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freie texte

Insgeheim wär ich gern ein DJ
Wo wohnt der Nikolaus?
Zeitumstellung
Die Geschichte des Hi und Ho
Vampire
Umzugshilfe im Gutleut
Heimatlicher Garten
Heimatlied: Es steht ein Haus in Krapkowice
Formwelt
Systembaukasten: Dos und Donts des abendlichen Weggehens
Qual-itäts-sender-HR4
Moloko
L'amour indienne
Alt-Sachsenhausen: Freitagabend im Mai
Entrümpelung
Glücks-Suche
Charlotte und die Selbstmörder
20
Monetäre Relationen
Familienurlaub






Insgeheim wär ich gern ein DJ
Hinter den Plattentellern werkeln. Prüfend in die Kopfhörer reinhören. Der Kopf nickt zum Takt der Musik, das Bier steht in Reichweite, Zigarette im Mundwinkel. Ein prüfender Blick, ob die Masse im Club schweißgetrieben der Ekstase entgegen tanzt.
DJs sind natürlich total überbewertet. Reiner Hype! Aber, ehrlich, insgeheim, wär ich auch gern ein DJ. Ich mein: DJs sind schon toll.
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Wo wohnt der Nikolaus?
Als Kind habe ich ein einziges Mal dem Nikolaus einen Brief geschrieben. Und da der Nikolaus stets von draussen kommt, hatte ich ihn aussen auf mein Fensterbrett gelegt. Einen Briefumschlag mit selbstgemalter Briefmarke, adressiert an: NIKOLAUS. Mittags war der Brief noch immer da, vor dem Abendbrot auch, vor dem Zubettgehen sah es nicht anders aus. Ich fing an mir Sorgen zu machen.
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Zeitumstellung
Im Club. Um halb eins, als der Keller noch fast leer ist, stauen sich die wenigen Gestalten dennoch genau im Durchgang vor der Theke, so dass man nur mit Körperkontakt in den hinteren Teil kommt, um festzustellen wie leer und kalt es hier ist und versteht, warum die Personen vorne so dicht gedrängt, warm vermummt in Mänteln und Jacken, vor dem Tresen rumstehen. Bar kann man den Bretterstapel kaum nennen.
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Die Geschichte von Hi und Ho
Herr Ho wohnt in einer Stadt, in einer ruhigen Strasse in einem kleinen Haus. Herr Hi wohnt in dem Haus daneben. Immer wenn Herr Ho morgens auf die Strasse tritt und Herrn Hi begegnet, nickt er diesem freundlich zu. Dann sagt Herr Ho zu Herrn Hi: “Hi”. Und Herr Hi erwidert zu Herrn Ho: “Ho”.
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Vampire
Vampire fürchtete ich, wie ich sie gleichermaßen liebte. Vielleicht weil ich ein merkwürdiges Verhältnis zu diesen Figuren gewonnen habe. Ich bin ihnen immer viel zu früh begegnet. Nie dann, wenn es angebracht gewesen wäre. Noch nicht einmal ein oder zwei Jährchen zu früh, sondern viele Jahre zu früh.
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Umzugshilfe im Gutleut
Der Freund der besten Freundin zieht zu ihr. Also heisst es beim Umzug helfen. Schrank, Computer, Sessel, Bett; runter aus der alten Wohnung. Raus aus dem Westend, rein ins Gutleut. Die alten Möbel der Vormieterin kommen auf die Strasse zum Sperrmüll. Auf der anderen Strassenseite stapeln sich die neuen Möbel, die nun stattdessen in die Wohnung sollen. Aus dem Nachbarhaus schallt türkische Plärre.
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Heimatlicher Garten
Daheim ist es immer an schönsten, so erkannte schon Dorothy im Zauberer von Oz. Und sprach: "Home is, where your heart is", schlug dreimal ihre roten Schuhe aneinander und konnte zurück nach Hause. Aber was bitte ist dieses "Daheim" oder "Zuhause"?
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Heimatlied: Es steht ein Haus in Krapkowice
Es steht ein Haus in Krapkowice. Ja, ja.
Da stand es schon lang und es steht immer noch. Schön wars. Ja, ja.
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Formwelt
Uns gefällt, von dem wir wissen, dass es denen gefällt, denen wir gefallen wollen.
Rede wie sie, kaufe ihre Dinge, trinke ihre Drinks, lache über ihre Witze und vielleicht werden sie denken, dass du zu ihnen gehörst. Aber sei nicht klüger, gewitzter oder einfallsreicher als sie. Nur nahe dran, damit sie dich weiterhin mögen können und nicht als bedrohlich erachten. Und wenn du dann vollgesogen bist mit all dem guten Stil und merkst, dass es auch nur eine Art der Angepasstheit ist, welch Ausweg zeigt sich dann noch auf?
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Systembaukasten: Dos und Donts des abendlichen Weggehens
Weggehen am Abend hat immer etwas von “sich beim Beobachten selbst zugucken“. Was macht einen Abend gelungen oder nicht? Ein schlechter Abend ist auf jeden Fall, wenn man alleine weggeht und den ganzen Abend einsam an der Bar oder auf einer Bank sitzt und niemanden kennt.
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Qual-itäts-sender-HR4
Moderatorin: Sie sind also Robert Ruppel, Bürgermeister von Pfaffenhausen. Und heute Abend treten sie mit dem südhessischen Rodau in einen Wettkampf im Hessen Fernsehen? Wie werden sie sich präsentieren?
Bürgermeister Ruppel: Ei, des Filmteam des Hessischen Rundfunks, des war ja schon am Freidag da. Und isch muss sagen, die Aufnahmen, die heute abend ausgestrahlt werden....
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Moloko
Man sitzt auf Stühlen, Bänken, in Fensternischen. Der Raum ist eigentlich viel zu voll. Kaum ein Platz mehr frei, man rückt zusammen und quetscht sich neben den unbekannten Nächsten. Die Musik ist natürlich viel zu laut! Man versteht kaum das eigene Wort, schreit dem Gegenüber Floskeln ins Ohr, in der Hoffnung, er möge etwas davon verstehen.
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L'amour indienne
Ich lief durch die Strassen Delhis. Auf der Suche nach einem billigen Hostel. Einem sauberen Platz, wo ich bleiben konnte. Er wartete an einer Säule. Vielleicht hätte ich mich da schon fragen sollen, worauf er wartete. Es war, als wartete er auf mich. Oder warum sonst fing er an, mich anzusprechen?
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Alt-Sachsenhausen: Freitagabend im Mai
Es ist dunkel und durch die Strassen drängen sich Autos auf der Suche nach einem der raren Parkplätze. So ist es stets am Wochenende. Und besonders schlimm dann, wenn es wieder gen Sommer geht. Dann zieht es die Leute von überallher in die Biergärten Alt-Sachsenhausens. Die Kennzeichen der parkenden Autos zeigen dann HU, MTK, WI oder MA oder DA, als ob es dort nicht auch und wahrscheinlich viel schönere Kneipen gäbe. Aber nein, Sachsenhausen muss es sein. Hier ist es ja so wunderbar urig. Und welch eine Atmosphäre. Oh ja!
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Entrümpelung
Daheim. Elternhaus. Ich bin da immer wieder gern. Meine Mutter sagt: “Entrümple mal den Keller!“ Dann schaut sie missbilligend auf die Fussel an meinem Mantel und meint: „Sagen deine Freunde nix, wenn du so mit ihnen rumläufst“. "Niemand sagt was“, erwidere ich, “die laufen auch so rum“. Alte Spiele. Sätze, die sich in den Jahren so oft wiederholt haben. Und mittlerweile höre ich sie ganz gerne. Mild lächelnd steige ich hinab Richtung Keller, dabei denke ich, dass es ganz schön ist, wenn manche Dinge fortbestehen, selbst wenn sich sonst alles verändert hat.
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Glücks-Suche
Egal, ob man sich bewusst auf die Suche nach dem Glück macht oder gerade nicht, da der Meinung, wenn man etwas zu sehr sucht es sowieso nicht finden zu können, so denke ich, ist beiden Methoden eines gemeinsam: Das eigene Glück ist stets schwerer zu finden als das von anderen. Nicht, dass es nicht da wäre. Man sieht es einfach nur nicht. Als wäre man kurzsichtig und erst durch die Brille der Zeit sieht man im Nachhinein, wie glücksvoll Momente, Orte oder Begegnungen gewesen sind.
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Charlotte und die Selbstmörder
“Wie siehst du denn aus?” tönt es von unten. Ein etwa 5-jähriges Mädchen steht vor mir und zeigt mit ihren Zeigefinger genau zu mir hoch. “Wie siehst du denn aus?” jauchzt sie lautstark ein zweites Mal auf. Ja, wie seh ich denn aus?, schießt es mir durch den Kopf. Sitzt irgendwas falsch, ist die Wimperntusche verschmiert oder sehe ich generell merkwürdig aus? Aber das lasse ich mir natürlich nicht anmerken. Ich bin professionell Tante mehrerer Kinder und weiß nonchalant mit solchen Situationen umzugehen.  "Und wie siehst DU aus?” werfe ich die Frage zurück. Die Kleine lacht trotzig auf.
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20
... Etwa 20 waren sie. Noch richtig jung. Aber zu alt, um nur ja nicht den Spass ihres Lebens zu verpassen, darum hatten sie es wohl eben so eilig gehabt. 20 ist ein schönes Alter. Man ist noch sorglos genug, um sich keine Gedanken machen zu müssen, um noch völlig im Jetzt zu leben: Unbeschwert! Ich seh mich im Café um und denke, dass der Mann dort drüben ähnliches über mich denken könnte: "Ja, Ende 20, das war eine gute Zeit, da hat man noch...". Doch, das soll mich mich nicht weiter beschäftigen. Schliesslich fühle ich mich ja nicht alt. Nur älter.
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Monetäre Relationen
Irgendwie wird alles immer teurer. Zum Beispiel: 5 Euro, das hört sich nach wenig Geld an, umso überraschender wenn man feststellen muss, dass es sich nicht nur wenig anhört, sondern es tatsächlich ist. Was bekommt man schon für 5 Euro?
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Familienurlaub
Ich kann mich noch gut erinnern wie es war, als ich klein war und die ganze Familie in den Urlaub gefahren ist. Wir sind nicht oft weggefahren. Als ich noch sehr klein war (an der Grenze dessen, an was ich mich noch verschwommen erinnern kann und dem, was ich von Fotos weiß) sind wir einmal im Sommer und einmal im Winter vereist: Später dann nur noch alle zwei bis drei Jahre im Sommer.
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