrund, die auch die entsprechenden Titel tragen: "Bewegter Himmel", Brennende Mühle" und "Weiden und Pappeln", obwohl jedes Mal die gleiche Platte gedruckt wird. Insgesamt etwa 80 Variationen fertigt Lepic 1870/76 an. Bei Meryon kommt noch der Aspekt hinzu, dass er sich in psychischer Behandlung in einer Anstalt befindet und die unterschiedlichen Variationen zutiefst emotional belegt sind, den eigenen Gesundheitszustand spiegeln. Der Blick auf die Brücke über der Seine, treffend "Le Pont au Change" genannt, zeigt von 1854-1861, mal Vögel, mal Heißluftballons, dann beides gemeinsam zu dem Ursprungsmotiv hinzugefügt. Der letzte Bereich ist der "Moderne" zugeteilt. Dort begegnet uns Rodin, Manet oder Degas, hier mit drei Versionen von "Mary Cassatt im Louvre" oder gar vier Versionen der selbst im unfertigen Zustand wunderbaren "Madonna" von Edvard Munch. |
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Maria Lassnig
Maria Lassnigs großes Thema ist die Darstellung von Körpergefühlen. Dabei gerät sie selbst in das Zentrum ihrer Malerei und widerlegt damit das viel behauptete Verschwinden des Körpers in der modernen Kunst. Die Österreicherin blickt auf eine 60-jährige künstlerische Tätigkeit zurück, die sie nach Paris und New York brachte. In diesem Jahr wurde ihr im Städelmuseum der Frankfurter Max Beckmann Preis verliehen und nun hängen dort zwanzig ihrer Gemälde. Bescheiden bemerkt Maria Lassnig, dass sie sich früher nicht hätte vorstellen können, dass ihre Bilder irgendwann so nah an den Alten Meistern ausgestellt würden. Doch die kleine Ausstellung ist genau dort im Eingangsbereich des 2. Stocks der Gemäldegalerie platziert, von ihr führt es in die Räume der Niederländer, zu den alten Deutschen Meistern oder den Meisterwerken der italienischen Renaissance. An Maria Lassings Bildern muss dazu jeder vorbei. Und das ist gut so. Sitzt man in dem Rotundensaal, um sich herum nur Lassnigs Malereien, so sieht man, wenn der Blick Richtung Treppenhaus geht, ein Ausschnitt von Max Beckmanns “Stillleben mit Saxophon” von 1926, welches ja in der Galerie im Erdgeschosses hängt. Geht der Blick hoch ins Treppenhaus in Höhe des 2. Stockes hängt darüber ein Bild Lassnigs Und dann freut man sich, dass ihr der Max Beckmann-Preis zukam, denn so gut passen diese Bilder zusammen, von Farbe und Form, auch wenn niemals intendiert war, diese zusammen zu sehen. Die Bilder dieser Ausstellung sind aus den 90er Jahren und reichen bis in die 2000er hinein. Der Frauenkörper wird meist ohne Haupthaar dargestellt, der Fokus ist auf den Gesichtsausdruck gerichtet. Der Körper ist gealtert, schlaff hängt das Fleisch, teilweise verzerrt zu deformierten Formen. Maria Lassnig betont, sie stelle ausschließlich Körperempfindungen und keine Emotionen dar. Die Farbpalette, die sich stark aus Grün- und Rottönen zusammensetzt, meist auf weißen Untergrund gesetzt, gibt die Intensität einzelner Körperregionen wieder. Das Pink der Wangen stellt Wärmefelder dar, das Grün auf der Stirn belegt die Kühle der Körperstelle. In vielen ihrer schillernden Bilder tritt sie zusammen mit Tieren, mit Menschen, mit Gegenständen des Alltags auf. Sie umarmt einen Affen, ein Vöglein hockt auf ihrem Knie, sie hält ein Meerschweinchen auf der Hand, ein Froschkönig sitzt auf ihrem Schoss. Maria Lassnig schaut nie direkt aus dem Bild, doch die schwarzen Knopfaugen der Tieren fixieren den Blick des Betrachters. Während die Tiere durchwegs naturalistisch gemalt sind, ist sie als Mensch teilweise bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Mitunter nimmt sie, andeutungsweise auf einzelne Körperteile reduziert, geradezu groteske Züge an. Seit Mitte der 60er Jahre fließen autobiografische Elemente in ihr Werk ein. Das Gespür der heute über 80jährigen Malerin für die Wirkung von Farben war und ist sehr sicher. Sie meidet das plakativ Grelle, hält den Betrachter mit einer kühlen Buntheit auf Distanz. Sie konzentriert sich auf das einzig Reale: Die Empfindung des eigenen Körpers. |
| Hermann
Nitsch: Utopien auf Papier Hermann
Nitsch ist bekannt als Künstler, der junge Frauen oder Männer
mit verbundenen Augen an ein Holzkreuz band und dann abwechselnd
Schweineblut, Eigelb und Wasser über sie goss. Ursprünglich
kam Nitsch von der Grafik, da er die grafische Lehr- und
Versuchsanstalt in Wien absolviert hatte. Er entwickelte seit dem Jahr
1958 seine Idee vom "Orgien Mysterien Theater", einem Gesamtkunstwerk,
das alle Sinne beansprucht. Seit 1971 fanden diese Veranstaltungen in
dem von Nitsch erworbenen Schloss Prinzendorf in Niederösterreich
statt. Einer der Höhepunkt war gewiss das "Sechs-Tage-Spiels",
welches er vor fünf Jahren mit mehr als 250 Akteuren und 180
Musikern mit größtem Materialaufwand realisierte. Auch jetzt
im August wird ein weiteres „Orgien-Mysterien-Theater“ über drei
Tage hinweg im Schloß Prinzendorf veranstaltet. Dies beweist,
dass Nitsch vielleicht als Städelschul-Professor erimitiert, aber
als Künstler noch lange nicht in Rente gegangen ist.
Seine blutigen Theateraktionen
mögen Hermann Nitsch bekannt gemacht haben,doch sein
zeichnerisches Werk kennen nur wenige. In der jetzt im Frankfurter
Städel gezeigten Ausstellung „Utopien auf Papier“ steht genau
dieses unbekannte grafische Werk Nitschs im Vordergrund. Rund 80
Zeichnungen, Lithografien und Gemälde des 65-jährigen werden
gezeigt. Papier und Skizzenblock waren beständig Teil der Planung
der blutigen Aktionen. Es entstanden präzise Grundrisse, Skizzen
und Materiallisten. Diese Pläne bekommen immer mehr
Eigenständigkeit bis hin zu den überschneidenden
Körper-/Raumplänen. Irgendwann muss Hermann Nitsch
aufgefallen sein, dass die Innereien der Körperhöhle einem
Bauplan ähneln. Gänge, Nischen, Räume: Der Bauplan des
Körpers. Und das schlägt sich nieder auf
Din-A-4-Blättern, oft mit Kugelschreiber ausgeführt, die der
Künstler dann zu immer größeren Bildern
zusammenfügt.
Man
kann ebenso nachvollziehen, wie sich der junge Nitsch von der Grafik
wegentwickelte. Als 19-Jähriger kopierte er gekonnt Rembrandts
berühmtes „Hundertguldenblatt“ – , auch wenn die Radierung
kontrastreicher und gestisch intensiver, nicht so harmonisch pastos
ausfällt, wie beim großen Meister. Später wird er eine
Fassung anfertigen, bei der das Motiv (ähnlich wie bei Arnulf
Rainers Passfotoserien) mit schwarzer Farbe überkleckst wird. Der
Ausweg aus der traditionellen Darstellung der christlichen Ikonografie
wird ihn bald nicht mehr nur Papier, sondern Menschen mit „Farbe“
übergießen lassen, mit Blut und Wasser. Davon zeugen in der
Ausstellung an der hinteren Wand eine großflächige
Fotodokumentation des „Orgien-Mysterien-Theater“, sowie
Videomitschnitte im Nebenraum. Nach Thomas Bayrle ist Hermann Nitsch
der zweite Städelschullehrer, der seine Werke im Nachbarmuseum
präsentiert.
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Lebenskampf im Bilderrausch
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Mit freier Hand
Deutsche Zeichnung von Barock zur Romantik Wem es draußen zu heiß ist, der kann nun im Städelmuseum im Kühlen grüne Landschaften durchwandern, entlang der Ausstellung “Mit freier Hand” – Deutsche Zeichnungen vom Barock bis zur Romantik aus der Graphischen Sammlung. Der Weg durch die Ausstellung kann einerseits geografisch durchgangen werden, angefangen mit Barockzeichnung aus dem Südendeutschen, dann folgen in loser zeitlicher Folge geografische Themenblöcke wie Dresden, Berlin, Weimar, Schweiz, gleich zweimal Rom und zum Schluss der Norden. Man kann den Rundgang aber auch epochal anlegen oder anhand des Wandels der Funktion von Zeichnung. Denn aus dem umfangreichen Bestand der Sammlung an Zeichnungen des deutschen Spätbarock, Rokoko, Klassizismus und der Frühromantik zeigt die Ausstellung eine hochwertige Auswahl. Diese umfasst zum Beispiel Funktionen des Gezeichneten als Altar- und religiöse Freskenentwürfe, Landschaftsstudien, autonome bildhafte Kompositionen und private Skizzen. Die Reihe der 45 ausgestellten Künstler reicht von Cosmas Damian Asam, Angelika Kaufmann bis Peter Cornelius und Caspar David Friedrich. Gezeigt sind dabei nur 5 Prozent der im Städel befindlichen Blätter, das heißt bei 131 Ausstellungsexponaten, dass es bei einem Gesamtbestand von etwa 2000 Arbeiten auch noch für zukünftige Ausstellung viel Neues zu entdecken bleibt. Die überwiegende Zahl der jetzt gezeigten Exponate war seit Jahren nicht mehr zu sehen. Vieles davon wurde einst unter dem Stiftervater Städel (1728-1816) angekauft. Meist waren es Künstler der damaligen Gegenwartskunst, sie zeigen so den originären Kunstgeschmack der Zeit. Anders ist es so mit der Füssli-Studie “Handschuhe“, die erst 1992 angekauft wurde. Sie hängt nun neben den Landschaftszeichnungen aus dem Schwerpunkt “Schweiz”, fällt aber als Körperstudie aus der Hängung heraus. In der Ausstellung selbst gibt es durchaus auch weitere Körperstudien oder Gesellschaftsstudien, so z.B. mit den kleinen feinen Zeichnungen von 1760/61 des Daniel Nikolaus Chodowieckis. Sie zeigen Frauen, wunderschön sind die Faltenwürfe der Kleider herausgearbeitet. Doch im Ganzen fällt auf, dass es immer wieder die Landschaften sind, die Zeichner festzuhalten versuchten, ob die heimatlichen Regionen und die ferne Landschaften Italiens und der Schweiz, die sich auf den Reiseskizzen zeigen. Über der Landschaft immer das Blau des Himmels und die Wolkenberge, die sich auftürmen. So könnte auch einen Rundgang entlang der luftigen Wolkenbildungen unternommen werden, dazu lädt fast auch der hellblaue Ton der Ausstellungsarchitektur ein, der immer wieder die Himmel in ihre Wirkung verstärkt und den Besuchern von kühlen Brisen träumen lässt. |
| Wendepunkte
deutscher Zeichenkunst- Spätgotik und Renaissance im Städel Zwei Damen, eine
Nürnbergerin
und eine Venezianerin, geleiten in die Ausstellung „Wendepunkte
deutscher Zeichenkunst- Spätgotik und Renaissance im Städel„.
Zu finden sind sie auf einer Grafik von Albrecht Dürer von 1504.
Die Nürnbergerin, zierlich
in ihrem geschnürten mittelalterlichen Wams, gebauschten
faltenreichen
Rock, noch ganz die süddeutsche Spätgotik
repräsentierend.
Groß und würdevoll daneben die Venezianerin, mit hoch unter
dem
Busen angesetzten gerade herunterfallendem Rock. Die italienische
Renaissance
nimmt ihren Einzug.
(OP,
12/2003)Hier wird wunderbar der Grundgedanke der Ausstellung der Graphischen Sammlung verdeutlicht. Gezeigt werden über 100 Meisterzeichnungen aus eigenem Besitz, die zwischen 1410/20 und 1550 entstanden sind. Nahezu alle großen Meister vom weichen Stil des frühen 15. Jahrhunderts bis zur manieristisch geprägten Renaissance sind vertreten, so auch Martin Schongauer, Albrecht Dürer, Hans Baldung Grien und Hans Holbein d. J. Die Ausstellung beginnt mit der Frühzeit der Zeichenkunst. Die Blätter aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts gehören schon aufgrund ihrer Seltenheit zu den besonders beachtenswerten Stücken. Meist stammen sie von namentlich unbekannten spätgotischen Meistern. Die älteste Grafik zeigt die Darstellung der Hl. Barbara von 1410/20, die noch ganz in der Tradition der Spätgotik den S-Körperschwung das faltenreiche Gewand des schönen Stils aufweist. Diese typisch opulenten Faltenwürfe kann man an weiteren Übungsblättern studieren. Vieles was aus dieser Zeit an Zeichnung erhalten ist sind Vorskizzen. Diese Zeichnungen waren wertvolles Werkstattkapital, denn sie fungierten als Musterblätter – Vorlagen – nach denen meist religiöse Gemälde geschaffen wurden. Wunderschön darunter ist ein schwarzes Musterblatt, auf dem mit weißer Tinte Zeichnungen von Greifen, Adlern, Löwen, Einhörnern und einem Hirsch jagenden Wilden Mann zu sehen ist. Eine Miniaturarbeit, dicht besetzt und reich an mittelalterlichen Figurationen. Mit der Renaissance ändern sich Charakter und Position der Zeichnung: Das Themenspektrum erweitert sich: Das Porträt wird wichtig, antike und allegorische Sujets kommen zur Darstellung, die Landschaft wird bildwürdig. Zu Beginn der italienischen Frührenaissance stehen die nördlichen Länder Europas jedoch noch unter dem Einfluss der Spätgotik. Die künstlerischen Neuerungen aus Italien werden nur zögernd übernommen. Mit dem Maler, Zeichner und Kupferstecher Albrecht Dürer erreicht die deutsche Renaissancekunst den Anschluss an das italienische Vorbild. Dürer unternimmt ausgedehnte Reisen nach Italien. Von ihm bewahrt das Städel nicht weniger als 13 Blätter, diese stehen im Zentrum der Ausstellung. Sie stammen aus allen Werkphasen und behandeln Porträt, Figuren- und Proportionsstudien, religiösen Darstellungen und Aktkompositionen. Mit "Adam und Eva" (1504) ist sogar ein erster Höhepunkt aus Dürers Schaffen ausgestellt. Das Werk spiegelt seine intensive Auseinandersetzung mit den von den Renaissancekünstlern entwickelten Gesetzen der Perspektive und der Proportionslehre. Adam und Eva, im Moment vor dem Sündenfall, sind nicht nur moralisch, sondern auch zeichnerisch als Idealbild des Menschen dargestellt. |
| Zusammenhang
- Die Malerei des 19.
und 20. Jahrhunderts (Nov.2003) Für „"Nackt!
Frauenansichten,
Malerabsichten, Aufbruch zur Moderne" hatte das Städel die
Räume des 19. Und 20. Jahrhunderts freigeräumt. In einem ganz
neuem Farbkonzept, auf leuchtend strahlenden Wänden
präsentieren sich nun dort die Akte der aktuellen
Sonderausstellung. Doch wohin mit den Werken, die bis dahin dort
hingen? Ins Depot? Nein, viel besser war die Lösung. Zu einem
überraschend einfachen Clou hatte sich das Städel
entschlossen. Da nun die Sonderausstellung ins Haupthaus gezogen war,
stand ja der Anbau der Ausstellungshalle leer, dorthin wurden nun die
Werke des 19. und 20. Jahrhundert umgesiedelt.
Wenn schon neu, dann richtig, so wurde die zeitliche Präsentation aufgebrochen und genauso farbig und leuchtend wie in „Nackt!“ wurden die Stammwerke der Romantik, der Impressionisten, der Expressionisten, der modernen und postmodernen Kunst zu thematischen Gruppen gehängt. Lauter kleine Themenblöcke: „Musik!“, „Krieg!“, „Kinder!“, „Essen!“, „Wald!“, „Wasser!“, „Berge!“. Diese wurden nun mit Werke aus den Depot ergänzt, womit sich vollkommen neuen Zusammhänge ergaben. „Zusammenhang“ heißt dann auch der Titel der gekonnten Umhängerei. Mehr als 230 Gemälde umfasst diese Gemeinschaft aus Galerie- und Depotbestand, die das Ausstellungshaus füllt, aber auch die Sammlung der Alten Meister mit neuen Zusammenhängen beglückt. Der Meister des Paradiesgärtlein begegnet hier Max Ernst, Barthel Beham trifft Otto Dix, Rembrandt und Max Liebermann. Die „Waldbilder“, angefangen bei Beuys Eichen (anlässlich der Documenta 7) bis hin zu Carl Friedrichs Lessings romantisierender tausendjähriger Eiche, hängen auf strahlendem Gelb. Nur ein paar Schritte weiter, beim Themenblock „Wasser“ wandelt sich die Wandcoloration zum Hellgrün, die folgenden Bergpanoramen hängen auf Hellblau und hinten in der Halle leuchtet es Dunkelblau mit verschiedenen Landschaften bestückt. Immer wieder finden sich die Farben der knalligen Hintergründe auch im Bild wieder, stärken damit das Bild als Einzelwerk. Das ist nötig, denn die thematische Hängung verführt zum Vergleichen, ebenso zum Relativieren. Mit welchen Materialien arbeiteten die Künstler zu welcher Zeit, ähneln sich die Motive, erkennt man Traditionen oder Brüche? Lustvoll sind die Themenblöcke zusammengestellt. Gehängt wurde, was gefällt. Weg vom chronologischen Kunstwanderweg, hin zur Neuentdeckung der Bilder. So manches im Depot verborgene oder in der Dauerausstellung ungeliebte Bild erstrahlt hier ganz neu. Entdeckungen sind zu machen, wovon gerade viele deutsche Gemälde des 19. Jahrhunderts profitieren. Spannende Vergleiche bei einer Frankfurter Stadtansicht. So hängt das expressive Bild Max Beckmanns (mit Blick von Sachsenhausen auf Main und Dom) direkt neben einer Stadtansicht mit ähnlichen Blick, kein anderer als der französische Realist Gustave Courbet hatte diese etwa 70 Jahre zuvor angefertigt. Geht man dann in die Abteilung der Alten Meister, um die neuen Zusammenhänge auch dort zu überprüfen, ist man fast überrascht, wie dunkel die Räume plötzlich wirken. Nach all dem Farbenspiel, muss man sich an die gedämpfte Atmosphäre erst gewöhnen, obwohl doch die Abteilung der Alten Meister selbst erst vor wenigen Jahren renoviert und farblich neu konzipiert worden war. Doch im Februar wenn alles wieder an seinen angestammten Platz zurückkommt, wird sich auch dieser Eindruck wieder legen, all die farbig-neuen Raumkonzepte kommen weg und zurück kommt das gute alte Städel, wie man es von jeher kennt. |
| Nackt!
Frauenansichten. Malerabsichten.
Aufbruch zur Moderne. Groß, von weitem gut zu
sehen, hängt es schon den ganzen September an der Fassade des
Städelschen Kunstinstituts. Dieses neue Ausstellungsplakat, auf
dem groß und üppig eine weibliche Brust zu sehen ist.
Darüber liegt der Ausstellungstitel: “Nackt!”. Als würde das
Bild nicht schon für sich selbst sprechen. Dezent ist das nicht.
Aber dezent ist auch weiterhin so rein gar nichts
in dieser Ausstellung, in der 80 Exponate aus dem Zeitraum von 1532 bis
1940 gezeigt werden, mit Schwerpunkt auf die Malerei ab 1880. Weder die
Plakate sind dezent, noch die Ausstellungsarchitektur, noch die
einleitenden
Worte vom Museumsleiter Dr. Herbert Beck. Obwohl doch die Kuratorin Dr.
Sabine Schulze, sich so bemüht hatte, genau diese “falschen”
Assoziationen
(Der männliche Blick / Pornografie / Wo sind vergleichbare
Männerakte?)
zum Thema “Nackt!” auszublenden oder rhetorisch zu überspielen.
Ein Umdenken hat eingesetzt und eine Ausstellung wie “Nackt!” illustriert dies: Der weibliche nackte Körper steht nun nicht mehr allein als Sinnbild für Männerfantasien, der visuellen Ausbeutung der weiblichen Nacktheit, sondern der Fokus geht nun bewusst auf die Präsentation eines Aktes von würdevollen, stolzen Frauen, die selbstbewusst mit ihren Körper umgehen. Natürlich kann man eine voyeuristische Lust oder Erotik vielen dieser Bildern nicht absprechen, aber gerade so, wie sie in Kombination zueinander gehängt sind, in dieser beispielhaft unbeschwerten Ausstellungsarchitektur, ist es eine Freude entlang dieser Akte zu wandeln und alle feministisch geprägten Bedenken hinter sich zu lassen. Schlicht: Die Bilder genießen, denn die Lust am Bild wird hier geweckt. Ausgangspunkt waren zwei Bilder. Ludwig Kirchners lebensgroßer Frauenakt von 1910 und Lucas Cranachs etwa 400 Jahre ältere Venus. Kirchner selbst bezog sich auf Cranachs Venus als Vorbild für das Aktbild seiner Lebensgefährtin Doris Große. Doch als diese Werke, perfekt für eine kleine Kabinettausstellung, erstmals nebeneinander hingen, wurde schnell klar, dass zwischen diesen Werken doch eine ganze Menge passiert ist. Dieses Dazwischen ist nun gefüllt mit Arbeiten von Renoir, Rodin, Marc, Schiele, Degas, Cezanne, Picasso, Dix. Es zeigt weniger Künstlerinnen, aber immerhin sind ein Selbstporträt von Paula Modersohn-Becker, ein Aktbild der Klimt-Schülerin Broncia Koller und ein Halbakt der Malerin Gwen John zu sehen. Ergänzt sind die Malereien, Zeichnungen und Skulpturen durch zeitgenössische Positionen, die in den zwei Außenräumen der Ausstellungen, positioniert sind. Die Fotografie eines entlang der Wirbelsäule vernarbten Frauenkörpers (“Every One #14“, 1994) von Sophie Ristelhueber und die Videoinstallation von Katarzyna Kozyra (“Badehaus“, 1997) die in einen Budapester Dampfbad Frauen filmte, was natürlich an das Gemäld Ingres (“Odalisken”) erinnert. Die Räume selbst stechen farblich heraus. Es ist ein grelles Rot, ein türkises Grün und ein Fliederton, in deren Mitte unterteilen hellgraue Stellwände den Raum in kleinere Einheiten. Seitlich gibt es neben zwei Räumen zum Katalog lesen und mit Videos, noch zwei kapellenartige Räume, die allesamt im schönsten Grasgrün (zusätzlich mit hellgrünen Teppich) eine solch giftigen Kontrast zu den anderen Räumen bilden, dass man aus dem Staunen kaum herauskommt. Wie gesagt dezent ist das nicht. Doch diese schrägen Farbkompositionen lassen die Farben der Bilder leuchten, machen sie frisch und lebendig und kontrastieren die diversen Töne der Haut der Frauenakte auf das vortrefflichste. |
| Laura
Padgett: “Conversation pieces” Sie
kennt das Museum. Sie kennt es
sogar sehr gut. Laura Padgett gibt seit Jahren kunsthistorische
Führungen
im Städelmuseum. Und dort, wo normalerweise barocke Malerei
hängt, hängen nun ihre eigenen Arbeiten. Fotografien von
barocken Porzellanfiguren. Die passen natürlich wunderbar an
diesen Platz. Zwei schmale Räume sind der Ausstellung
“Conversation Pieces” eingeräumt. Allesamt Fotoarbeiten, die
während eines Stipendienaufenthalts der hessischen Kulturstiftung
in London entstanden sind.
Die
Miniaturen stammen aus dem
Victoria & Albert Museum. Der nächste Raum, nur ein paar
Stufen hoch, zeugt davon, dass dieses nicht die einzigste
Kulturinstitution gewesen war, die einen Besuch lohnte. Denn die nun
eher kleinformatigen Fotoarbeiten, Schwarz-Weiß-Fotografien auf
Barytpapier, zeigen das Sir Johns Sloane’s Museum in London. Beide
Institutionen sind unterschiedlich präsentiert. Während Laura
Padegett im V&A Museum digital fotografierte, die Ergebnisse
hängen
auf einer mintfarbenen Wand (was für das Städel
äußert
unkonventionell ist), sind die Fotografien des Sloane’s Museum analog
fotografiert
und hängen gediegen an dunkelroten Wänden. Eine Ecke im
mintenen
Raum blieb weiß, dort hängen großzügig aufs
Papier
gesetzt schwarz-weiße Video-Stills. Die Computerausdrucke zeigen
nun keine toten Exponate, sondern Kinder, welche ausgelassen durch
Wasserfontänen
springen. Selbstvergessenes Spielen im öffentlichen Raum. Dies
deutet
nicht mehr auf die Kunsthistorikerin, sondern auf die Künstlerin,
die sie ja auch ist. Nach einem Studium in New York und an der
Städelschule,
war sie Dozentin für Fotografie an der Hochschule für
Gestaltung.
Erst danach setzte sie ihren Abschluss in Kunstgeschichte nach und
lehrt
seitdem immer wieder an verschiedenen Universitäten.
Wenn
man das weiß, ist es
schwierig sich von diesem Hintergrundwissen zu trennen und nur die
Arbeiten für sich selbst sprechen zu lassen. Das können diese
natürlich,
ohne Frage. Aber sieht man die grobe Auflösung der
Miniatur-Fotografien, bei denen die Details (denn es sind stets
Details, die sie zum Motiv erwählt hat) schon sehr viel
malerisches haben, dann nickt man nur verstehend mit dem Kopf, wenn
Laura Padgett erklärt, dass sie ursprünglich aus der Malerei
kommt. Die Ausschnitte sind so gewählt, dass man auf Gestik, die
Körpersprache, die Dinge, die in den Händen liegen oder das
Muster der Kleider fokussiert ist. Padgett befreit die etwa 10 cm
großen Figuren von ihrem Maß. Der Fotografie spürt man
die “Miniatur” nicht mehr an. Es könnten Skulpturen sein. Sie sind
so fein gearbeitet, dass sie auch in der Vergrößerung der
Fotografie wirken und
funktionieren. Auffallend sind die Farben. Sie leben, sind vital, vom
Magenta,
vom Cyan und vom Weiß des Porzellans. Und dies wird durch das
Mint
der Wand extrem gesteigert.
Anders die Wirkung der
Schwarz-Weiß-Fotografien des Sloane-Hauses. Die kleinen
Räume des Hauses, in denen die Privatsammlung des betuchten Sir
John Sloane bis heute original erhalten ist, sind voller
Sammlungsobjekte, die an den Wänden hängen, alten
Büchern in schweren Glasvitrinen, dunkles englisches Mobiliar.
Für dieses
Haus wählte sie Blicke durch Türfluchten, durch Vitrinen
hindurch,
nach oben an die Wand fotografiert, auf der ein runder Spiegel den
Blick
auf den rückliegenden Raum preisgibt. Immer wieder ein Bild im
Bild.
Rahmungen durch Vitrinen, Türen und immer wieder Spiegel, die den
Blick
in den Raum öffnen. Fast ein geheimer, kindlicher versteckter
Blick,
welcher in eine verbotene Welt voller Mysterien führt.
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| Rembrandt
Rembrandt - Die Radierungen “Jetzt
kommt Rembrandt zu
Rembrandt”, erklärt Herbert Beck, Leiter des Städels,
augenzwinkernd den
Titel, der zur Zeit erfolgreich laufenden Rembrandt-Ausstellung.
Über
80.000 Besucher kann man sich bis dato freuen. Mit dem zweiten
“Rembrandt”
(jetzt ist das Geheimnis gelüftet) ist die zweite zum
Künstler
gerade eröffnete Ausstellung im Haus gemeint. Um die Radierungen
Rembrandts, die im Besitz des Hauses sind, dreht es sich im Trakt der
Graphischen Sammlung. Da das Haus alle wichtigen Blätter habe und
sonst auch fast Vollständigkeit in den Arbeiten vorweisen kann,
zumindest, was die Radierungen angeht,
ist es eine eindrucksvolle Präsentation geworden. Man kann
chronologisch die Ausformung von Rembrandts Schaffen verfolgen.
Dabei sind die 70 ausgewählten Radierungen (insgesamt besitzt das Städel 340 Blätter, manches sogar in verschiedenen Zuständen) um zwei Zeichnungen ergänzt. Ebenso um 10 weitere Radierungen anderer Künstler, darunter beispielsweise Dürer. Rembrandt, selbst Sammler, hatte eine umfangreiche eigene Grafik-Sammlung und an vielen der Bildmotive der Vorgänger maß er sich, gleich eines Künstlerwettstreites, was man im direkten Vergleich der Blätter schön nachvollziehen kann. Wie kaum ein anderer Künstler war er in der Lage lediglich mit dem in die Kupferplatte geätzten Strich grafische Blätter von eindrucksvoller Dichte und räumlicher Tiefe zu schaffen. Die Aquatinta war zu seiner Zeit noch nicht bekannt. Er hat virtuos in der Radierung gearbeitet - von den mit nur wenigen Strichen gezeichneten Figuren bis zu den feinsten Schraffuren, die jeden Gegenstand in seiner Materialität erfassen, und deren tiefste Schwärzen nur am Original zu sehen sind. Gerade in den dunkel gehalten Blättern, die verschiedene Schwarztönen zeigen, findet sich viel malerisches. Er arbeitet fein die Farbnuancen heraus, setzt gekonnt Lichter oder Reflektionen, um dramatische Effekte zu erzielen. Die Bildmotive sind größtenteils religiös geprägt, ebenso Portraits, natürlich sind auch Selbstportraits darunter, aber auch Landschaft und in seinen späten Jahren Frauenakte, wie ein sinnliches Aufbegehren gegen den eigenen körperlichen Verfall. Mangelhafte Geschäftsführung und aufwendiger Lebensstil, vor allem seine Sammelleidenschaft, führten Rembrandt 1656 zum wirtschaftlichen Ruin; Habe und Haus wurden im Konkursverfahren versteigert. Rembrandts
grafisches Werk steht
hinsichtlich des Umfangs und der Qualität gleichberechtigt neben
den Gemälden. Selten war die Gelegenheit so günstig, beides,
Gemälde, sowie
Grafiken, so nah beieinander in Frankfurt ausgestellt zu sehen.
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| “Rembrandt-Rembrandt”
-
Malerei
Rembrandts Nur
einen Straßenzug
entfernt liegt die Rembrandtstrasse. Ins Städel Museum führt
sie nicht, doch wegen Rembrandt lohnt sich derzeit der Weg dorthin
allemal. Ab 1.
Februar wird dort die größte Rembrandt-Ausstellung gezeigt,
die
es seit 20 Jahren in Deutschland gab. Insgesamt 47 Gemälde sind
auf
zwei Etagen des Seitenflügels verteilt. Das Städel erwartet,
mit
dieser Schau, die einen chronologischen Überblick des Lebenswerks
zeigt,
an den Publikumserfolg (man erinnere sich: 180.000 Besucher) der
Van-Gogh-Ausstellung
anschließen zu können.
Doch anders als noch bei Van Gogh
sind fast ausschließlich Werke Rembrandts, von dessen
Anfängen um
1626 bis zu seinem Tod 1669, zu sehen. Dies unterscheidet sich
wohltuend
von einer zunehmenden Tendenz zu Werksausstellungen bekannter
Künstler, bei denen nur wenige Meisterwerke mit Bildern der
Schüler und druckgraphischen Werk gestreckt sind. Ein Gemälde
der Ausstellung ist erst jetzt Rembrandt zugeschrieben worden. Immer
wieder gibt es Änderungen um die Zuschreibungen, welcher Rembrandt
nun echt sei oder doch nur aus seiner Schule stamme.
Während es noch 1900 etwa 1000 echte Rembrandt gezählt
wurden,
schwand die Zahl bis 2000 auf ca. 240 Werke. Zurzeit wächst die
Zahl
der Originale wieder, wie der “Titus”, eine Leihgabe des Louvres
beweist.
Die
ganze Ausstellung gibt einen
hervorragenden Überblick über das Gesamtwerk des
Künstlers und ist die einzige Station in Europa im Anschluss an
das Kyoto Nationalmuseum, wo die Werke bis Januar gezeigt wurden. Dort
besuchten 300 000 Interessenten die vom
Städel und vom Kyoto National Museum gemeinsam organisierte
Präsentation.
In Deutschland sind zusätzliche Bilder zu sehen, mehr als in
Kyoto.
Das Frankfurter Museum besitzt schon drei Werke des Malers, die
Gemäldesammlung Alte Meister in Kassel steuerte sieben Werke bei.
Insgesamt 30 Leihgeber aus aller Welt schickten ihre Werke auf Reisen.
Rembrandt arbeitete als etablierter Historienmaler in Leiden und war ein begehrter Porträtmaler in Amsterdam. Er starb jedoch, vom Glück verlassen, verarmt. Die Genre der Bilder umspannen Historienbildern biblischer oder literarischer Thematik, mit einigen Landschaften und vor allem mit Porträts. Zu sehen sind unter anderem “Die Blendung Simsons” von 1636, welches das Städel bereits 1905 erwerben konnte oder auch “Saskia als Flora”. Die bekannten Selbstporträts des Malers kommen aus verschiedenen Museen von Kassel, über Liechtenstein und Leiden bis St. Petersburg. Die Ausstellung findet ihren Höhepunkt im letzten Raum des Obergeschosses. Zwei Bilder stehen dabei im Zentrum: das 1656 entstandene Gemälde "Jakob segnet die Söhne Josefs" aus der Kasseler Gemäldegalerie und die "Anatomie des Dr. Johan Deijman" aus demselben Jahr, heute im Amsterdamer Historischen Museum. Zwei drastische Pole, die Blutdramatik des Anatomiefragments und daneben die friedliche Jacobssegnung, spannend die Werke im Kontrast zu sehen. Die Räume sind abgedunkelt und Licht kommt von Spots aus der Höhe. Die Bilder hängen nicht an der Wand, sondern davor auf grauen Panelen, die einzige Farbe ist das changierende Braun und Kupfer des Linoleums. Es wird deutlich mit hell-dunkel Kontrast gearbeitet, die das Ziel haben, die einzelnen Bilder ins rechte Licht zu setzen, allerdings manchmal auf Kosten des Zusammenspiels der Werke untereinander. |
| art
meets nightlife Das Städel zu Gast im King Kamehameha Club In
Zeiten knapper Kassen
müssen sich die etablierten Kulturinstitutionen etwas einfallen
lassen. Dazu zählt nicht nur Anwerbung von Sponsoren, sondern auch
der Besucher der Zukunft
muss umworben werben, damit dieser die Angebote des Museums auch
wahrnimmt,
schließlich gibt es eine große Konkurrenz der
Unterhaltungs-
und Medienbranche, die den Musenstätten gerade das jüngere
Publikum
abwirbt.
Das
Städelsche Kunstmuseum
liegt im Trend der Zeit. Mit einer neuen Veranstaltungsreihe
verlässt das Museum seine gewohnte Heimstätte und begibt sich
auf das Parkett der Musikclubs, namentlich: “art meets nightlife- das
Städel zu Gast im
King Kamehameha Club“. Der King Kamehameha Club (kurz KingKa”) ist
einer
der populärsten Musikclubs, an Wochenenden auch Discothek, die es
derzeit
in Frankfurt gibt. So ganz neu ist das Konzept jedoch nicht, schon
öfter
gab es Kooperationen zwischen Museen und Clubs. Aber eine
Veranstaltungsreihe
zu konzipieren, bei der sich Club und Museum regelmäßig
gegenseitig
einladen, ist dann doch was Neues.
Das
Konzept scheint
vielversprechend, so wurden bei der Maecenas Sommernacht letztes Jahr
im August, bei der
der “KingKa” zu Gast im Städel war, an einem Abend 200 neue
Städel-Mitglieder geworben. Dies ist ein neues jüngeres
Publikum, für das jetzt aber auch Veranstaltungen geboten werden
müssen, wie z.B. die Reihen “Art after Work” oder der
“Städel-Club“.
Um
weiterhin Publikumsgruppen zu
erreichen, braucht man einen Ort, wo eine Stimmung entstehen kann, die
das Subversive mit der Hochkultur kombiniert und in eine Club-
Atmosphäre überführt. Dies ist vergleichbar mit einer
"Einflugschneise" in das Kulturangebot, ein "trojanisches Pferd" der
Hochkultur. Allerdings ist das Publikum – sowohl das jüngere als
auch das ältere – heute immer weniger bindungsbereit im Hinblick
auf Kulturangebote. Doch man hat den virtuellen Angeboten im Netz und
denen im Kino etwas voraus: Das Live- Erlebnis. Den Kontakt kann man
durchaus als Präsenz am "Point of Interest" pflegen, wie jetzt bei
den “art meets nightlife“-Abenden im “King Ka”.
Bei
freiem Eintritt ist das
Städel nun am 2. Mittwoch des Monats zu Gast im Club im Frankfurts
"wilden Osten". Ab April wird gewechselt und das Städel wird
dreimal Veranstaltungsort für den Musikclub. Das Programm
beinhaltet Live-Musik, Lichtbild-Installationen und multimedial
präsentierte Ausschnitte aus der Städel-Sammlung. Die
Atmosphäre in der alten Unions-Brauereihalle ist gediegen, ein
Club mit Cocktailbaratmosphäre. Stilvolles Ambiente, gemischtes
Publikum von „schick und schön“ bis zum intressierten Studenten.
Sehen und gesehen werden ist die Devise.
Das
“KingKa” ist seit seinem
Beginn
um den Jazz bemüht, der traditionell zu Frankfurt gehörte.
Nun
fand sich dieses Anliegen auch bei dem ersten Städelabend im
Januar
ein, mit Max Beckmann als Leitmotiv. Der Maler, der lange Zeit in
Frankfurt
lebte und arbeitete hatte ein Faible für den Jazz. So lag es nahe
seine
Arbeiten, wie das Bild “Stilleben mit Saxophonen” als Lichtbild zu
projizieren.
Bildmotive wurden eingeleuchtet auf Screens und Gazé-Stoffen,
die
von der Decke der Halle hingen, gepaart mit Beckmann-Zitaten zu Jazz.
Zusätzlich
wurde noch Live-Music geboten, den “Peng Peng Club- mit Oskar Canton”,
der
für die jazzige Musikbeschallung sorgte.
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| Zum 100.
Geburtstag von E. W.
Nay Der
Maler Ernst Wilhelm Nay
(1902-1968) gehört zu den bedeutenden deutschen Malern der Moderne
des 20. Jahrhunderts. Sein Werk trug maßgeblich zur Etablierung
der Moderne in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg bei. Doch zuvor
war seine Künstlerexistenz durch die Nationalsozialisten noch
zunehmend bedroht gewesen. 1937 belegte man ihn sogar mit Berufsverbot.
Im selben Jahr bereiste Nay einer Einladung Edvard Munchs folgend die
Lofoten. Der Aufenthalt wurde für Nay zum künstlerischen
Wendepunkt. Hier fand er zu seinem Stil, entfernte
sich allmählich vom Gegenständlich-Figurativen und wandte
sich
großflächigen Farbfeldern zu. "In den hellen Nächten
entstanden
aus den Fermaten der bergigen Meeresinseln die ersten
dynamisch-rhythmischen
Gestaltungen, die später - vom Gegenstand unabhängig - zum
geistigen
Hauptthema meiner Kunst werden sollten", notierte er 1961.
Nay
lebte nach dem Zweiten
Weltkrieg sechs Jahre lang in Hofheim im Taunus. Dort begann nach 1945
die eigentlich abstrakte Phase seiner Malerei, deren Höhepunkt die
so genannten "Scheibenbilder" sind. Sie begründeten seinen
internationalen Ruhm und bilden zugleich den eigentlichen Kern seines
Oeuvres. Die Grafischen Sammlungen des „Städels“ besitzen dank
persönlicher Kontakte zum Künstler zahlreiche seiner
Werke. Die "documenta" räumte ihm gleich dreimal - 1955,
1959 und 1964 - prominente Standorte ein. In Paris, London und New York
waren Ausstellungen seiner expressiven Werke zu sehen, und 1956 vertrat
er die Bundesrepublik
bei der Biennale von Venedig. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere -
während
der "documenta" 1964 - wurden freilich auch kritische Stimmen laut: Nay
sei
beliebig, dekorativ, simpel. Der Künstler reagierte verletzt,
malte
jedoch konsequent weiter. Doch auf die Euphorie folgte der Sturz, die
vierte
documenta lud ihn aus.
Diese
kleine Retrospektive mit
Zeichnungen und Drucken aus der Distanz von 34 Jahren nach dem Tod des
Künstlers gibt neue Einblicke auf das Werk von Ernst Wilhelm Nay.
Schwerpunkt der
Ausstellung bilden 17 weit gehend unbekannte Bleistiftzeichnungen aus
den
40er Jahren. Die Studien sind nach Angaben von Kuratorin Jutta
Schütt
bisher weitgehend unbekannt.
Es sind Werkzeichnungen, Vorarbeiten zu später entstanden Gemälden, denen man die Verwendung im Atelier bei genauen Schauen ansieht: ob Spuren von Reißnägeln in den Ecken oder ein Schuhabdruck. Anhand von chronologischer Hängung wird Nay's konsequente Entwicklung dem Besucher der Ausstellung verständlich. Die ausgestellten Werke reichen von figürlich expressiven Grafiken ("Lofoten"-Bilder) bis hin zur Abstraktion der Scheibenbilder. Der späte Nay, mit den wenig bekannten Arbeiten aus seinen drei letzten Lebensjahren, wird jedoch vernachlässigt. Ausstellungsbegleitend wird ein Film des Bayerischen Fernsehens von 1974 mit persönlichen Stellungnahmen des Künstlers zu seinem Werk gezeigt: "E. W. Nay - Vom Gestaltwert der Farbe". |
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Die
Welt eine Bühne - Radierungen von Jacques Callot Die
Ausstellung "Die Welt eine
Bühne- Radierungen von Jaques Callot" der Graphischen Sammlung im
Städel
zeigt nun exquisite Blätter des Künstlers, zum
größten
Teil aus den eigenen Beständen des Museums. Callot ist der Erste,
der die Radierung in ihrer technischen Besonderheit zu einer
selbstständigen Kunst erhebt. Er ist ein Meister der Bewegung, der
aus einem echt barocken Gefühl, die Vielgestaltigkeit des Lebens
einzufangen sucht, mit einem außerordentlichen Sinn für das
Flüchtige, Eilende und einer merkwürdigen und ihm eigenen
Mischung von Naturalismus und Phantastik. Die Blätter zeigen
Porträts von Bettlern, Ländliche Szenerien und
Stadtansichten. Der großformatige "Jahrmarkt von Impruneta" zeugt
von einer Liebe zum Detail, mit der Callot der Technik der Radierung zu
ganz neuer Qualität verhilft.
Als
zweiter Sohn einer
wohlhabenden
Familie wird Jaques Callot 1592 in Lothringen geboren. Nach einer Lehre
bei einem Goldschmied und Münzschneider reist er nach Rom, wo er
zum
Kupferstecher ausgebildet wird. 1611 beginnt sein Aufenthalt in Florenz
als Schützling der Medici. Hier förderte Cosimo II. eine
lebhafte
künstlerische Szene. Callot trifft auf ein kreatives
inspirierendes
Umfeld im Kreise von Künstlern, Wissenschaftlern und Architekten
am
Hofe Cosimos. Darunter auch Galileo Galilei, zeitweise sein
Zimmernachbar,
der dort mit Linsen und Gläsern experimentiert.
Diese
neuen technischen
Hilfsmittel
verändern die Wahrnehmung von Welt. Vornehme Menschen sind mit
Ferngläsern
und Brillen bestückt. Mit der Lupe kann man sich Drucke nun ganz
in
Detail betrachten. Der Raum gewinnt eine andere Bedeutung.
Künstler
wie Callot setzen dies bewusst in ihren Arbeiten ein. Insbesondere da
der
Kupferstecher Callot hier die Radierung für sich entdeckt, mit der
sich viel kleinteiliger, detaillierter arbeiten lässt, als mit
anderen
Drucktechniken.
1621,
mit dem Tod des
mäzenatischen Cosimo, nähert sich das ausschweifende Leben in
Florenz dem Ende zu. Callot kehrt in seine Geburtsstadt Nancy
zurück. 1622 gilt er als größter Meister realistischer
Darstellungen. Callot entwirft Lehrstücke, barocke Allegorien zum
Zwecke, die Soldaten zu disziplinieren. Seine Bitterkeit gegen den
Krieg steigt mit zunehmendem Alter. "Schrecken des Krieges" besteht aus
sechs kleinen und achtzehn größeren Kupferstichen, die 1632
und 1633 entstehen. Diese Bilder werden von niemandem in Auftrag
gegeben, doch ihr Verkauf macht ihn reich.
Unter
seinen Drucken stehen oft
Verszeilen in der Art der beliebten Moritatenbücher seiner Zeit.
Die Botschaft
der Bilder ist der Verzweiflung nahe. Was die "Schrecken des Krieges"
zu
einem der großartigsten Bücher über den Krieg macht,
ist
seine Darstellung des Krieges als höchstes Grauen. Heim, Kirche
und
Menschheit gehen gemeinsam zugrunde, die stabilsten und
zerbrechlichsten
Teile der Gesellschaft gehen in Rauch auf. Der Tod ist hier der
absolute
"Gleichmacher".
Callot selbst stirbt 1633 in
Nantes
und hinterlässt etwa 1400 Radierungen. 200 Radierungen davon kann
man
noch bis zum 25. August in der Graphischen Sammlung besichtigen.
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| Farbe
und Form Wer
ist Sophie Taeuber? "Das
Publikum rief nach der Polizei, nach dem Irrenarzt und nach dem
Verbandskasten.
Man drohte, zischte und weinte, Frauen fielen in Ohnmacht." So
beschrieb
ein Beobachter die Szenerie rund um die ersten Aufführungen des
Cabaret
Voltaire an der Spiegelgasse in Zürich. Man schrieb das Jahr 1916,
und
das babysprachliche Wort "Dada" war in aller Munde als Bezeichnung
für
eine neuartige Kunstrichtung. Mit von der Partie war Sophie Taeuber.
Die
zierliche Frau versetzte mit tänzerischen Einlagen die Zuschauer,
unter
ihnen Lenin, in Erstaunen.
Ein Jahr zuvor hatte sie Hans Arp, einen der späteren Protagonisten der Dada-Bewegung, kennen gelernt. Sie verliebten sich, und er führte sie ins Milieu der Avantgarde-Künstler ein. Zwischen den beiden entstand eine fruchtbare Arbeitsgemeinschaft. Er schrieb, sie gestaltete. Für Taeuber war dies nur das halbe, das Nacht-Leben. Am Tag ging sie einer durchaus bürgerlichen Arbeit nach: Sie unterrichtete an der Kunstgewerbeschule. Dass die Frau für den Lebensunterhalt des Paares sorgte, erschien ihr nicht ungewöhnlich. Wer
ist also diese Sophie
Taeuber-Arp? Künstlerin, Kunsthandwerkerin, Tänzerin,
Lehrerin und Ehefrau. Die Ehefrau Hans Arps zu sein war ihr Glück,
denn die Künstler
ergänzten sich in ihren Arbeiten und beeinflussten sich
gegenseitig.
Aber es war auch ihr Verhängnis, hinter dem dominanten Hans Arp
immer
im Hintergrund zu stehen. Eine Rolle, in die sie sich anscheinend
freiwillig
begab. Das Laute war nicht das Ihre.
Charakteristisch für ihre
frühen Werke sind geometrische reduzierte Kompositionen. Sie setzt
Farbfelder
nebeneinander, ordnete Kreise, Quadrate und Dreiecke vertikal und
horizontal
an. Diese Bildersprache setzte Sophie Taeuber anhand verschiedener
Materialien
um. Sie arbeitete mit Stoff, Glas und Stift, schnitzte bizarre
Köpfe
und Figuren aus Holz.
In der aktuellenn Ausstellung im Frankfurter Städel "Farbe und Form: Sophie Taueber im Dialog mit Hans Arp" wird der Vielzahl der Materialien und ihren Arbeiten im Stoff-Design und Kunsthandwerk jedoch wenig Beachtung geschenkt. Man beschränkt sich auf Gouachen, Zeichnungen und vereinzelte Kleinplastiken. Umso prominenter hebt sich der Teil mit den Werken Hans Arps hervor. In Anzahl gleichwertig stehen die Arbeiten der zwei Eheleute nebeneinander in zwei Räumen der Ausstellung. Ein wunderbarer Vergleich, doch ob der wirklich nötig war, bleibt als Frage offen. Wäre es nicht eine Cance gewesen, die Ausstellung noch stärker auf Sophie Taeubers Werk und ihre Biographie auszurichten, mit einzelnen Hans-Arp Stücken als Kontrapunkte? Schließlich ist ja auch auf der Schweizer 50-Franken-Note, nicht Hans Arps Kopf, neben dem ihren abgebildet. |
| Avantgarde
1360 Eines
der ältesten Werke der
Galerie, eine Marienkrönung des mittleren 14. Jahrhunderts ist
wieder mit drei zugehörigen Tafeln vereint, die fast 200 Jahre
getrennt waren. Zu
den frühen Zeugnissen postgotischer Malerei gehören vier
beidseitig bemalte Tafelbilder von 1360. Einst die beweglichen
Flügel eines Baldachinaltars, wurden die Tafeln um 1800 getrennt
und in Einzelszenen zersägt. Eines der Fragmente befindet sich im
Städel, ein weiteres in der Berliner Gemäldegalerie. Eine
dritte Szene wurde kürzlich in einer schottischen Privatsammlung
aufgespürt, eine vierte schließlich im Deutschen
Historischen Museum Berlin erkannt. Diese vier Fragmente werden im
Rahmen der Ausstellung erstmals wieder zusammengeführt.
Zusätzlich wurde dem Museum Wiesbaden eine Marienskulptur
entliehen, um der ursprünglichen Wirkung vom Flügelaltar mit
Marienskulptur unter einem Baldachin so nahe wie möglich zu kommen.
Auch
wenn die Tafeln und die
Skulptur sehr wirkungsvoll in das Kabinett gesetzt sind, in einem
schlichten grauen vitrinenartigen Rahmen, der von beiden Seiten
einsehbar ist, so braucht
man doch ein bisschen Phantasie, um den originären Endruck
wiederaufleben zu lassen. Dass der einst etwa eineinhalb Meter hohe
Altar, wie eine "riesige Goldschmiedearbeit" erschienen sein mag, kann
man an der Präsentation im Kabinett bei weiten nicht
nachvollziehen.
Dafür
lässt sich
wunderbar vergleichen, wie der Zahn der Zeit an den einst
zusammenhängenden
Kunstwerk genagt hat. Die beidseitig bemalten Tafeln mit Leinwand auf
Eichenholz
wurden mit dem Ziel getrennt, mehrere kleine Tafelbilder mit Motiven
der
Innenseite zu erhalten. So wurde bei der Trennung der Motive keine
Rücksicht
auf die Rückseiten genommen, so dass die dortigen Heiligenmotive
in
der Mitte zerschnitten wurden. Heute lässt sich genau erkennen,
dass
Partien im Brustbereich unwiederbringlich verloren gegangen sind. Als
Einzelbild waren sie gänzlich dazu verdammt Rückseite zu
sein. So ist auch ihr Zustand ein vollkommen anderer als der der
Vorderseiten, auf denen die Aufmerksamkeit lag.
Zudem gibt es zwischen den
Berliner
und den Städel-Tafeln bemerkenswerte Unterschiede. Auf den ersten
Blick besser erhalten wirken die Städel-Tafeln. Doch der Anschein
täuscht. Die Tafeln wirken heller und strahlender, so sind jedoch
bei Restaurierungen auch originale Farbschichten verloren gegangen. Man
sollte sich bei einer genauen Betrachtung besonders den Bildhintergrund
der Rückseiten anschauen, der beim Städel silbern und bei den
Berlinern, wohl sehr düster, aber immer noch golden und mit
Sternen verziert zu erkennen ist. Den Städel-Tafeln wurde der
gelbe Firniss und die Sterne sozusagen wegrestauriert. Für solche
genauen Betrachtungen und einen neuen Blick auf ein altes Inventar des
Städelschen Kunstinstitutes bietet sich noch bis Ende Mai
Gelegenheit.
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Die Artikel sind manchmal nicht in dieser Form gedruckt worden.
Gekürzte oder veränderte Passagen sind in den Texten hier
noch enthalten. |